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17. September 2018, 21:27 Uhr

Pilotprojekt der Frankfurter Straßenbahn

Pakete statt Pendler

Entlastung von Umwelt und Innenstadtverkehr: In Frankfurt sollen Pakete künftig per Tram und Fahrradkurier an Haushalte geliefert werden. Bewährt sich das System, könnte es bald normale Transporter ablösen.

Wo normalerweise die Fahrgäste ein- und aussteigen, versperrt eine große Holzkiste den Weg. Doch Menschen soll die Frankfurter Straßenbahn im typisch türkisblauen Farbton an diesem Montag auch gar nicht befördern: Es handelt sich um eine Logistiktram, die statt Pendlern Pakete ans Ziel bringt.

Die Logistiktram war in Frankfurt das erste Mal testweise unterwegs - auf der Strecke vom Betriebshof im Gutleutviertel zur Messe. Die Idee dahinter: Pakete sollen künftig per Straßenbahn in die vom Autoverkehr überlastete Innenstadt gebracht werden.

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt spricht von einem Pilotprojekt. Denn Pakete via Straßenbahn an Privathaushalte auszuliefern sei neu. Vergleichbar wäre nur die Dresdner "CarGoTram", die eine Autofabrik mit Bauteilen beliefert.

Die Frankfurter Tram wird mit sogenannten Mikrodepots beladen, Kisten voller Paketsendungen. Die Depots werden dann an Umschlagplätze in der Innenstadt gebracht. Von dort aus legen Fahrradkuriere mit den Kisten die letzten Meter bis an die Haustüren zurück.

Das soll die Umwelt und die völlig verstopfte Innenstadt entlasten. Der Abteilungsleiter Stadtentwicklung der Stadt Frankfurt, Ansgar Roese, verspricht sich davon eine "nahezu emissionsfreie Citylogistik". Die Kombination aus Tram und Fahrrad sei dem herkömmlichen Transporter in Sachen Energieeffizienz überlegen, sagte er.

"Alles ein bisschen retro"

Güterverkehr per Straßenbahn habe es schon in den Sechzigerjahren in Deutschland gegeben, sagte Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei der Vorstellung des Projekts. "Das ist alles ein bisschen retro hier." Nun sei dies wieder nötig, weil der Versandhandel übers Internet boome - aber auch wegen der Umweltsituation in den Innenstädten.

"Das Verfahren soll zum Systemstandard werden", sagte Herbert Riemann, Geschäftsführer von Riemann Produktdesign. Zusammen mit Klaus Grund vom Logistikunternehmen "Sachen auf Rädern" hat er das System der Mikrodepots erfunden. Beide haben damit 2017 den "Ideenwettbewerb Klimaschutz" der Stadt Frankfurt gewonnen. Mit dem Preisgeld von etwa 30.000 Euro bauten sie einen Prototypen ihres Fahrradanhängers. Das Gestell erinnert an einen High-Tech-Bollerwagen. Per Hydraulik werden die einzelnen Kisten aus dem Mikrodepot gehoben und an ein E-Bike gekoppelt.

Ein Mikrodepot bringe etwa so viel Lieferleistung wie ein Transporter, sagte Riemann. Wie viele Depots in einem Straßenbahnwaggon mitfahren sollen, werde noch erforscht. Für den Herbst ist ein größerer Probebetrieb vorgesehen. Verläuft er gut, könnte das System in Frankfurt bald herkömmliche Transporter ersetzen.

Kann das Projekt die Luft in Frankfurt oder anderen Städten verbessern? Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik und Luftreinhaltung im Verkehr beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), ist skeptisch. Die Branche kooperiere kaum: "In den Neunzigerjahren war ja Citylogistik auch ein großes Stichwort", sagte er. "Diese Konzepte sind gescheitert, weil sich die Anbieter nicht auf einen einheitlichen Dienstleister einigen konnten. Da machen alle ihr eigenes Ding."

Wenn es sich doch durchsetze, sei das Konzept ein guter erster Schritt - mehr aber nicht, sagte der VCD-Experte. "Wir müssen beim Klimaschutz auch an die Pkw gehen, die immerhin zwei Drittel der Verkehrsemissionen verursachen."

Das sieht Riemann ähnlich. "Der Markt kann nicht alles regeln. Die Politik muss auch Emissionsgrenzen setzen", sagte er. Das angekündigte Dieselfahrverbot in Frankfurt sei ein "toller erster Schritt". Die Frankfurter Logistiktram könnte der nächste sein.

Martin Jockel, dpa / kry

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