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27. Februar 2013, 09:09 Uhr

Fotoausstellung in Detroit

Als Motown noch brummte

Seit Jahren verfällt Detroit - und zahlreiche Fotografen zelebrieren den Niedergang der einstigen Boom-Metropole mit morbidem Voyeurismus. Das Institute of Arts zeigt deswegen jetzt eine Ausstellung, die den aktuellen Fotos einer siechen Stadt bewusst Motive aus der Glanzzeit gegenüberstellt.

Hamburg - Detroit sei der Ort, an dem "das 20. Jahrhundert geboren wurde", schrieb der US-Historiker Bob Casey einst. Datieren lässt sich das Ereignis auf das Jahr 1909, als Henry Ford im Stadtteil Highland Park eine neue Fabrik für die Massenproduktion von Automobilen errichten ließ. Bis zu 70.000 Menschen arbeiteten dort, um das legendäre Modell T herzustellen. Und als der Boom kein Ende zu nehmen schien und immer neue Modelle den Herstellern aus den Händen gerissen wurden, eröffnete Ford 1927 den River-Rouge-Komplex für mehr als 90.000 Beschäftigte. Es war damals die größte Industrieanlage der Welt.

Ford , General Motors , Chrysler - die als "big three" bekannten Giganten der US-Autobranche machten Detroit zu einer der reichsten Städte der Welt. Doch das ist lange her. "Motor City Muse: Detroit Photographs, Then and Now" heißt eine Fotoausstellung im Detroit Institute of Arts, die dieses Thema aufgreift. Die Schau mit mehr als hundert Bildern von rund einem Dutzend Fotografen ist noch bis Mitte Juni zu sehen - und macht deutlich, welchen ökonomischen und sozialen Höllentrip die Stadt in den vergangenen 60 Jahren erlebte.

Den Machern der Ausstellung ist es wichtig zu betonen, dass es sich nicht um den herkömmlichen, "ruin porn" handelt, der Detroit als gigantische Stätte des Verfalls zeigt und in den vergangenen Jahren geradezu in Mode war. Seit die Stadt in den Jahren 2007 und 2009 in der "Forbes"-Liste der gefährlichsten US-Städte jeweils auf Platz eins geführt wurde, gilt Motown als nahezu hoffnungsloser Fall und für manche Fotokünstler als locus horribili.

"Die Fotos in der Ausstellung 'Motor City Muse' erzählen Geschichten über die einzigartige Kultur Detroits und über die Dinge, die Fotografen in den vergangenen 75 Jahren in dieser Stadt inspiriert haben", sagte Nancy Barr, die Kuratorin der Ausstellung, in der "New York Times". Es gehe in der Ausstellung um eine Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart. Und machmal wird dabei deutlich, dass keineswegs früher alles besser oder schöner war.

jüp

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