Ford Focus: Das Millionen-Ding
Das Modell wird das wichtigste Auto im Ford-Imperium. Ab 2011 sollen pro Jahr mehr als zwei Millionen Exemplare des Wagens gebaut werden. Auf der Messe in Detroit feierte Ford den Wagen jetzt mit einer eigenen Premieren-Show.
Cobo Arena, Detroit: Wo einst Joe Louis boxte und Bob Seeger sang, prangt jetzt nur eine riesige Pflaume auf der Bühne. Dann beginnt eine betäubende Licht- und Videoshow, es folgen 20 Minuten warme Worte, höflicher Applaus - und dann taucht aus dem Bühnenboden jenes Auto auf, das Ford den Weg in eine bessere Zukunft ebnen soll: der neue Focus. Der Wagen sei das erste Konzernmodell, das man konsequent nach dem Motto "ein Team, eine Plan, ein Ziel, ein Ford" entwickelt habe, sagt Vorstandschef Alan Mulally. Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte versucht es Ford wieder einmal mit einem Weltauto, das dank regionaler Anpassungen in Philadelphia ebenso ankommen soll wie Peking, Paderborn, St. Petersburg oder São Paulo.
Das macht den neuen Focus und ein knappes Dutzend Ableger - vom Kompaktvan C-Max bis zum Geländewagen Kuga - zum wichtigsten Fahrzeug in der Firmenpalette, denn weltweit wird mittlerweile jedes vierte Auto in dieser Klasse verkauft. "Wenn die gesamte Modellfamilie auf der Straße ist, kommen wir weltweit auf eine Jahresproduktion von zwei Millionen Autos. Mehr baut Ford von keinem anderen Modell", sagt Fords Deutschland-Chef, Bernhard Mattes.
Dass er die Enthüllungsshow gespannt verfolgt, hat einen doppelten Grund. Zum Einen hofft Mattes, ab Anfang 2011 in Deutschland mit dem neuen Focus die Dauerrivalen VW Golf und Opel Astra ernsthaft zu attackieren. Und zum Anderen ist der neue Star eigentlich ein Auto aus Deutschland, denn die Fäden bei der Entwicklung liefen nicht in Dearborn, Michigan, sondern in Merkenich zusammen.
In der Hand gehalten wurden sie von Gunnar Herrmann, der bereits an der Entwicklung den ersten beiden Focus-Generationen beteiligt war. Der neue sollte effizienter, eleganter und dynamischer werden, jedoch möglichst nicht größer. Während etwa der Opel Astra beim jüngsten Generationenwechsel um fast einen halben Meter zulegte, ist der neue Focus nur wenige Zentimeter länger und breiter als das Vorgängermodell, dafür sogar etwas flacher.
Vor allem im Innenraum wird der Fortschritt erkennbar
Das neue Auto sieht jedenfalls eleganter und erwachsener aus als bislang; auf dem US-Markt wird die Stufenheck-Version die Hauptrolle spielen, in Europa eher die fünftürige Schrägheck-Variante oder der Kombi. "Wir haben das Auto gezeichnet, um den Leuten den Kopf zu verdrehen", sagt Designer Stefan Lamm. So irre anders aber ist die Optik nun auch wieder nicht. Die Frontpartie gewinnt durch große Scheinwerfer an Charakter, die Flanken zeigen markante Linien, und am Heck gibt es erstaunlich große Rückleuchten, die wie ein Speer nach vorn stechen. Am deutlichsten ist der Fortschritt im Innenraum: Das brillante Cockpit ist aufwendig programmiert, die Materialauswahl des Messemodells ist vornehm und über der vollgepackten Mittelkonsole thront ein Bildschirm, auf dem man sich fast wie beim iPhone durch extravagante Menüs fingert. Das ist gut gemacht.
Auch technisch wurde der Wagen weiterentwickelt. Verfeinert wurde etwa das ohnehin schon hoch gelobte Fahrwerk, neu sind eine aktive Drehmomentverteilung sowie die elektrische Servolenkung. "Damit fährt sich der neue Focus so sportlich wie heute das Sportmodell ST", behauptet Entwickler Herrmann. Dennoch soll der Wagen 10 bis 20 Prozent weniger verbrauchen. Möglich machen das die Eco-Boost-Technik mit Direkteinspritzung und Turboladung für die Benziner in einem Leistungsspektrum von etwa 100 bis 180 PS sowie der Feinschliff für die Diesel, deren Leistung bis zu 160 PS reichen soll. Außerdem gibt es ein Doppelkupplungsgetriebe und für das Sparmodell Econetic auch wieder eine Start-Stopp-Automatik.
Im nächsten Jahr soll der Focus als Elektroauto debütieren
Damit ist der Sparkurs aber noch nicht zu Ende. Bereits ab 2011 will Ford den Focus in den USA auch als Elektroauto bauen, von dem ab 2012 etwa 1000 Stück pro Jahr nach Europa kommen sollen. "Auf einen Hybridantrieb ist die Plattform auch vorbereitet", sagt Baureihen-Chef Herrmann. Wenn VW, wie in Detroit angekündigt, ab 2012 ein Hybridmodell an den Start rollt, "sind wir damit längst in Serie", so Herrmann.
In Detroit wird der Focus nicht nur deshalb bejubelt, weil er den Aufbruch symbolisiert, die Hoffnung des gesamten Ford-Konzerns trägt und durchaus so etwas wie Noblesse im bisherigen Niemandsland der gesichtslosen Brot-und-Butter-Autos auf dem US-Markt verspricht. Sondern auch deshalb, weil er ein Magnet für zusätzliche Millionen ist: Während im Mutterstaat des amerikanischen Automobilbaus allerorten Fabriken geschlossen, Arbeiter entlassen und Mittel gekürzt werden, investiert Ford in Michigan in das Focus-Werk eine Milliarde Dollar.
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