Alte Dieselautos: Frankreich plant erneute Abwrackprämie

Betankung eines Dieselautos: Frankreichs Umweltministerin erwägt eine Abwrackprämie Zur Großansicht
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Betankung eines Dieselautos: Frankreichs Umweltministerin erwägt eine Abwrackprämie

Frankreichs angeschlagene Autoindustrie bekommt offenbar Hilfe von unerwarteter Seite. Laut Medienberichten erwägt das Umweltministerium eine Abwrackprämie für alte Dieselfahrzeuge. Der Staat will damit gleich zwei Probleme gleichzeitig lösen.

Paris - In Frankreich steht offenbar eine Renaissance der Abwrackprämie bevor - diesmal allerdings nur für Dieselautos. Es werde nach Möglichkeiten gesucht, wie die Abschaffung der Fahrzeuge mit dem größten Rußpartikel-Ausstoß unterstützt werden könne, zitierte die Zeitung "Le Parisien" aus einem Schreiben von Umweltministerin Delphine Batho. Die Prämie könnte zum einen steigende Kosten für Fahrzeughalter bei einer Erhöhung der Dieselsteuer kompensieren, und zum anderen der Autoindustrie einen Verkaufsimpuls verschaffen, sagte Batho der Zeitung.

Ob der Plan einer Abwrackprämie wirklich in die Tat umgesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest. Eine Entscheidung werde erst in einigen Monaten fallen, wenn die neuen Pläne zur Umweltsteuer vorlägen, die auch in den Haushaltsplan für 2014 einflössen.

In Frankreich werden 60 Prozent der Fahrzeuge mit Diesel betrieben, der wie hierzulande auch, geringer besteuert wird als Benzin. Die Selbstzünder haben jedoch zwei große Nachteile: Zum einen entwickeln sie sich im Gegensatz zu den Benzinern kaum weiter, ihr höherer Anschaffungspreis ist damit kaum mehr zu rechtfertigen. Zum anderen wiegt ihr Anteil an der Umweltverschmutzung besonders schwer - und anders als von Experten vorausgesagt hat sich dieses Problem sogar verschlimmert.

Nach der Finanzkrise hatte Frankreich wie Deutschland den schleppenden Autoabsatz durch eine Abwrackprämie angekurbelt. Nach deren Auslaufen Ende 2010 brachen in Frankreich die Autoverkäufe drastisch ein. Der Hersteller PSA Peugeot fuhr 2012 den größten Verlust seiner Firmengeschichte ein.

Mit einer Abwrackprämie auf Dieselfahrzeuge würde Frankreich bereits einen zweiten Hilfsmechanismus für die Autoindustrie in Kraft setzen. Durch Subventionen für Elektro- und Hybridmobile werden die Hersteller bereits seit vergangenem Jahr künstlich aufgepäppelt. Wer in Frankreich ein rein elektrisch betriebenes Auto kauft, bekommt dafür 7000 Euro Zuschuss vom Staat. Der Kauf eines Hybrids wird mit 4000 Euro unterstützt.

cst/Reuters

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Geniestreich
mnbvc 04.03.2013
Super Idee. Da kann Merkel kaum gegen an, ohne die eigene Politik der Wirtschaftssubventionierung endgültig der Lächerlichkeit preiszugeben. Chapeau.
2. Frankreich plant erneute Abwrackprämie
maga80 04.03.2013
Wenn CO² der große Klima-Übeltäter sein soll, dann müssten eher alle Benziner verschrottet werden, weil diese schätzungsweise 30% mehr Kraftstoff verbrauchen und damit entsprechend 30% mehr CO² ausstoßen.
3. Schuldzuweisung
emantsol 04.03.2013
Aha, es wurde wieder der Diesel als Sündenbock ausgemacht. Wir fahren in Zukunft also Benziner und retten die Welt. Wir haben zwei Fahrzeuge: Einen Benziner und einen Diesel - für jeden Einsatzzweck die passende Motorisierung. Vermutlich wurde noch nicht ausgerechnet, welche Umweltbelastung (Förderung, Herstellung, Transport, etc.) der Diesel durch den Minder-Verbrauch vermeidet. Es ist aber auch egal, 60%, die abgezockt werden, sind einfach ein starkes Argument ...
4. Ähm...
ericstrip 04.03.2013
...sind die nicht so gut wie pleite? Aber das interessierte Sozialisten ja noch nie so sehr. Irgendwie hat es aber schon das Geschmäckle, daß die deutschen Steuerzahler nach der eigenen sinnlosen abwrackprämie nun auch noch die der Franzosen mitfinanzieren dürfen, EU sei dank.
5. optional
Mümax 04.03.2013
Es geht eben um Stickoxide und Feinstaub. Und da stößt ein Benziner nur ein Zehntel bis ein Zwanzigstel aus. CO2 ist hingegen völlig ungiftig.
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