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Ford Fusion Hybrid im Test: Der Spätzünder

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Autogramm Ford Fusion Hybrid: Akku unterm Heckdeckel Fotos
Ford

Ford Europa wartet auf die neue Generation des Mittelklassemodells Mondeo. In den USA wird der Wagen, der dort Fusion heißt, schon verkauft - sogar mit Hybridantrieb. Das Auto fährt prima, technisch überzeugt der Wagen - nur das Timing könnte zum Problem werden.

Der erste Eindruck: Chic und sportlich sieht er aus, der neue Ford Mondeo, der Kühlergrill erinnert an Aston Martin, die stark konturierten Flanken und das hohe Heck garantieren einen hohen Wiedererkennungswert. Außerdem bietet er reichlich Platz.

Auf dem Heckdeckel steht allerdings der Schriftzug "Fusion". Denn die Limousine, die wir hier am Rande der IAA zum ersten Mal in Europa gefahren sind, ist der amerikanische Zwilling des europäischen Ford-Flaggschiffs. Das Auto ist mit einem Hybridantrieb bestückt und damit die sparsamste Variante der neuen Ford-Generation, die eigentlich auch bei uns schon längst im Handel sein sollte.

Das sagt der Hersteller: Eigentlich sollten der neue Mondeo und mit ihm auch die Hybridvariante längst im Handel sein. Bereits vor eineinhalb Jahren wurde das Auto erstmals auf einer Messe enthüllt. Doch weil Ford die bisherige Mondeo-Fabrik in Genk schließen will und erst einmal eine neue Produktionsanlage einrichten muss, nach aktueller Planung im spanischen Valencia, verzögert sich der Start des Autos in Europa um mehr als ein Jahr. Vermutlich wird es bis Ende 2014 dauern, ehe der Europa-Mondeo vom Band läuft, heißt es in Köln.

Die Hybridversion, die in den USA bereits seit einigen Monaten für umgerechnet 20.400 Euro verkauft wird, dürfte hierzulande gut 5000 Euro teurer werden - wenn sie denn endlich in gut einem Jahr auf den Markt kommt. Immerhin hat Ford bereits den rein elektrischen Focus und eine Plug-in-Variante des C-Max im Angebot. Der Mondeo Hybrid wäre dann das dritte Akku-Auto der Kölner. "Wir nennen das 'Power of Choice'", sagt Produktplanerin Barb Samardzich. Auf Sparsamkeit bedachte Fahrer sollen so die für sie jeweils am besten passendste Antriebsalternative wählen können.

Das ist uns aufgefallen: Dass der neue Mondeo, ganz unabhängig vom Antrieb, ein beeindruckendes Auto ist. Er sieht nicht nur besser aus und bietet deutlich mehr Platz als bislang, sondern endlich hat Ford auch das Cockpit aufgeräumt, einige Schalter ausgemustert und andere so geschickt in den Konsolen versenkt, dass sie wie Sensorfelder wirken. Wenn für die Europa-Varianten noch die Materialqualität verbessert wird, dann hätte sich das Warten durchaus gelohnt.

Auch der Hybridantrieb macht eine gute Figur. Solange man sanft beschleunigt und vorwiegend in der Stadt unterwegs ist, fährt man über weite Strecken rein elektrisch und erreicht dabei - etwa auf der Umgehungsstraße - sogar mehr als 100 Sachen, ohne dass der Verbrenner anspringt. Und wenn sich der Benziner mal zuschaltet, passiert das sanft und seidig. Sparsam bleibt der Wagen auch dann noch, 4,5 Liter auf 100 Kilometer sind jedenfalls die Zielvorgabe, mit der Ford den Wagen in Europa zulassen will.

Sobald die Straße frei ist und das Tempo angezogen wird, offenbart das Antriebskonzept allerdings Schwächen. Der besonders mager betriebene Vierzylinder klingt unter Last unangenehm knöchern, selbst wenn ein elektrisches System versucht, störende Nebengeräusche durch Gegenschall über die Audioanlage zu egalisieren. Und die stufenlose Automatik reagiert ähnlich spontan wie ein labbriges Gummiband. Deshalb heult der Vierzylinder erst einmal auf, bevor die Fuhre danach endlich Fahrt aufnimmt.

Das muss man wissen: Weil es bis zum Verkaufsstart des neuen Mondeo in Europa noch gut ein Jahr dauern wird, versucht Ford den Wagen in den Schlagzeilen zu halten. Auf der IAA beispielsweise mit der neuen Vignale-Version oder eben mit der ersten offiziellen Testfahrt des hier vorgestellten Hybridmodells.

Dessen Antrieb mit einer Systemleistung von 188 PS und einem noch nicht genau ermittelten Spitzentempo von mehr als 200 km/h ist auf allen Weltmärkten gleich: Er kombiniert einen zwei Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 145 PS mit einem 118 PS starken E-Motor und einem Lithium-Ionen-Akku.

Obwohl der Stromspeicher nur eine Kapazität von nur 1,4 kWh hat und die Energie allenfalls einige hundert Meter elektrisches Fahren ermöglicht, liegt er so ungünstig im Kofferraum, dass eine hässliche Stufe im Ladeboden entsteht. Immerhin lässt sich die Rücksitzlehne umlegen, um etwas größere Gepäckstücke zu verstauen.

