Fliegendes Auto Skycar Ein Tüftler jagt Millionen in die Luft

100 Millionen Dollar, 50 Jahre Arbeit und drei Prototypen - besonders weit ist Paul Moller mit seinem Traum von einem fliegenden Auto noch nicht gekommen. Doch der tüftelnde Professor aus den USA ist sich sicher: Sehr bald wird sein Skycar abheben und die Welt verändern.

Tom Grünweg

Aus Davis, Kalifornien, berichtet


Sicherheitsschleusen, die geräuschlos aufgleiten, Türen, die sich nur nach dem Scannen der Iris öffnen lassen. An jeder Ecke neue Zahlencodes, klinisch reine Flure und eine lückenlose Videoüberwachung - so stellt man sich Labors vor, in denen technische Revolutionen von globaler Tragweite entwickelt werden. Bei der Nasa mag das so sein und bei Toyota, Mercedes oder VW.

Bei Paul Moller sieht die Revolution anders aus. In einem Zweckbau im Gewerbegebiet seiner schmucklosen Heimatstadt Davis arbeitet der Wissenschaftler hinter Türen, die meist nur angelehnt sind, vor offenen Fenstern und in schmuddeligen Werkstätten - am ersten Auto, das auch fliegen kann.

"Volantor" nennt Moller diese Fahrzeuge, die praktischer sind als ein Hubschrauber, wendiger als ein Flugzeug und schneller als ein Auto. Das Kunstwort führt er auf die Abkürzung VTOL zurück, die für "vertical take off and landing" steht. "Schon in 15 Jahren könnten solche Mobile einen nennenswerten Anteil des Verkehrs auf unseren Straßen übernehmen", sagt der emeritierte Professor, der von 1963 bis 1975 an der Universität Kalifornien Mechanik und Flugzeugkonstruktion lehrte und skizziert eine Vision sogenannter Virtual Highways, auf denen computergesteuerte Autos stau- und störungsfrei übers Land fliegen, während unten Ruhe herrscht und Fußgänger in sauberer Luft gefahrlos die Straßen queren können. In 25 Jahren, gibt sich Moller überzeugt, legen wir Kurzstrecken mit elektrischen Kleinwagen zurück und gehen für längere Distanzen in die Luft.

Kolibris brachten Moller auf die Idee

Man kennt das aus Zeichentrick-Geschichten wie den "Jetsons". Doch Moller zeichnet keine Comics. Er zeichnet Konstruktionspläne. Das allerdings schon sehr lange. Sein Unternehmen Moller Industries feiert in diesen Tagen den 50. Geburtstag, und damit auch die Idee vom Flugauto. Mollers Traum vom Fliegen ist sogar noch älter, denn schon als Fünfjähriger, als er noch auf einer Hühnerfarm in Kanada lebte, hätte er am liebsten Flügel gehabt. "Mein Schulweg war weit und im Winter auch gefährlich", sagt der heute 75-Jährige.

Als er später Kolibris sah, die überall aufsteigen und minutenlang vor Blütenkelchen schweben konnte, wusste er, wie das Auto von morgen konstruiert werden musste. Inzwischen stecken neben 50 Jahren Arbeit auch mehr als hundert Millionen Dollar in dem Projekt, die von Investoren, aus Immobilengeschäften und aus der gewinnbringenden Erfindung eines speziellen Motorradauspuffs stammen.

Die Resultate dieses Aufwands sind überschaubar: Dutzende von Modellen und Skizzen an den Wänden seiner Werkstatt, eine spektakuläre Designstudie, eine Handvoll Spielzeugflieger - und zwei halbwegs funktionstaugliche Prototypen. Der sogenannte M200, der aussieht wie eine fliegende Untertasse und bei einer Flughöhe bis etwa drei Meter sogar ohne Pilotenschein bewegt werden darf, soll im nächsten Jahr immerhin in einer Kleinserie produziert werden. "Wir verhandeln mit einer Firma, die damit den Bodenverkehr auf dem privaten Weltraumbahnhof Spaceport America organisieren möchte", sagt Moller. Für ihn ist das Ding, das aussieht wie eine blaue Käseglocke mit Motoren, ein ultimativer Geländegänger. Man komme mit dem Gerät praktisch überall hin, und es werde schon in kleiner Stückzahl weniger als 40.000 Dollar kosten.

880 PS, mehr als 500 km/h

Das Herz des Entwicklers hängt allerdings am Skycar. Das rote Flugauto befindet sich mittlerweile in der fünften Entwicklungsstufe und hat sich zu einem Zweisitzer mit vier Triebwerken gemausert, die schwenkbar gelagert sind. So erzeugen sie gleichermaßen Auf- und Vortrieb, und Flügel sind - genau wie bei einem Hubschrauber - überflüssig. Gesteuert wird per Joystick, und in der Luft bestimmt ein Autopilot den Kurs.

Als Antrieb fungieren, wie bei allen Moller-Modellen, sogenannte Rotapower-Motoren, die der Professor selbst erfunden hat. Statt auf Turbinen oder Hubkolben setzt Moller auf Rotationsmotoren nach dem Prinzip von Felix Wankel. "Auch Wankel war ein Genie, das gegen viele Widerstände ankämpfen musste", schwärmt Moller von dem deutschen Ingenieur, dem er sich im Geiste verbunden fühlt.

