Förderung von Elektroautos: Deutschland braucht die Umweltprämie 2.0

Ein Kommentar von Tom Hillenbrand

Ob China, Frankreich oder die USA: Wer ein Elektroauto kauft, erhält einen üppigen Zuschuss vom Staat. Immer mehr Länder wollen den Stromern zum Durchbruch verhelfen. Nur die Autonation Deutschland subventioniert weiter Technik von gestern - und läuft Gefahr, abgehängt zu werden.

Hamburg - Das Rennen um den Pkw der Zukunft hat noch nicht richtig begonnen - doch die Teilnehmer rangeln bereits um die Pole Position. "Jetzt muss man investieren. Sonst verpasst man eine Gelegenheit", sagt US-Präsident Barack Obama. Großbritanniens Wirtschaftsminister Peter Mandelson reklamiert für sein Land "die Führerschaft in einer Niedrig-CO2-Zukunft". Und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hält "Autos, die mit fossilen Energiequellen fahren", für "Auslaufmodelle". Für die Euphorie der Politiker gibt es gute Gründe. Eine rasche Verbreitung von Elektroautos könnte den CO2-Ausstoß senken - den von Feinstaub und anderen Emissionen sowieso. Stromer sind effizienter, einfacher zu warten und preiswerter zu betreiben als Pkw mit Verbrennungsmotor. "Elektroautos gehört die Zukunft" resümiert deshalb auch VW-Chef Martin Winterkorn, seine Kollegen bei Daimler oder Renault sehen es ähnlich.

Eine wachsende Zahl von Staaten macht deshalb viel Geld locker, um Stromvehikeln zu einem schnellen Durchbruch zu verhelfen. Amerikaner erhalten bei Kauf eines E-Autos eine Steuergutschrift über umgerechnet bis zu 5800 Euro. Briten bekommen ab 2011 fast die gleiche Summe - in bar. In China sind es über 6700 Euro.

Und in Deutschland?

Wer hierzulande ein Elektroauto erwirbt, zahlt fünf Jahre lang keine Kfz-Steuer. Die Ersparnis gegenüber einem normalen Kleinwagen beträgt insgesamt 140 Euro*.

Im Geburtsland des Automobils gibt es de facto keine Absatzförderung für alternative Antriebe. Das ist umso erstaunlicher, als die Bundesregierung gerade weitere 3,5 Milliarden Euro für die Abwrackprämie bereitgestellt hat, das größte Neuwagenverkaufsprogramm der deutschen Geschichte.

Der letzte Neuwagen-Boom?

Dieses Versäumnis könnte die Deutschen mittelfristig teuer zu stehen kommen. Autohersteller wie VW oder BMW profitieren zwar auch von Elektroauto-Subventionen in China oder den USA - wenn sich die kostspielige Entwicklung neuer Antriebstechnologien für sie rechnen soll, sind sie jedoch auf eine starke Nachfrage auf ihrem Heimatmarkt angewiesen. Diese Nachfrage dürfte mangels Förderung nach derzeitigem Stand aber ausbleiben, wenn 2010 bis 2012 die ersten Stromer zum Händler rollen.

Dabei ist es nicht einmal so, dass die Regierung überhaupt kein Geld für alternative Antriebe budgetiert hat. Im Konjunkturpaket II wurden 500 Millionen Euro für Elektro- und Wasserstofffahrzeuge eingeplant. Nur gibt Berlin das Geld nicht seinen Bürgern, sondern der Pkw-Industrie. Das hat eine lange Tradition: Schon in den achtziger und neunziger Jahren förderte der Staat diverse Antriebsprojekte. Das bekannteste war das Rügen-Projekt, ein großangelegter Elektroauto-Feldversuch. Mit dem Geld der Steuerzahler forschelten Daimler, BMW und andere jahrelang an Batterien und E-Motoren herum. Ein serienreifes Produkt kam nie heraus.

Der Misere liegt ein banales marktwirtschaftliches Faktum zugrunde: Forschungszuschüsse, Verordnungen und gutes Zureden sind nur bedingt geeignet, das Handeln von Unternehmen zu beeinflussen. Das Einzige, was Konzernen so richtig Beine macht, ist die Aussicht auf einen schönen Profit. Wenn bei VW und Konsorten die Wahrnehmung entstünde, dass Elektroautos demnächst reißenden Absatz finden, würden sie diese eher heute als morgen auf die Straße stellen.

