Fotoausstellung in Detroit: Als Motown noch brummte

Detroit-Fotoausstellung: Chromglanz und Ruinen Fotos
Detroit Institute of Arts / Dave Jordano

Seit Jahren verfällt Detroit - und zahlreiche Fotografen zelebrieren den Niedergang der einstigen Boom-Metropole mit morbidem Voyeurismus. Das Institute of Arts zeigt deswegen jetzt eine Ausstellung, die den aktuellen Fotos einer siechen Stadt bewusst Motive aus der Glanzzeit gegenüberstellt.

Hamburg - Detroit sei der Ort, an dem "das 20. Jahrhundert geboren wurde", schrieb der US-Historiker Bob Casey einst. Datieren lässt sich das Ereignis auf das Jahr 1909, als Henry Ford im Stadtteil Highland Park eine neue Fabrik für die Massenproduktion von Automobilen errichten ließ. Bis zu 70.000 Menschen arbeiteten dort, um das legendäre Modell T herzustellen. Und als der Boom kein Ende zu nehmen schien und immer neue Modelle den Herstellern aus den Händen gerissen wurden, eröffnete Ford 1927 den River-Rouge-Komplex für mehr als 90.000 Beschäftigte. Es war damals die größte Industrieanlage der Welt.

Ford Chart zeigen, General Motors Chart zeigen, Chrysler - die als "big three" bekannten Giganten der US-Autobranche machten Detroit zu einer der reichsten Städte der Welt. Doch das ist lange her. "Motor City Muse: Detroit Photographs, Then and Now" heißt eine Fotoausstellung im Detroit Institute of Arts, die dieses Thema aufgreift. Die Schau mit mehr als hundert Bildern von rund einem Dutzend Fotografen ist noch bis Mitte Juni zu sehen - und macht deutlich, welchen ökonomischen und sozialen Höllentrip die Stadt in den vergangenen 60 Jahren erlebte.

Den Machern der Ausstellung ist es wichtig zu betonen, dass es sich nicht um den herkömmlichen, "ruin porn" handelt, der Detroit als gigantische Stätte des Verfalls zeigt und in den vergangenen Jahren geradezu in Mode war. Seit die Stadt in den Jahren 2007 und 2009 in der "Forbes"-Liste der gefährlichsten US-Städte jeweils auf Platz eins geführt wurde, gilt Motown als nahezu hoffnungsloser Fall und für manche Fotokünstler als locus horribili.

"Die Fotos in der Ausstellung 'Motor City Muse' erzählen Geschichten über die einzigartige Kultur Detroits und über die Dinge, die Fotografen in den vergangenen 75 Jahren in dieser Stadt inspiriert haben", sagte Nancy Barr, die Kuratorin der Ausstellung, in der "New York Times". Es gehe in der Ausstellung um eine Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart. Und machmal wird dabei deutlich, dass keineswegs früher alles besser oder schöner war.

