Ford B-Max Weltpremiere mit Schiebetür

Ford ignorierte bislang den Boom der Minivans. In Genf allerdings feiert ein solches Modell Weltpremiere, der Ford B-Max. Weil der den Markt von hinten aufrollen muss, haben sich die Ingenieure etwas Besonderes überlegt: Das Auto hat Schiebetüren und verzichtet auf B-Säulen.


Genau ein Jahr nach der Premiere des Kompaktvans C-Max zieht Ford auf dem Autosalon in Genf jetzt das Tuch vom B-Max. Offiziell ist der Wagen noch eine Studie, doch binnen Jahresfrist soll die Serienversion den schon arg angestaubten Fusion auf Fiesta-Basis - immerhin seit 2002 auf dem Markt - beerben. Anzutreten hat der B-Max dann gegen etablierte Konkurrenten wie Opel Meriva, Nissan Note sowie Neueinsteiger wie Kia Vengo oder Toyota Verso S. Dafür haben die Kölner ein neues Maß gefunden: Mit 4,06 Metern überragt der B-Max den aktuellen Fiesta um elf Zentimeter, ist aber noch immer 35 Zentimeter kürzer als der C-Max.

Neben dem schmissigen "Kinetic"-Design setzt Ford für die Aufholjagd im Minivan-Segment vor allem auf eine neue Zugangsordnung: Während der Opel Meriva die hinteren Türen hinten angeschlagen hat und sich so ein weites Portal öffnet, baut Ford im Fond auf Schiebetüren. Sie sind so konstruiert, dass die so genannte B-Säule, also der Karosseriepfosten zwischen erster und zweiter Sitzreihe, überflüssig wird. Sind beide Türen offen, entsteht so ein Einlass von 1,50 Metern Breite. "Bei keinem anderen Modell in dieser Klasse kann man in engen Parklücken bequemer einsteigen, oder so einfach den Nachwuchs anschnallen sowie die Einkäufe ins Auto wuchten", wirbt Ford-Sprecher Hartwig Petersen.

Ganz neu sei die Idee allerdings nicht, räumt Desigchef Martin Smith ein. Die Studie Iosis Max aus dem Jahr 2009 trat bereits ohne B-Säulen an. "Mit dem B-Max gehen wir noch einen Schritt weiter", sagt der Kreativdirektor, "denn wir zeigen hier eine Lösung, die auch in der Serienproduktion umsetzbar ist." Offiziell wird dazu noch kein Ford-Mitarbeiter konkret, doch unter der Hand lässt keiner einen Zweifel daran, dass der B-Max spätestens im kommenden Jahr, wenn die neue Fabrikaktion im rumänischen Craiova anläuft, mit genau solchen Türen in Serie geht. Smith: "Wir meinen es wirklich ernst."

Auch der Innenraum sieht schon einigermaßen nach Serienreife aus. Während der Iosis Max noch futuristische Leichtbausitze und ein Raumschiff-Cockpit hatte, ist der B-Max realistischer möbliert. Nur das vornehme Leder, die dicken Teppiche und vielleicht ein paar Chromrahmen im Armaturenbrett werden wohl noch wegfallen. Was bleibt, ist eine pfiffige Sitzlandschaft, die etwa elf Zentimeter höher platziert ist als im Kleinwagen Fiesta. Das erleichtert Ein- und Aussteig und verbessert den Ausblick. Weil man nicht nur die asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne, sondern auch die Lehne des Beifahrersitzes umlegen kann, entsteht im B-Max auf der rechten Seite ein durchgehend ebener Ladraum von 2,35 Metern Länge.

Ein Dreizylindermotor soll den kommenden B-Max voran bringen

Auch zum Antrieb des Wagens gibt es längst konkrete Vorstellungen. Unter der kurzen Haube des B-Max steckt ein neuer Dreizylindermotor aus der Ecoboost-Familie, den Ford noch in diesem Jahr als Sparmotor auf den Markt bringen will. Dank Turboaufladung und Direkteinspritzung reicht dem Aggregat ein Liter Hubraum für rund 120 PS. Und mit Start-Stopp-Automatik und Doppelkupplungsgetriebe sollte der Verbrauch bei etwa fünf Liter je 100 Kilometer liegen.

