Defekte Zündschlösser GM gibt mindestens 56 Todesopfer zu

Während der Fahrt schaltet das Zündschloss plötzlich den Wagen aus: Wegen des Fehlers in Autos von General Motors gab es zahlreiche Tote. Der Konzern erkennt jetzt mindestens 56 Fälle an - und damit mehr als bislang. Es könnten aber noch viel mehr werden.

GM-Zentrale in Detroit (Archiv): Dutzende Tote und Verletzte
AFP

GM-Zentrale in Detroit (Archiv): Dutzende Tote und Verletzte


Detroit - Der US-Autobauer General Motors hat mindestens 56 Todes- und 87 Verletzungsopfer wegen defekter Zündschlösser eingeräumt. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Statistik des von GM beauftragten Anwalts Kenneth Feinberg. In der Vorwoche hatten die Zahlen noch bei 52 beziehungsweise 79 gelegen.

Über Jahre hinweg hatten Techniker des Konzerns über gravierende Mängel bei Millionen von Fahrzeugen hinweggesehen: Die Fälle häuften sich, in denen die Zündschlösser während der Fahrt in die Aus-Position sprangen und so Motor und Elektronik ausschalteten, was dazu führte, dass Lenkung, Bremsen und Airbag-Systeme nicht richtig funktionierten. GM musste deswegen Anfang 2014 rund 2,6 Millionen Autos zurückrufen.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Lösung des Problems verschleppt zu haben. Wegen verspäteter Rückrufe hatte sich General Motors zu einer Strafe von 35 Millionen Dollar an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bereit erklärt.

GM hat einen Entschädigungsfonds für Verunglückte und Angehörige eingerichtet. Insgesamt sind dort Forderungen für 478 Todes- und 3546 Verletzungsopfer eingegangen. 1388 Fälle werden noch geprüft.

GM zahlt für jedes Todesopfer mindestens eine Million Dollar. Hinterbliebene Ehepartner und Unterhaltsberechtigte sollen mit je 300.000 Dollar entschädigt werden. Geld soll auch an diejenigen fließen, die bei Unfällen Verletzungen erlitten haben. Von insgesamt 4180 Forderungen nach Schadenersatz seien nach Angaben des Unternehmens bislang 128 anerkannt worden.

ssu/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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Dogbert 17.02.2015
1. Sollte mich wundern
wenn die Behauptung stimmt: Über Jahre hinweg hatten Techniker des Konzerns über gravierende Mängel bei Millionen von Fahrzeugen hinweggesehen Da waren viel eher Controller am Werk
grayhound 17.02.2015
2. Traurig,
daß die angestellten Ingenieure das Problem "übersahen" und somit viele Unschuldige Menschen in den Tod schickten. Auch unser eigenes Auto war von der Rückrufaktion betroffen, allerdings geschah das erst Ende 2014, bereits Monate nach der großen Rückrufswelle. Da dachte ich schon, oha, die wollten also schon wieder etwas "übersehen". Ich habe keine Ahung, was wir als nächstes in unsere Garage stellen, aber ob das nochmals ein GM wird...? ich hoffe nur, daß die US-Justiz hier kräftig zubeißt, einfach auch nur, um ein Exempel zu statuieren. Eben auch ein paar der leitenden Angestellten, die ja die Sache anscheinend unter den Firmenteppich kehren wollten, in den Knast steckt. Am besten irgendwo in Alaska.
k70-ingo 17.02.2015
3.
Was für Modelle sind betroffen, nur US-GM oder auch europäische Opel/Vauxhall?
visitor_2007 17.02.2015
4. nicht nur GM..
auch bei Ford wird so etwas berichtet - Ford Pinto, siehe diesen Wikipedia-Auszug: Während seiner Bauzeit gab es um das Modell einen Skandal, als sich herausstellte, dass das Heck des Fahrzeuges so konstruiert war, dass bei Auffahrunfällen der Benzintank leicht beschädigt werden konnte. Durch auslaufendes Benzin erhöhte sich das Risiko für Brände bei Unfällen erheblich. Es kam zu mehreren Bränden, die für einige Fahrzeuginsassen tödlich endeten. Im Verlauf der Untersuchungen wurden interne schriftliche Berichte bekannt, nach denen man sich bei Ford dieser Schwachstelle zwar bewusst war, aber nicht die Kosten für eine Konstruktionsänderung tragen wollte. Stattdessen wurde inoffiziell die Haltung vertreten, dass es kostengünstiger wäre, nach Todesfällen mögliche Gerichtsprozesse in Kauf zu nehmen und entsprechende Entschädigungen zu zahlen.
josl.m 17.02.2015
5.
Zitat von k70-ingoWas für Modelle sind betroffen, nur US-GM oder auch europäische Opel/Vauxhall?
Nein. Es betrifft nur US-GM.
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