Förderschüler als Designer Das vielleicht effizienteste Elektroauto

Acht Schüler einer amerikanischen Förderschule haben - unter Anleitung von Profis - das vielleicht energieeffizienteste Elektroauto der Welt gebaut. Ihr Trick: Sie bliesen förmlich die Karosserie über das Fahrgestell eines Rennwagens.

Von

Tom Strongman

Nein, das hier sind nicht die Überreste eines verunglückten Batmobils. Dieses seltsam anmutende ist das vermutlich effizienteste Elektroauto der Welt. Acht Schüler einer amerikanischen Förderschule haben es unter Anleitung von Autoexperten und mit Unterstützung der Autoindustrie in den vergangenen Monaten entworfen, zusammengeschraubt, optimiert - und zuletzt "Geist der Geschwindigkeit" genannt.

Die DeLaSalle-Schule in Kansas City im US-Staat Missouri will vielversprechenden Schülern aus ihren Problemkarrieren helfen. Wer eine schwierige Vergangenheit hatte, aber nicht als Gewalttäter auffällig wurde, darf an die Schule, bekommt die 16.000 Dollar Schulgebühren von Stadt, Stiftung und Gönnern spendiert. Dafür gibt es anspruchsvollen Unterricht und interessante Projekte, wie es sie auf anderen Schulen nicht gibt. Zum Beispiel zusammen mit Profis ein Rekord-Auto zu entwickeln.

Wer so ein Science-Fiction-Auto im neu eingerichteten Schulfach "Automobil-Design" entwickelt, so das Kalkül der Schulleitung, der entwickelt auch Kreativität, Selbstvertrauen und Lust am Lernen. Aufgabe der acht Schüler: Einen defekten Rennwagen auf Vordermann zu bringen, eine Leichtbau-Karosserie und ein elektrisches Antriebssystem dafür zu entwickeln. Herausforderung: 1 Stunde Fahrtzeit bei knapp 100 km/h.

Markante und superleichte Karosserie

Ein Dreivierteljahr später ist das Klassenziel erreicht: Erfolg auf ganzer Linie, denn der E-Auto-Prototyp legt bei ersten Testfahrten im August glänzende Effizienz-Werte vor: Umgerechnet knapp 300 MPG (miles per gallon) oder 127,5 Kilometer pro Liter Sprit (0,78 Liter auf 100 Kilometer). Das könnte Weltrekord sein, die Schüler-Designer beantragten bereits einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde.

Der Effizienz-Clou: Die so markante wie superleichte Karosserie - eigentlich nur eine Folie, die die Schüler über das leichte Fahrwerk eines defekten 2000er Lola Indycars (kostete nur 2.500 Dollar) spannten. Tatsächlich war das eine Erfindung der Eleven - wenn auch eher unabsichtlich.

Das Design der Karosserie lag nämlich ganz in den Händen der Schüler. Zunächst sollten sie jeder für sich mögliche Formen mit Lehm-Modellen erarbeiten. "Wir haben bald gemerkt, dass die Schüler das besser in Originalgröße mit Drähten konnten" erklärt Projektleiter Steve Rees SPIEGEL ONLINE. "Von da an wurde es von einer Einzelübung zu einer Gruppenarbeit."

Eigentlich hätte es jetzt so ablaufen sollen: Die Schüler spannen die Drähte um das Fahrgestell, da, wo einmal die Fiberglas-Karosserie sein soll. Über diese Drähte legen sie eine spezielle Folie, zupfen sie so lange zurecht, bis sie im Luftstrom eines Ventilators nicht mehr flattert, also wenig bremsende Turbulenzen verursacht, härten die Folie mit Heißluftbebläsen, streichen einen speziellen Schaum über sie und formen daraus letztlich ein Fiberglas-Gehäuse.

Das funktionierte auch alles, nur war das Fiberglas viel zu schwer - 70 Kilogramm, damit wären die großen Effizienzträume nicht zu verwirklichen gewesen. Die Spannfolien-Vorlage allerdings war zu robust und schön.

Rees: "Das war eine so elegante Form, geradezu ein Kunstwerk." Die Entscheidung fiel: Das Schülerauto sollte eine durchsichtige Plastikhaut, nur 20 Kilo leicht, bekommen, getragen von dem Drahtmodell, das die Schüler eigentlich nur als Zwischenschritt entwarfen. Die durchsichtige Karosse war geboren, die Schüler nannten sie Geist der Geschwindigkeit.

Das ganze erinnert nicht von ungefähr an BMWs Textil-Konzeptauto GINA Light. DeLaSalle-Projektleiter Steve Rees gibt unumwunden zu, dass er und sein Team sich von dem BMW-Konzept inspirieren lassen hat. Leider, wirft er ein, ist das transparente Chassis seiner Schüler aber nur ein Blickfang in der Prototypenphase. Für einen ernsthaften Einsatz als Stadtauto wäre es zu klapprig. Rees: "Mit einem anderen Material wäre das aber vielleicht möglich."

