Fridolin-Nachfolger VW zeigt die Päckchenschaukel von übermorgen

Er war nicht schön, aber ungeheuer praktisch, es gab nur wenige, aber die fielen extrem auf - der kleine Lieferwagen Fridolin von Volkswagen schrieb sein ganz eigenes Kapitel Autogeschichte. Der jetzt vorgestellte Nachfolger dürfte noch mehr Aufsehen erregen.

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Wolfsburg - Es ist eine Vision für den Pakettransporter von morgen, das betonen die Leute von der VW-Forschungsabteilung bei jeder Gelegenheit. Dahinter steckt wahrscheinlich die Befürchtung, zu viele Blankobestellungen absagen zu müssen. Denn die ersten Bilder des möglichen Fridolin-Enkels namens eT wecken Begehrlichkeiten - besonders bei Paketzustellern und Kurierdiensten.

Silhouette und Gesicht erinnern an den VW-Bus und die spektakuläre Bulli-Studie, die die Wolfsburger auf dem Genfer Autosalon 2011 vorgestellt haben. Der eT wird den Plänen zufolge aber noch kompakter ausfallen und in etwa der Größe des Polo entsprechen.

Im Innenraum soll trotzdem so viel Platz zur Verfügung stehen, wie bei den Großen - die Volkswagen-Entwickler versprechen 4,1 Kubikmeter Stauraum. Möglich wird dies durch elektrische Radnabenmotoren an der Hinterachse und eine geschickte Verteilung der Lithium-Ionen-Batteriezellen, die insgesamt 32,1 kWh speichern. Die beiden E-Motoren leisten bis zu 131 PS, genug für 110 km/h Spitze. Als Reichweite stehen 100 Kilometer im Lastenheft.

Folgsame Transportkiste

Ein reiner Elektroantrieb wäre den Wolfsburgern aber zu wenig. Deshalb dachten sie darüber nach, welche Anforderungen solche Kurierwagen im Idealfall erfüllen sollten. Dabei ist ihnen eine Menge eingefallen: Die Päckchenschaukel ist nicht nur besonders wendig, sie soll ihren Fahrer auch von allein folgen können, wie der Dackel seinem Herrchen. Für die automatische Steuerung sorgen Kameras sowie Sensoren in den Stoßfängern, kleine Hindernisse soll er sogar selbständig umfahren können. Wenn die Situation zu kompliziert wird, stoppt er einfach. Die Routen lassen sich auf einem ähnlich wie beim Bulli ins Armaturenbrett integrierten iPad speichern.

Das Programm hält auch Informationen über spezielle Hotspots auf der Strecke bereit - etwa eine versteckte Eingangstür oder einer Warnung vor einem bissigen Hund. Der eT holt seinen Fahrer sogar an einer bestimmten Adresse ab, wenn dieser es wünscht. Postboten, die mehrere Häuser hintereinander mit leichtem Gepäck anlaufen, müssen also nicht jedes Mal zum Wagen zurück, um ihn dann zehn oder zwanzig Meter vorwärts zu bewegen.

Alternativ kann der Fahrer den Wagen von der schnell zu erreichenden und mit einem Stehsitz ausgestatteten Beifahrerseite über einen sogenannten Drive Stick in Gang setzen. So gesteuert, soll sich der Transporter mit rund 6 km/h fortbewegen. Im Idealfall, so hoffen die Leute von der Post, könnte ein Bote mit dem eT auf seiner Runde 40 Minuten sparen.

Große Türen erleichtern den Zustieg

Neu ist auch das Karosseriekonzept: Neben einer konventionellen Fahrertür und einer klassischen Flügeltür am Heck, die über einen ausfahrbaren Regenschutz verfügt, gibt es auf der vom Gehweg aus sicher zu erreichenden Beifahrerseite eine große, elektrisch zu öffnende Schiebetür, über die der Fahrer in den Laderaum und ins Cockpit gelangt.

Allzu schnell werde man den eT nicht auf der Straße zu sehen bekommen, räumt Rudolf Kreis ein, der bei VW den Forschungsbereich Elektromobilität verantwortet. "Aber wir müssen heute planen, wie ab der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts die Welt der leichten Nutzfahrzeuge auch im Hinblick auf den Elektroantrieb aussehen könnte." Nach den ersten Bildern dürfte der Druck auf die Entwickler wachsen, ihre Versprechen auch in die Tat umzusetzen.

Mit Material von dpa



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