jüp

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hubertrudnick1 27.02.2013
Zitat von sysopSeit Jahren verfällt Detroit - und zahlreiche Fotografen zelebrieren den Niedergang der einstigen Boom-Metropole mit morbidem Voyeurismus. Das Institute of Arts zeigt deswegen jetzt eine Ausstellung, die den aktuellen Fotos einer siechen Metropole bewusst Motive aus der Glanzzeit gegenüber stellt. Fotoausstellung über Detroit: Glorreiche Tage und Bilder des Verfalls - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fotoausstellung-ueber-detroit-glorreiche-tage-und-bilder-des-verfalls-a-877353.html)
Detroit ist die wahre Realität der USA und daran kann man auch den Untergang des Landes erkennen. Man sollte sich mal im Land etwas genauer umschauen und nicht nur die Scheinbilder dieser Gesellschaft immer wieder aufzeigen, dann versteht man auch warum man finanziell am Ende angekommen ist. So wie es den Menschen in Detroit ergeht, so ist es in sehr vielen anderen Bundesstaaten ebenfalls. Der Traum von Amerika ist für sehr viele zum Alptraum geworden.
2. Im Ruhrgebiet...
axelkli 27.02.2013
...sind diese Verfallserscheinungen ebenfalls in vielen Stadtteilen zu besichtigen. Natürlich (noch) nicht in dieser extremen Ausprägung, aber auch erschreckend.
3. Wer kauft denn noch Autos??
papayu 27.02.2013
Mit 20 Jahren kaufte ich mein erstes Auto ( gebraucht) Das Banzin kostete damals 1960 ca. 0,40 DM. Und heute. Welcher 20jaehriger kann sich denn noch ein Auto leisten?? Und die 10 Millionen Erwerbslosen. Einige Millionen werden doch einfach rausgeschrieben. Ab 58 Jahren erscheint man nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Frueher arbeitete man bis 65. Man konnte nicht frueher in Rente gehen.Und die "Umschulung" verkleinert ebenfalls die Zahlen. Ein Bekannter von mir hat seinen Schreibtisch verloren und wurde zum Tischler ausgebildet. Und all diese Leute kaufen keine Autos mehr. Und solange die Autohersteller zig Typen bauen. Vielleicht haben wir schon demnaechst unser Detroit namens Wolfsburg. Die Automobilaera ist vorbei. Klein,kleiner am kleinsten ist angesagt.
4.
donquichotte2012 27.02.2013
Zitat von sysopSeit Jahren verfällt Detroit - und zahlreiche Fotografen zelebrieren den Niedergang der einstigen Boom-Metropole mit morbidem Voyeurismus. Das Institute of Arts zeigt deswegen jetzt eine Ausstellung, die den aktuellen Fotos einer siechen Metropole bewusst Motive aus der Glanzzeit gegenüber stellt. Fotoausstellung über Detroit: Glorreiche Tage und Bilder des Verfalls - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fotoausstellung-ueber-detroit-glorreiche-tage-und-bilder-des-verfalls-a-877353.html)
Ein Artikel über das Damals und Heute, gegenübergestellt in Bildern Und dann: Ein Beispiel wird gezeigt seltsam-oder sind die Kostn für Lizenzen zu hoch
5. nope
sir.viver 27.02.2013
Zitat von hubertrudnick1Detroit ist die wahre Realität der USA und daran kann man auch den Untergang des Landes erkennen. Man sollte sich mal im Land etwas genauer umschauen und nicht nur die Scheinbilder dieser Gesellschaft immer wieder aufzeigen, dann versteht man auch warum man finanziell am Ende angekommen ist. So wie es den Menschen in Detroit ergeht, so ist es in sehr vielen anderen Bundesstaaten ebenfalls. Der Traum von Amerika ist für sehr viele zum Alptraum geworden.
Der Anfang vom Abstieg Motowns waren Ende der 60er Jahre die Rassenkrawalle. Damals wurden unzählige Gebäude von den Afroamerikanern in blinder Wut abgefackelt. Neue Betriebe siedelten sich nicht mehr in DET an, sondern im Umland. (Auburn, etc.). Ford ist z.B. trditionell im anschließenden Ort Dearborn beheimatet, der größten arabischenCommunity außerhalb der arabischen Welt. Mehr und mehr zogen besser Situierte aus DET weg. (Auch und insbesondere Schwarze, die in besseren Stadtvierteln im Umland wohnen. Die Ölkrise in den 70er Jahren tat Detroit auch nicht gut. Dazu kam die zunehmende japanische Konkurrenz. Der Wegzug der Kaufkraft sorgte dafür, dass immer mehr Restaurants, Einzelhandelläden schlossen. Große tradionelle Kaufhäuser wurden ebenfalls geschlossen. Die im Bild abgebildete Kreuzung Woodward/Grand River war eine top Einkaufszeile, wo immer mehr Geschäfte ebenfalls schließen mußten. Seit Mitte der 90er Jahre war fast alles "tot". Missmanagement, Korruption im Bürgermeisteramt kam später auch noch dazu. Der afroamerikanische Bürgermeister, erst eine Hoffnungsfigur, hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Versuche "Greektown" und weitere Teile der Innenstadt wieder attaktiv zu gestalten sind zaghafte Versuche wieder mehr Leute, auch am Wochenende, in die City zu locken. Theater, Konzerte, etc. bringen noch einige Besucher in die Innenstadt. Das Baseball-Stadion, die Cobo Hall (Messe) ziehen zwar auch Leute an, die aber die Innenstadt kaum beleben, da sie einerseits außerhalb der Innenstadt wohnen/übernachten und für die "Innenstadt "Geschäfte/Restaurants keine Einnahmen bringen. Nach der Messe oder Baseballspiel verläßt man die Stadtmitte wieder. Anfang der 90erJahre habe ich in/um Detroit gelebt und gearbeitet, viele male bin ich wieder nach DET gereist. Daher kann ich die Veränderungen, insbeondere der Innenstadt, gut beobachten. Solche Bilder könnten aber auch in ähnlicher Form in Sindelfingen, Wolfsburg oder im Rihrpott entstehen, wenn man solche "Spezialisten" Schadstoffausstoß : Klimaziele der EU verteuern Autos um 3600 Euro - Nachrichten Wirtschaft - DIE WELT (http://www.welt.de/wirtschaft/article113942022/Klimaziele-der-EU-verteuern-Autos-um-3600-Euro.html) weiter agieren läßt.
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