Frauenfreundlicher Service: Schluss mit "Mädchen fahr mal weiter"
Zum Weltfrauentag stellen zwei findige Unternehmerinnen ein Internet-Netzwerk rund ums Auto vor, das speziell auf weibliche Bedürfnisse ausgerichtet ist. Das bedeutet neben Werkstatt-Wickeltisch und Gratis-Leihwagen vor allem, dass die Kundinnen ernst genommen werden.
In den zehn Jahren, in denen sie in der Kfz-Branche tätig ist, musste sich Gabriele Kordes so einiges anhören. Da kamen zum Beispiel Sprüche in der Autowerkstatt wie "och Mädchen, fahr mal weiter, das wird schon wieder mit dem Auto", erzählt die Kauffrau, die gemeinsam mit ihrem Mann den Werkstattbetrieb "Auto Schnelle" in Köln leitet. Dass solche Töne bei der weiblichen Kundschaft nicht gut ankommen, liegt auf der Hand. Schließlich besitzen immer mehr Frauen ein eigenes Auto, sind häufig Alleinverdiener und treffen selbstverständlich Kaufentscheidungen, ohne sich vorher mit männlichen Beratern kurzzuschließen.
"Frau ist schlau"-Gründerinnen: Gabriele Kordes (li.) und Christina Guth
Viel wichtiger ist ihr aber, dass Frauen bei Auto Schnelle ernst genommen werden. So wird zum Beispiel Wert auf ihre Einschätzung bei der Verortung des Schadens gelegt. "Da sind unsere Jungs hier in der Werkstatt inzwischen schon ganz fit, die fragen erst mal die Kundinnen, wo das Problem liegen könnte", berichtet Kordes, die sich auch schon mal inkognito bei anderen Reparaturbetrieben umsah, um herauszufinden, was bei "Auto Schnelle" verbessert werden könnte.
Netzwerk für frauenfreundliche Autobetriebe
Ihr Konzept für die Autowerkstatt war so erfolgreich, dass daraus ein neuer Einfall entsprang: Ein bundesweites Netzwerk von Auto-Dienstleistungsunternehmen, die sich der Frauenfreundlichkeit verschrieben haben. "Ich habe mir gedacht, aus meinen Erfahrungen muss ich doch was machen", sagt Kordes. Bei der Aktion "Pro Winterreifen" traf sie dann auf ihre jetzige Mitstreiterin Christina Guth, die Inhaberin der CGW Werbeberatung in Kaarst. Gemeinsam entwickelten sie die Idee weiter und gründeten im November das Unternehmen "Frau ist schlau".
Um das Netzwerk möglichst vielen Frauen zugänglich zu machen, ist "Frau ist schlau" seit einigen Wochen auch im Internet vertreten. Zum heutigen Weltfrauentag wurde das Projekt jetzt in Köln der Öffentlichkeit präsentiert. "Allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda sind nun schon 70 Betriebe dabei", freut sich Kordes. Die zahlen zwischen 75 und 150 Euro im Jahr, um auf der Website erwähnt zu werden, außerdem dürfen sie sich mit dem "Frau ist schlau"-Logo schmücken und können Werbematerial wie Handzettel oder Taschentuchboxen bestellen.
Kontrolle durch verdeckte Besuche
Ob die Betriebe der Philosophie des Netzwerks auch treu bleiben oder nur günstige Werbung wittern, kontrollieren derzeit nur die Kundinnen. Auf der Internetseite von "Frau ist schlau" können sie die Betriebe im Bezug auf deren geschlechtsspezifische Beratung bewerten. Wer häufiger Anlass zur Beschwerde gibt, bekommt Besuch von einer der beiden Betreiberinnen. Wenn das Projekt gut läuft, soll die Kontrolle professionalisiert werden - durch so genanntes "Mystery Shopping". Kordes: "Das heißt, wir engagieren Frauen, die sich in bestimmten Betrieben beraten lassen, dort vielleicht auch mal auf die Toilette müssen, und später alles bewerten."
Selbstverständlich dürfen auch Männer mal einen Blick auf die Internetseite "Frau ist schlau" werfen, denn die darauf vertretenen Betriebe stehen jedem Geschlecht offen. "Es gibt ja auch Männer, die es genau so erklärt bekommen möchten wie Frauen", räumt Gabriele Kordes ein. Oft kämen Autofahrer in die Werkstatt, die meinten, schon alles zu wissen, und dann später doch nachfragen müssten. Manchmal läuft es aber auch ganz anders. Kordes berichtet, sie habe schon Männer erlebt, die sagten: "Erklären Sie das mal meiner Frau, die macht das mit dem Auto". Bis das Auto aber in allen Partnerschaften in den Einflussbereich der Frau übergeht, wird es wohl noch etwas dauern.
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