Der B-Max startet in ein Segment, dem Analysten für die nächsten Jahre deutlichen Zuwachs zutrauen. Doch mit dem neuen Türkonzept geht Ford einen riskanten Weg. Zwar zeigen Konkurrenten wie der Opel Meriva, dass man sich mit solchen Eigenwilligkeiten gut ins Gespräch bringen und zudem manche neuen Kunden gewinnen kann. Doch auch für das Gegenteil gibt es Beispiele - etwa die Modelle Renault Avantime und Peugeot 1007. Der eine wurde nach nur zwei Jahren wegen schier unlösbarer Fertigungsprobleme seiner an zwei Gelenken aufgehängten Riesentüren wieder vom Markt genommen; und der andere steht wie angewachsen bei den Händlern. Auch, weil seine übergroßen Schiebetüren den Preis in schwindelnde Höhe treiben.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Matthias Hofmann 28.02.2011
1. Mal schauen wie solide diese Konstruktion ist.
Zitat von sysopFord ignorierte bislang den Boom der Minivans. In Genf allerdings feiert ein solches Modell Weltpremiere, der Ford B-Max. Weil der den Markt von hinten aufrollen muss, haben sich die Ingenieure etwas Besonderes überlegt: Das Auto hat Schiebetüren und verzichtet auf B-Säulen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,747695,00.html
Bin gespannt wie es in drei Jahren mit dem Wagentyp aussieht und ob diese Tür wirklich so zuverlässig funktionieren wird. (reichlich unstabil das Ganze...)
Hein Löt 28.02.2011
2. Produktionsverlagerung
Zitat von Matthias HofmannBin gespannt wie es in drei Jahren mit dem Wagentyp aussieht und ob diese Tür wirklich so zuverlässig funktionieren wird. (reichlich unstabil das Ganze...)
Prinzipiell ist das doch eher ein Cabrio mit Dachreling, die die Schiebetüren trägt. Diese Technik ist durchaus beherrschbar. Viel problematischer sehe ich für Ford das Marketing, besonders in Deutschland. Schließlich gibt Ford die Produktion des Fusion in Köln auf und baut dafür den B-Max in Osteuropa. Oder wofür hat Ford vor Jahren das Daewoo-Werk in Craiowa, Rumänien gekauft, wenn nicht dafür.
dasmussdesign 28.02.2011
3. Ignoranten
Ford ignoriert den Boom der Minivans ( … Ursprünglich bezeichnete das Wort „Minivan“ wie - im amerikanischen Sprachgebrauch auch heute noch - eine Großraumlimousine, von denen z. B. der Chrysler Voyager und der Renault Espace, die 4,5 bis immerhin über 5,0 m lang sein können, die typischsten Vertreter in Europa sind) bisher mit aktuell 4(!) Modellen: Galaxy, S-Max, C-Max und Grand C-Max … Wenn sich diese Tatsache nicht bis nach Hamburg herumgesprochen hat gibt es bei Ford offensichtlich ein Marketing-Problem.
egghat 01.03.2011
4. Der Peugeot 1007 ist/war ein Flop
und genau das versucht Ford jetzt erneut? OK, es ist etwas anders, der 1007er hatte eine Schiebetüre, der B-Max soll eine normale und eine (dann kleinere) Schiebetüre bekommen. Das macht die Schiebetüre natürlich einfacher und preiswerter als beim Peugeot, allerdings muss die normale Türe zusätzlich bezahlt werden. Ob das am Ende billiger wird als im 1007er?!? Wirklich einfach bekommt man eine Schiebetüre heute nicht mehr hin, weil die Sicherheitsanforderung (Seitenaufprallschutz) so hoch sind. Die Türen müssen daher immer stabil (=schwer) sein, erst Recht, wenn man auf die B-Säule verzichtet. Hmmmm ....
martinschwutke 01.03.2011
5. nein...
O mein Gott was für ein ultra-hässliches Auto...
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