Führerloses Forschungsfahrzeug "Leonie" rollt durch Braunschweig

"Leonie" hat ihre Probe bestanden: Führerlos bewegte sich das Forschungsauto durch Braunschweigs Straßen. Die Tour wird in die Geschichte eingehen - erstmals legte ein vollautomatisch gesteuertes Fahrzeug eine Strecke im realen Straßenverkehr zurück.

Forschungsfahrzeug "Leonie": Hält von alleine die Spur
dpa

Forschungsfahrzeug "Leonie": Hält von alleine die Spur


Braunschweig - Drei Sekunden lang drückt Jörn Marten Wille auf den kleinen Ok-Knopf am Lenkrad. Dann ein kurzer Ruck und das Forschungsfahrzeug "Leonie" rollt am Freitag in Braunschweig automatisch im öffentlichen Straßenverkehr. Wille hat seine Hände in einigem Abstand zum Lenkrad, könnte notfalls sofort eingreifen. Doch "Leonie" hält von alleine auf dem zweispurigem Braunschweiger Stadtring die Spur, biegt links ab und bremst, wenn die Autos vor ihr ebenfalls abbremsen.

Die Fahrt ist manchmal etwas ruckelig und das Bremsen abrupt, aber "Leonie" reagiert richtig. Die Technik ist Herstellerangaben zufolge weltweit einmalig und stammt von Wissenschaftlern der Technischen Universität Braunschweig und des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik (NFF).

Mit Hilfe von Sensoren und Lasertechnik könne der Wagen ohne fremde Hilfe auf der rund elf Kilometer langen bekannten Strecke bei Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, erläutert Wille, der das Forschungsprojekt "Stadtpilot" leitet, bei dem es um die Erforschung des automatischen Fahrens geht.

Das "Gehirn" des Wagens liegt im Kofferraum

Lediglich die Ampelanzeigen müssten derzeit noch vom Beifahrer manuell in den Computer eingegeben werden, so Wille. Aber auch das soll sich in Zukunft ändern. Viele Verkehrsteilnehmer guckten zwar neugierig, Rücksicht aber nehme niemand. "Die fahren uns trotzdem oft eng vor den Wagen", sagt Wille.

"Leonie" ist rein äußerlich fast ein normaler Pkw, jedoch vollgestopft mit jeder Menge Technik. Die Fahrzeugposition wird per Satellitenortung errechnet. Die Daten der Laserscanner und Radarsensoren gehen an einen großen Rechner im Kofferraum, dem "Gehirn" von "Leonie", wie Wille sagt. Den Abstand zu anderen Fahrzeugen hält "Leonie" abhängig von der Geschwindigkeit.

Bereits 2007 hatte ein Forschungsteam der TU Braunschweig mit dem Fahrzeug "Caroline" an der DARPA Urban Challenge, dem führenden Wettbewerb für autonome Fahrzeuge, teilgenommen und es unter die Finalisten geschafft. Damals sei man aber bei einem kontrollierten Szenario gefahren, wo die Strecke abgesperrt gewesen sei, sagt Markus Maurer, Leiter des Instituts für Regelungstechnik und des NFF. Der Sprung zum öffentlichen Straßenverkehr sei nun noch mal "eine enorme Entwicklung".

"Eine Menge Potential"

Zwar habe es schon seit den achtziger Jahren automatische Fahrversuche gegeben, aber an die Teilnahme am Straßenverkehr habe sich bislang niemand herangetraut, sagt Maurer. "Da haben wir hier in Braunschweig die Nase vorn." Das Forschungsprojekt "Stadtpilot" ist ein langfristig angelegtes Vorhaben, das seit Mitte 2008 läuft. Zwar habe man schon einen großen Schritt gemacht, es gebe aber noch "eine Menge Potential" und viele Dinge, die noch verbessert werden sollten, sagt Maurer.

Finanziert wird das Projekt ausschließlich aus Mitteln der TU Braunschweig. Etwa 350.000 Euro wurden bislang investiert. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt und auch dem Institut für Flugführung, da hier schließlich Technologie aus der Luftfahrt auf die Straße gebracht werde, sagt Maurer. Ziel der weiteren Forschung sei es, den Sicherungsfahrer irgendwann nicht mehr im Auto zu benötigen.

Teile der Technik seien auf jeden Fall dazu geeignet, Fahrzeuge in Zukunft sicherer zu machen und die Fahrer im Verkehr, etwa in nervenden Staus, zu entlasten, sagt Maurer. Hilfreich könnte die Technik künftig auch für ältere Menschen werden. "Es wäre doch schön, wenn diesen noch ein paar Jahre länger ihre Mobilität erhalten bleibt, auch wenn sie selbst aus Altersgründen nicht mehr schnell genug reagieren können."

Dass "Leonie" schon jetzt schneller als der Fahrer reagiert, beweist sie bei der Testfahrt. Als plötzlich ein Radfahrer vor das Auto rollt, greifen bereits die Bremsen des Wagens, ehe Wille auch nur zuckt.

von Stefanie Heitmüller, dapd



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
angela_merkel 08.10.2010
1. Test-Pkw: "Leonie" rollt*führerlos durch Braunschweigs Straßen
Das Auto erkennt noch nicht mal die Ampelfarbe. Ganz schwaches Bild.
alexander_trolkof 08.10.2010
2. So ein Unsinn!
Einmalig? Alles klar! Was ist denn mit den Fahrzeugen, die ohne Fahrer von Italien nach Shanghai fahren? http://spectrum.ieee.org/automaton/robotics/robotics-software/autonomous-vehicle-driving-from-italy-to-china
Indigo76 08.10.2010
3. Hm
Er kommt - Knight Rider - Ein Auto, ein Computer, ein Mann - Aber das mit dem Mann sparen wir uns dann demnächst?
kikolo, 09.10.2010
4. nee bestimmt nich
endlich mal ein fuehrerloses auto aus wolfsburg oder braunschweig....ich setz mich da trotzdem nicht rein
Rainer Helmbrecht 09.10.2010
5. Für ein titelfreies SpOn-Forum.
Zitat von sysop"Leonie" hat*ihre Probe bestanden:*Führerlos*bewegte sich*das Forschungsauto*durch Braunschweig. Die Tour wird in die Geschichte eingehen -*erstmals*legte ein vollautomatisch gesteuertes Fahrzeug eine Strecke im realen Straßenverkehr zurückgelegt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,722182,00.html
Ich hatte schon öfter den Eindruck, dass in manchen Autos gar kein Fahrer drin war. Das war aber nicht in Braunschweig, es müssen noch mehrere solcher Autos unterwegs sein;0). MfG. Rainer
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.