Gefahr am Steuer Sekundenschlaf - jeder dritte Berufsfahrer ist gefährdet

Ein Drittel der Lastwagen- und Busfahrer in Deutschland ist anfällig für Tagesschläfrigkeit. Das ergab eine Studie der Universität Marburg. Nicht nur lange Lenkzeiten sind für die gefährlichen Aussetzer verantwortlich.


Berlin - Auf eine unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr hat heute der Sozialverband Deutschland in Berlin hingewiesen. Eine Umfrage der Universität Marburg bei rund 600 Berufskraftfahrern ergab, dass unter dieser Berufsgruppe das Risiko für Tagesschläfrigkeit doppelt so hoch ist wie im Bevölkerungsdurchschnitt. "Die Umfrage bestätigt, dass von Sekundenschlaf bei Berufskraftfahrern eine große Gefahr für den Straßenverkehr ausgeht", erklärte Reinhard Müller vom zuständigen VdK-Fachverband.

Lastwagenfahrer im Stau: Laut einer Studie ist jeder Dritte anfällig für Sekundenschlaf
DDP

Lastwagenfahrer im Stau: Laut einer Studie ist jeder Dritte anfällig für Sekundenschlaf

Ursache ist nach seinen Worten nicht nur kurzfristiger Schlafmangel oder eine zu lange Lenkzeit. Vielmehr fänden immer mehr Menschen nachts keine Ruhe, weil sie an einer chronischen Schlafstörung wie Schlafapnoe litten.

Bei einer Schlafapnoe treten Atemaussetzer auf, die bis zu drei Minuten dauern können, und das bis zu 300 Mal pro Nacht. Viele Menschen bemerken davon nichts und können sich ihre Tagesmüdigkeit nicht erklären. Es gibt laut VdK Hinweise, dass Kraftfahrer eine deutliche Häufung von Risikofaktoren für die Schlafstörung, wie Übergewicht oder Bluthochdruck, aufweisen.

Als Konsequenz forderte Müller das Verkehrsministerium auf, das Screening von Schlafapnoe bei der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung von Berufskraftfahrern endlich verpflichtend vorzuschreiben. "Dazu ist die Diagnostik mit einem portablen Messgerät erforderlich. Berufskraftfahrer bloß durch den Arbeitsmediziner befragen zu lassen, reicht nicht aus."

sto/ap



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