Das werden wir nicht vergessen: Wie ungeschickt die Zeitplanung von Ford ist. Nicht nur, dass der neue Mondeo anderswo schon längst als Gebrauchtwagen gehandelt wird, ehe er endlich auch in Deutschland bei den Händlern steht. Sondern speziell auch für die an sich clevere Hybridversion schrumpfen die Verkaufschancen Monat für Monat: Noch gibt es in dieser Klasse - von deutlich teureren Modellen wie Lexus IS, Infiniti Q50 und BMW 3er Hybrid abgesehen - kein anderes Hybridauto. Doch bis Ford endlich liefern wird, dürfte auch die Konkurrenz so weit sein.

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1. Ich verstehe es gerade nicht.
jalu-2008 21.09.2013
Zitat von sysopFordFord Europa wartet auf die neue Generation des Mittelklasse-Modells Mondeo. In den USA wird der Wagen, der dort Fusion heißt, schon verkauft - sogar mit Hybridantrieb. Das Auto fährt prima, technisch überzeugt der Wagen - nur das Timing könnte zum Problem werden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ford-fusion-hybrid-neue-mittelklasse-limousine-mit-hybridantrieb-a-922700.html
Das klingt ja gut, aber was genau sind "weite Strecken"? Ist das die Antwort: Ich verstehe es gerade nicht. "Weite Strecken" werden in meinem Sprachgebrauch eigentlich nicht in Metern angegeben.
2. kurz oder lang rein elektrisch?
Alimentator 21.09.2013
---Zitat--- So lange man sanft beschleunigt und vorwiegend in der Stadt unterwegs ist, fährt man über weite Strecken rein elektrisch und erreicht dabei - etwa auf der Umgehungsstraße - sogar mehr als 100 Sachen ohne dass der Verbrenner anspringt. ---Zitatende--- Klasse, ein Hybrid, der lange Strecken rein elektrisch schafft! ---Zitat--- Obwohl der Stromspeicher nur eine Kapazität von nur 1,4 kWh hat und die Energie allenfalls einige hundert Meter elektrisches Fahren ermöglicht, liegt er so ungünstig im Kofferraum, dass eine hässliche Stufe im Ladeboden entsteht. ---Zitatende--- Schade, ein Hybrid, der nur kurze Strecken rein elektrisch schafft. Was denn jetzt? Irgendwas stimmt nicht an dem Artikel.
3. In Wahrheit...
ThieryMZ 21.09.2013
....muss Ford massiv sparen. Neben dem ziemlich bescheuerten Missmanagement bezüglich der Markteinführungen von Mondeo, Galaxy und S-Max zeigt sich dies beispielsweise an dem mehr als mickrigen Stand auf der IAA - verglichen mit den direkten Wettbewerbern. Im Übrigen muss man massiv davor warnen, überhaupt ein Ford-Produkt zu erwerben. Die Wahrheit kommt in dem Augenblick ans Licht, wenn Garantieleistungen erbracht werden müssen, etwa bei nicht seltenen Lackmängeln. Hier wird - entgegen den vollmundigen Sprechblasen in den Prospekten - die harte Linie gefahren, auch wenn die Sachlage eindeutig ist. Es gibt genügend Konkurrenten mit mindestens gleichwertigen Produkten. Die von Ford links liegen zu lassen, sollte eine einfache und sinnvolle Massnahme sein.
4. Ach Herr Grünweg
teilzeitmutti 21.09.2013
Naja, Ihre Preisangabe ist da schon optimistisch. Die Angaben von Ford USA sind lediglich Nettopreise ohne Steuern. Für realistisch halte ich 26.000 € lt. Liste ehrlich gesagt nicht, eher schon nach den 25-30% Rabatt die man dann beim Händler bekommt. - Was das Thema Qualität des Hybrid-Antriebsstrangs angeht sollten Sie sich von dem Kritierum der elektrischen Reichweite verabschieden. Das elektrische Fahren ist und bleibt bei den Hybriden ein Abfallprodukt. Der reale Verbrauch lt. EPA beläuft bei den ersten Nutzern des Fusion Hybrid auf etwa 5,9l/100km, wie Werksangabe für die Staaten beläuft sich auf 5l/100km.
5. Das passt nicht zueinander
wizard_82 21.09.2013
Der Hybrid ist kein Plug-In! Folglich wird er immer nur ein paar km rein elektrisch segeln können, aber niemals wird der rein elektrisch in 10 Sekunden auch nur Tempo 60 erreichen ... Auf der IAA hab ich hier und da mal Werte gelesen für den Energieverbrauch auf 100km, vorrangig bei Elektroautos. 15-20kWh sind für ein Fahrzeug dieser Klasse wohl anzunehmen (SLR Electric 28kWh/100km) und der Akku hat nicht mal ein Zehntel dessen, was ein kompakter auf 100km verbraucht. Mein Auris HSD hat einen 4,4kWh-Akku, der nur in einem bestimmten Ladungsfenster betrieben wird und folglich nicht komplett leer oder voll ist. Ford reizt den Akku sicherlich auch nicht komplett aus. Also bleiben von den 1,4kWh wirklich nur für einige hundert Meter über. Der starke Elektromotor allein nützt ja nichts, wenn der Akku nicht viel hergibt.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Fusion / Mondeo Hybrid
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.999 ccm
Leistung: 145 PS (107 kW)
Leistung (E-Motor): 118 PS (88 kW)
Drehmoment: 175 Nm
Drehmoment (E-Motor): 240 Nm
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 105 g/km
Maße: 4869 / 1852 / 1476
Preis: 26.000 EUR


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