Ford Fiesta Sport: Beförderung für den sportlichen Kleinen

Von Jürgen Pander

Die gegenwärtige Krise beutelt alle Autohersteller. Einige aber nicht ganz so brutal wie andere, und zu denen gehört offenbar Ford. In Europa jedenfalls konnte die Marke im ersten Quartal dieses Jahres ihren Marktanteil steigern. Der Fiesta Sport soll weiter für Aufwind sorgen.

"Statistiken sind derzeit gefährlich", sagt Jürgen Stackmann, Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford-Werke GmbH. Doch das hindert ihn nicht daran, eifrig aus Statistiken zu zitieren. Gerne führt er beispielsweise an, dass die Marke Ford ihren Marktanteil in Europa im ersten Quartal dieses Jahres auf 9,5 Prozent steigern konnte - nach 8,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. In 17 der insgesamt 19 europäischen Kernmärkte habe Ford seinen Marktanteil vergrößern können - einzig in Norwegen und besonders in Spanien gab es Rückgänge.

Doch die auf den ersten Blick erfreuliche Botschaft ist trügerisch. Denn abgesehen von den Märkten in Deutschland, wo die Abwrackprämie eine Sonderkonjunktur für Neu- und Jahreswagen ausgelöst hat, und Tschechien ist der Ford-Absatz in allen anderen Ländern zurückgegangen. Nur eben nicht ganz so stark wie bei den meisten anderen Herstellern - daher die positive Entwicklung der Marktanteile. Stackmann spricht denn auch von einer insgesamt "dramatischen Situation", "erheblichem Kostendruck" und "großen Herausforderungen".

Ford allerdings fühlt sich ganz gut gewappnet, diese Prüfung zu bestehen. Stackmann begründet das einerseits mit der jungen Modellpalette, andererseits mit der hilfreichen Fügung, dass ausgerechnet in den vergangenen Monaten die beiden Kleinwagenmodelle Ka und Fiesta komplett neu auf den Markt kamen. Vor allem der Fiesta, der in Köln und Valencia gebaut wird, hilft beim Aufhübschen der Zahlen. "Im März war der Fiesta mit rund 53.000 Exemplaren das meistverkaufte Auto in Europa", jubiliert Stackmann.

Kleinwagen mit tiefer gelegtem Fahrwerk

Folgerichtig bauen die Kölner die Fiesta-Palette weiter aus. Jüngstes Modell im Portfolio ist der Fiesta Sport, den es bislang nur als Sondermodell gab, der aber aufgrund der hohen Nachfrage jetzt ins reguläre Modellprogramm aufsteigt. Der Dreitürer mit dem um neun Millimeter tiefer gelegten Sportfahrwerk tritt auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, mit großem Dachspoiler, einem angedeuteten Diffusor am Heck und Schweller- und Spoileranbauten an.

Drinnen gibt es eng geschnittene Sportsitze, Leder auf Lenkrad und Schalthebelknauf und eine Klimaanlage. Und weil, wie Stackmann sagt, "das Thema Design bei unseren Kunden angekommen ist", gibt es ein umfangreiches Personalisierungsprogramm. Wer mag, kann beispielsweise mit einem so genannten Individual-Paket zum Preis von 1230 Euro das Auto durch blau-weiße Ledersitze und allerlei andere farbige Dekors und Konsolen aufpeppen. Offenbar sind Kleinwagenkunden immer häufiger bereit, ihren Wagen durch eine üppige Ausstattung aufzuwerten. Stackmann: "Mehr als ein Drittel der Fiesta-Käufer bestellt die Top-Version Titanium."

Drei Motorvarianten für die Sportversion

Den neuen Fiesta Sport gibt es mit drei Motoren. Zur Wahl stehen zwei Benziner mit 96 und 120 PS sowie ein 1,6-Liter-Diesel mit 90 PS, mit dem wir auf einer Testrunde unterwegs waren. Erster Eindruck: Die Maschine dreht munter hoch, bewegt den Wagen sehr agil und bleibt dabei - von einem braven Röhren beim Beschleunigen abgesehen - angenehm zurückhaltend. Die Lenkung wirkt sportlich straff, könnte aber etwas direkter abgestimmt sein. Prima flutscht das Fünfgang-Schaltgetriebe, dessen Knauf übrigens griffgünstig hoch auf der Mittelkonsole positioniert ist.

Angeblich kommt der Motor mit durchschnittlich 4,2 Liter Sprit je 100 Kilometer aus, die CO2-Emission liegt damit bei 110 Gramm je Kilometer. Realistisch ist dieser Wert jedoch nicht: Der Bordcomputer des Testwagens ermittelte einen Wert, der rund drei Liter über dem Normverbrauch lag. Vermutlich sind wir etwas forscher gefahren als ein Fiesta-Nutzer im Alltag, doch deutet die krasse Differenz schon an, dass man wohl mit mindestens 5,5 Liter Verbrauch im ganz normalen Autobetrieb rechnen muss. Denn kein Mensch kauft eine Sport-Variante mit tiefer gelegtem Fahrwerk, um dann damit auf Schleichfahrt zu gehen.

Trend zum üppig ausstaffierten Kleinwagen

Auch beim Preis gibt sich der Fiesta Sport ganz und gar nicht bescheiden. 15.250 Euro kostet der Wagen mit dem 1,4-Liter-Benziner mit 96 PS. Die stärkere Variante sowie das Diesel-Modell kosten beide jeweils 16.500 Euro. Für das Geld würde man auch in der Kompaktklasse fündig. Doch eben dahin geht ja der Trend: Lieber ein kleineres Auto mit allem drum und dran, als ein etwas größeres Modell in der spartanischen Basisversion.

Dieses Denken macht sich offenbar bei den Autokäufern weltweit breit. Ford reagiert darauf, indem der Fiesta bereits in diesem Jahr auch in den USA angeboten werden soll. Gebaut werden diese Fahrzeuge in einer Fabrik in Mexiko. Stackmann: "Auch das ist ein Grund, warum wir trotz der Krise optimistisch bleiben - das Thema globale Synergie wird bei Ford längst umgesetzt, und jetzt ernten wir die ersten Früchte."

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Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Fiesta Sport
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.560 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 204 Nm
Von 0 auf 100: 11,9 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 110 g/km
Kofferraum: 295 Liter
umgebaut: 979 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 18 (TK) / 17 (VK)
Preis: 16.500 EUR

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