Was Moller - wie übrigens viele andere Kleinflugzeugbauer auch - an Wankel-Motoren so begeistert, ist das kompakte Format, der ruhige Lauf, das geringe Gewicht und die hohe Leistungsausbeute: Bis zu 110 PS holt er aus einem Zweischeiben-Motor, der kaum größer ist als der eines Rasenmähers.

Im Skycar sollen davon gleich acht zum Einsatz kommen, die jeweils im Doppelpack und schwenkbar an den Flanken montiert sind und für Pkw-Fahrer schier unglaubliche Geschwindigkeiten ermöglichen werden. Mit Bodenkontakt fährt das Skycar höchstens 50 km/h schnell, damit man gemütlich zu einem Vertiport rollen kann, wie Moller die Startplätze nennt, die an jeder zweiten Straßenecke entstehen sollen. In der Luft dann drehen die Maschinen mit insgesamt 880 PS auf und sollen das Skycar auf mehr als 500 km/h beschleunigen. Weil der Wankel-Motor bei konstanter Drehzahl auch noch recht sparsam ist, liegt die Reichweite des etwa eine Tonne schweren Skycars bei mehr als tausend Kilometern.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zum ersten Mal abgehoben ist Moller zwar schon vor knapp zehn Jahren - per Fernsteuerung und zur Sicherheit am Haken eines Krans. Doch seitdem stockt die Entwicklung. Die Wankelmotoren sind nun luft- statt flüssigkeitsgekühlt, und die Elektronik, die das komplizierte Zusammenspiel der Triebwerke steuert, wurde verfeinert. Aber der Jungfernflug steht nach wie vor aus. "Im nächsten Jahr ist es so weit", sagt Moller im Brustton der Überzeugung. Bis 2015 solle die erste Kleinserie folgen, und für die zweite Hälfte des Jahrzehnts phantasiert der Erfinder von 1000 Skycars pro Jahr.

500.000 Dollar soll ein Skycar kosten. Zu diesem Preis wären sie nicht nur für Militärs, Polizei und Grenzschützer interessant, die laut Moller jetzt schon Schlange stehen, sondern auch für wohlhabende Privatleute. "Jeder bessere Sportwagen der Hollywood-Stars ist teurer", sagt Moller. Jetzt muss er das Ding nur noch zum Fliegen bringen. Endlich mal.

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insgesamt 49 Beiträge
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Gani, 29.11.2011
1. Ohne Flügel?
"...und Flügel sind - genau wie bei einem Hubschrauber - überflüssig." Auch Hubschrauber haben Flügel. Man nennt sie ja nicht umsonst Drehflügler. Diese sich drehenden Flügel erzeugen den Auftrieb. Was denn sonst? Was drr Autor gemeint hat, sind Flächenflügel. Sowas haben (die meisten) Hubschrauber nicht.
adesat 29.11.2011
2. Lächerlich
Der "Tüftler" hat wohl zu viele Comics gelesen. Aber er scheint ja genügend Dummköpfe zu finden die in seine dämlichen "Erfindungen" investieren. Ich gehe jetzt ein paar Flügel an meine Turnschuhe kleben.
petsche 29.11.2011
3. tueftler
Zitat von sysop100 Millionen Dollar, 50 Jahre Arbeit und drei Prototypen - besonders weit ist Paul Moller mit seinem Traum von einem*fliegenden Auto*noch nicht gekommen. Doch der tüftelnde Professor aus den USA ist sicher:*Sehr bald*wird*sein Skycar abheben und die Welt verändern. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,800299,00.html
good luck mate !
Houdremont 29.11.2011
4. Tüftler
Wieviele Steuersparmodele hätte man daraus in Deutschland machen können, und wäre dennoch keinen Millimeter weiter!! Typischer Artikel, von Humanisten geschrieben Techniker gennerell in die Utopiaecke zu stellen!! Wieso zählt den niemand die Forschungsprojekte und Einzelentwicklungen auf, die sich dieser Herr hat beauftragen und bezahlen lassen?? Kommt den niemand auf die Idee das der Kerl garnicht Fliegen will, sondern lediglich das Skycar als MArketinggag hat um Entwicklungsaufträge zu bekommen?? Ach Kaufleute, welche Einfallspinsel sind wir den??
Olysus 29.11.2011
5. Ich kann nicht mehr lesen
Also wie Oft wird das Skycar denn noch aus der Versenkung geholt. Nunja es gibt ja haufenweise schöne Bilder des Skycar im Schwebeflug , wobei ein Schwebeflug wohl das einfachste Problem ist. Aber mal was anderes kam Moller nicht 2003 knapp an einer Verurteilung wegen Anlagebetrugs nur durch einen Vergleich über 50.000 $ vorbei. da war doch was. http://www.sec.gov/litigation/litreleases/lr17987.htm ach genau da ginge es ja um das Tolle HimmelAuto Unseriös ohne Ende und keiner Erwähnung wert
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