China lässt den Verbraucher wählen

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Chinesen diesen Zusammenhang früher als andere erkannt haben. Die Volksrepublik zahlt die höchste Elektroautosubvention der Welt - in der Hoffnung, dass eine schnelle Verbreitung der Technologie heimischen Elektroautoherstellern wie BYD Wettbewerbsvorteile verschafft.

Der stellvertretende Finanzminister Zhang Shaochun erteilt üppigen Forschungszuschüssen hingegen eine Absage: Eine direkte Subvention "gibt den Konsumenten ein Wahlrecht" - und führe dazu, dass der Markt entscheidet, welche Ökoautos sich durchsetzten.

Ökokapitalist Zhang hat Recht, und Ludwig Erhard würde vermutlich beifällig nicken. Darum braucht Deutschland für Käufer von Elektroautos eine neue Umweltprämie - und zwar diesmal eine, die den Namen verdient. Ansonst könnte die durch die erste Abwrackprämie kurzfristig verjüngte deutsche Fahrzeugflotte in wenigen Jahren ziemlich alt aussehen.

Eine Gegenrede zu diesem Kommentar finden Sie hier.

*Berechnet nach der neuen Kfz-Steuer anhand eines VW Polo Bluemotion.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 192 Beiträge
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1. Braucht man nicht
Irene 21.04.2009
So einfach ist es ja nicht. Strom kommt bekanntlich von der Steckdose und wo wird der Strom erzeugt?? denn man dafür braucht Strom ist ohnehin schon immer teuere, wenn man da noch Autos produziert die mit Strom nur fahren Steigt der Stromvebrauch und es wird noch teure Zudem werden wir mit diesen Verschandelung von Windrädern noch mehr gestört. Atomstrom gibt ja bald nicht wenn alle unsere AKW geschlossen werden
2. Unsinn
Lehrer 21.04.2009
Deutschland braucht überhaupt keine Umweltprämie. Die erste war schon Unsinn und Volksverdummung. Gute innovative Produkte, die nutzenstiften, finden ihre Käufer von selbst, da braucht es keine Förderung. Gesetze machen und Geldausgeben, das ist alles wozu Politiker in der Lage sind.
3. Zeit
imagine 21.04.2009
Zeit diesen Wahnsinn Abwrackprämie zu stoppen bevor noch mehr Milliarden verschleudert sind. Nur Hersteller fördern die saubere Autos produzieren. Und meinetwegen auch deren Käufer. Das Autoland Deutschland leistet sich KFZ Hersteller, die seit Jahren wissentlich falsche Modellpolitik betreiben. Und eine Regierung die das zulässt UND fördert.
4. ....
OlafKoeln 21.04.2009
Da die deutsche Automobilindustrie bei allem bremst, außer PS-Zahl und Höchstgeschwindigkeit ("dämliche Filterchen", Katalysator, Hybridantrieb usw.), werden wir wohl bald den "Jurassic Park" der Automobilbauer unser eigen nennen.
5. HerrGottnochmal
john mcclane 21.04.2009
Kann dem Herrn Hillenbrand mal bitte jemand so ein fernsteuerbares Rennauto aus dem nächsten Spielzeugladen holen, damit er endlich sein Elektroauto hat und Ruhe gibt? Ich frag mich langsam echt, auf welchem Planeten der lebt. Die böse Regierung gibt 500 Millionen € zur Erforschung von alternativen Antrieben nicht an die Bürger, sondern an die Automobilkonzerne? Woran mag das nur liegen? Das bis heute kein großserienreifes Wasserstoff- oder Elektroauto existiert? Oder mal anders gefragt: Was sollen die Bürger dann mit der Kohle???? Produkte kaufen die es noch gar nicht gibt? Oder glaubt der Autor im Ernst, vor lauter Freude über den Geldsegen geht ganz Deutschland in den Hobbykeller und zeigt den Nieten von Daimler, VW, BMW und Co. wo der Hammer hängt? Ich bereue schon wieder, das ich am frühen Morgen mir den Stuß durchgelesen habe. Hoffen wir, das es für diese Kolumne bald heißt: "Abgewürgt"
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