Es geht nicht um Erfolg und Kontakte

Aus der Notlösung wurde eine internationale Erfolgsgeschichte. Rees und sein Team werden mit Anfragen überhäuft: Von der Presse, aber auch von Automobil-Herstellern. Erst Ende August lud die BMW Stiftung Herbert Quandt das Team zu einer Vorführung nach New York ein. "Wir haben ein paar hochqualitative Kontakte nach Deutschland schließen können," schreibt Steve Rees. Details werde man hoffentlich bald preisgeben können.

Aber eigentlich, gibt er zu bedenken, gehe es ja gar nicht um Erfolg und Kontakte, sondern darum, seinen Schülern Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln. "Das Auto war dafür nur das Mittel." Drei Schüler planen, sicherlich nicht zuletzt wegen der tollen Erfahrungen, eine Karriere in der Autobranche.

Und der Geist der Geschwindigkeit? Dürfte dem Geist der Bildung weichen. Neben weiteren Arbeiten am Auto werde Rees und sein Team nun versuchen, ihr Schul-Experiment, das Fach Autodesign auch an anderen Schulen unterzubringen. Dort sollen Fachkräfte von vor Ort Schülern dabei helfen, zu erreichen, was schon Rees Schüler schafften: Eine große Vision in Realität umzusetzen - auch wenn der Weg dahin nicht immer grade ist.

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nitram1 14.09.2010
1. Es gibt keine effektiven Elektroautos!
Dasw ist genau so ein Gag wie die menschgemachte Klimaerwärmung oder die "Erneuerbaren Energien"! Das ist genau so Seriös wie die Energiestudien aus demj Umweltbundesamt! Genau so wissenschaftlichen wie die Abhandlungen über den wissenschaftlichen Sozialismus!
TheSchuetzendorf 14.09.2010
2. Falsch verstanden
Zitat von sysopAcht Schüler einer amerikanischen Förderschule haben - unter Anleitung von Profis - das vielleicht energieeffizienteste Elektroauto der Welt gebaut. Ihr Trick: Sie bliesen förmlich die Karosserie über das Fahrgestell eines Rennwagens. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,715183,00.html
Deswegen ist auch die Bildunterschrift unter Bild 3 vollkommen falsch: Die dort gezeigte CFK-Struktur ist das "Fahrgestell" und nicht die Hülle des zukünftigen Autos. Dieses wurde beibehalten aber die Idee einer Hülle aus GFK verworfen. Das Chassis des Indy-Car ist aufgrund der Anforderungen an Kühlluft und der freistehenden Räder nicht als Elektrofahrzeug geeignet. Das Indy-Car-Chassis wurde deswegen nicht wie geschrieben später aufgegeben sonder mit einer zweiten Hülle aus der beschriebenen Folie bespannt. Das ist ein gängiges Verfahren im Bau von leichten Fahr- und Flugzeugen im experimentellen Bereich, ein alter Hut seit Beginn der 80-er Jahre. Schade, ich dachte schon das wäre der erste Spiegel-Online-Artikel über einen technischen Sachverhalt, der vom Autor nicht grundsätzlich falsch verstanden wurde. Bitte alle technischen Dinge von Redakteuren mit Sachverstand schrieben lassen, schade um die Zeit!
KnokeF 14.09.2010
3. Korrektur
Zitat von TheSchuetzendorfDeswegen ist auch die Bildunterschrift unter Bild 3 vollkommen falsch: Die dort gezeigte CFK-Struktur ist das "Fahrgestell" und nicht die Hülle des zukünftigen Autos. Dieses wurde beibehalten aber die Idee einer Hülle aus GFK verworfen. Das Chassis des Indy-Car ist aufgrund der Anforderungen an Kühlluft und der freistehenden Räder nicht als Elektrofahrzeug geeignet. Das Indy-Car-Chassis wurde deswegen nicht wie geschrieben später aufgegeben sonder mit einer zweiten Hülle aus der beschriebenen Folie bespannt. Das ist ein gängiges Verfahren im Bau von leichten Fahr- und Flugzeugen im experimentellen Bereich, ein alter Hut seit Beginn der 80-er Jahre. Schade, ich dachte schon das wäre der erste Spiegel-Online-Artikel über einen technischen Sachverhalt, der vom Autor nicht grundsätzlich falsch verstanden wurde. Bitte alle technischen Dinge von Redakteuren mit Sachverstand schrieben lassen, schade um die Zeit!
[QUOTE=TheSchuetzendorf;6237444]Deswegen ist auch die Bildunterschrift unter Bild 3 vollkommen falsch: Die dort gezeigte CFK-Struktur ist das "Fahrgestell" und nicht die Hülle des zukünftigen Autos. Dieses wurde beibehalten aber die Idee einer Hülle aus GFK verworfen. Das Chassis des Indy-Car ist aufgrund der Anforderungen an Kühlluft und der freistehenden Räder nicht als Elektrofahrzeug geeignet." Stimmt, mein BU-Fehler. Hab ich an die Redaktion weitergeleitet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.