Ford-Marken im Angebot Wohin mit dem Tafelsilber?

Noch ist nichts besiegelt, noch darf spekuliert werden. Der Ford-Konzern, so viel scheint jedoch sicher, wird sich wohl von seinen Marken Jaguar, Land Rover und Volvo trennen. Welcher Autokonzern aber soll sie kaufen?

Von Jürgen Pander


Der Ford-Konzern, derzeit der drittgrößte Autohersteller der Welt, braucht dringend Geld. Denn das Unternehmen steckt in der Krise, allein im vergangenen Jahr summierten sich die Verluste auf 12,6 Milliarden Dollar – so viel wie noch nie in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Fima. Um Bares in die Kassen zu spülen, plant daher der neue Ford-Chef Alan Mulally offenbar den Verkauf der Marken, die in der vom Konzern sogenannten PAG – der Premier Automotive Group – verblieben sind: Jaguar, Land Rover und Volvo. Bis Mitte März gehörte auch noch Aston Martin dazu, dann wurde der britische Sportwagenhersteller für 925 Millionen Euro an eine Investorengruppe abgestoßen.

Jaguar gehört seit 1989 zu Ford, Volvo seit 1999 und der Geländewagenspezialist Land Rover seit dem Jahr 2000. Wenn die Marken jetzt verkauft werden sollen, stellt sich noch vor der Frage nach ihrem Wert jene nach dem geeigneten Käufer. "Grundsätzlich denke ich, dass nur ein europäischer Autohersteller als Käufer in Frage käme, wenn man den Markenwert dieser drei Traditionsunternehmen nicht deutlich verwässern will", sagt Nick Margetts, Geschäftsführer des Marktbeobachters Jato Dynamics. "Vor allem die Volumenhersteller aus Frankreich und Italien könnten ein Interesse haben."

Renault und Fiat wurden tatsächlich schon als Kaufinteressenten genannt, doch beide Unternehmen dementierten solche Absichten. Aber es gibt ja noch den PSA-Konzern mit den Marken Citroën und Peugeot, zu denen etwa das Nobellabel Jaguar ebenso als Ergänzung passen würde wie der Geländewagen-Hersteller Land Rover.

Mit Jaguar oder Land Rover nach Amerika

Der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer wiederum beurteilt die Lage ganz anders. Zu Renault, Peugeot-Citroën, Honda, Toyota oder den koreanischen Marken würde nach seiner Ansicht keiner der drei potenziell zum Verkauf stehenden Ford-Töchter passen. Für Fiat ergäbe der Kauf von Jaguar oder Land Rover nur deshalb Sinn, weil die Italiener so an ein Vertriebsnetz in den USA kommen würden, und dort sollen ja demnächst die Autos der feinen Fiat-Marke Alfa Romeo verkauft werden.

Land Rover könnte nach Dudenhöffers Einschätzung aber auch das bunte Markenportfolio des VW-Konzerns ergänzen, denn eine reine Allrad- und Offroadmarke gibt es dort noch nicht. Für Volvo wiederum hat der Auto-Professor BMW als idealen Partner ausgemacht. "Das würde hervorragend passen, zumal BMW so seine Vorherrschaft als Premiumanbieter festigen und ausbauen könnte." An den Effekt, dass BMW und Volvo sich gegenseitig die Kunden abspenstig machen würden, glaubt Dudenhöffer nicht. "Volvo-Fahrer sind völlig andere Typen als BMW-Fahrer, da gäbe es keinerlei Kannibalisierung."

Finanzkräftige Investoren für Volvo

BMW habe, so argumentiert der Autoexperte, sein Kundenpotenzial weitgehend erschlossen. Um zu wachsen, seien Zukäufe nötig, wie etwa das Beispiel Mini gezeigt habe. "Dadurch hat BMW 200.000 neue Kunden gewonnen, die sonst nie erreicht worden wären." Zudem biete Volvo nicht nur eine gesunde Unternehmenssubstanz, sondern auch Imageschwerpunkte wie Sicherheit oder Komfort, Dinge, die man nicht sofort mit BMW verbindet.

Bleibt die Frage nach der Marke Jaguar. Während Margetts hier eine Lösung mit einem europäischen Volumenhersteller favorisiert, der dadurch sein Angebot in den Premiumbereich ausweiten würde, hält Dudenhöffer eine Variante wie bei Aston Martin für wahrscheinlicher. "Jaguar bräuchte einen Automann an der Spitze wie Ulrich Bez bei Aston Martin einer ist. Dazu finanzkräftige Investoren. So könnte man die Marke noch am ehesten wieder flott bekommen. Denn innerhalb eines großen Konzern wird Jaguar wohl doch immer das kleine, aber schmerzhafte Luxusproblem bleiben."



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