GM-Werbung: Schwul ist cool

Mit einer charmanten Anzeige in einem Schwulenmagazin ist General Motors in den USA ein Marketing-Coup gelungen. Auch andere Autobauer umschwärmen Homosexuelle als kaufkräftige Zielgruppe - wobei solche Vorstöße nicht ganz risikofrei sind.

Autowerbung für Homosexuelle: Mitten ins Herz Fotos
GM

Viele Leser des Schwulenmagazins "Between the Lines" werden wohl an den schwersten Moment ihres Lebens gedacht haben, als sie diese ganzseitige Anzeige für ein Elektroauto entdeckten. Im nächsten Moment haben die meisten vielleicht trotzdem gelacht - oder sich wenigstens ein bisschen verstanden gefühlt. Und damit war die Werbebotschaft schon dort gelandet, wo sie hin sollte: im Herzen der Umworbenen.

Drei Chevis sind auf dieser ganzseitigen Anzeige zu sehen. Vor plüschig-lilafarbenem Hintergrund parkt in der Mitte das E-Mobil Chevrolet Volt, umrahmt von zwei traditionellen Modellen der Marke. Über dem Auto steht eine Sprechblase mit dem Geständnis: "Mom, Dad, I'm electric".

Darunter ist zu lesen: "Was auch immer deinen Motor antreibt, du hast unsere hundertprozentige Unterstützung." Die Anspielung auf ein klassisches Coming-out funktioniert. "Diese Werbung hat uns verzückt", jubelte ein Betreiber von gaywheels.com, einem Auto-Blog für Schwule und Lesben. "Schön gestaltet und clever" sei die Anzeige. Vor allem imponiere ihm aber der richtige Ton der Reklame: "Natürlich soll sie uns anlocken. Aber sie ist dabei nicht anbiedernd. Das ist ein Unterschied."

Offenbar war nicht nur der Blogger begeistert. Laut einem Bericht der "Financial Times" wanderte das Anzeigenbild direkt in die Online-Netzwerke und wurde dort millionenfach verschickt und geklickt. Ein ziemlich effizienter Coup von GM, denn angeblich kostete die Anzeige in dem Magazin nur 750 Dollar.

"Jung und wohlhabend"

Es war nicht die erste Kampagne von General Motors, die sich gezielt an ein homosexuelles Publikum richtet. Schon auf der New York Auto Show 2009 bezeichnete ein GM-Sprecher in der Nachrichtensendung "Logo's 365 Gay News" die Schwulen- und Lesbengemeinde als "wichtigen Markt".

Kein Wunder: Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Maritz verfügten homosexuelle Haushalte in den USA 2011 über ein zehn Prozent höheres Einkommen als der heterosexuelle Durchschnitt. "Wenn die Autohersteller nach einer jungen, wohlhabenden und gebildeten Kundschaft suchen, dann sind sie bei den Schwulen und Lesben an der richtigen Adresse", sagte ein Sprecher von Maritz der Nachrichtenseite USA Today.

Als erster Autobauer erkannte Subaru dieses Potential. Die Japaner verpflichteten im Jahr 2000 die Tennisspielerin Martina Navratilova als Werbeträgerin, eine bekennende Lesbe. In mehreren TV-Spots spielen zudem gleichgeschlechtliche Paare die Hauptrolle. Die Vorreiterrolle machte sich bezahlt: Die Marke gilt heute laut einer Umfrage auf gaywheels.com als Liebling der Schwulen und Lesben.

Das tolerante Image erwarb sich Subaru aber nicht alleine durch Reklame, sondern auch durch den Umgang mit seinen Angestellten. "Als erster Autohersteller haben wir Mitarbeiter, die in homosexuellen Partnerschaften leben, bei den Ansprüchen auf Arbeitgeberleistungen gleichgestellt", sagte ein Subaru-Sprecher dem US-Sender CBS News. Das war im Jahr 2000. Kurz darauf folgten damals auch GM, Daimler Chrysler und Ford dem Beispiel der Japaner.

Boykott gegen Ford

Mit gezielten Werbekampagnen für die schwule und lesbische Zielgruppe haben die Autokonzerne allerdings nicht immer nur positive Erfahrungen gemacht. Als beispielsweise 2005 bekannt wurde, dass Ford Anzeigen in Schwulenmagazinen schaltet und Events für Homosexuelle unterstützt, rief die American Family Association (AFA) zu einem Boykott gegen die Marke auf. Die prüde Vereinigung rühmte sich später damit, einen Absatzeinbruch bei dem Fahrzeughersteller ausgelöst zu haben.

Und GM ging 2010 selbst gegen einen Werbespot vor, der im Rahmen einer großen Kinoveranstaltung für Schwulen und Lesben in Hollywood gezeigt wurde. Die Veranstalter des sogenannten Gay Day hatten ein Video produziert, in dem Go-go-Tänzer in Unterwäsche mit Chevrolet-Logo einen Chevi Camaro waschen. GM war zwar Sponsor der Veranstaltung, zeigte sich aber pikiert von dem Spot. "Geschmacklos" lautete damals das Urteil des Autokonzerns.

Anmerkung der Redaktion: In dem ursprünglichen Artikel wurde fälschlicherweise der Begriff Outing für das eigene Bekenntnis zur Homosexualität verwendet. Richtig hätte es Coming-out heißen müssen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cst

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insgesamt 35 Beiträge
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1. tofu
tinu76 19.07.2012
Wie wars doch mal vor nicht all zu langer Zeit? "Tofu ist schwules Fleisch" Bin jetzt schon auf die Reaktionen der Verfechter von Schwulenfreundlichern Artikeln gespannt! ;-)
2.
Zenturio.Aerobus 19.07.2012
"Schwul ist cool" Eine Sache habe ich vor vielen Jahren versäumt: Ich hätte mich vor meinen Eltern aufbauen und ihnen "Mama, Papa, ich bin hetero" verkünden sollen. Und dann abwarten sollen, welche ungeteilte Aufmerksamkeit mir zuteil wird.
3. Spaßbremsen
Zenturio.Aerobus 19.07.2012
Zitat von tinu76Wie wars doch mal vor nicht all zu langer Zeit? "Tofu ist schwules Fleisch" Bin jetzt schon auf die Reaktionen der Verfechter von Schwulenfreundlichern Artikeln gespannt! ;-)
Ich warte hier auch auf nichts mehr als auf hysterische Spaßbremsen-Postings. Endlich mal wieder etwas Unterhaltsames in diesem Forum :-)
4.
dongerdo 19.07.2012
Zitat von Zenturio.Aerobus"Schwul ist cool" Eine Sache habe ich vor vielen Jahren versäumt: Ich hätte mich vor meinen Eltern aufbauen und ihnen "Mama, Papa, ich bin hetero" verkünden sollen. Und dann abwarten sollen, welche ungeteilte Aufmerksamkeit mir zuteil wird.
Ach blaaa - diese Art von genereller Aufmerksamkeit würden Sie gar nicht wollen.... "Mom. Dad. I'm electric" ist eine absolut geniale Kampagne! Und da in homosexuellen Partnerschaften eher weniger Kinder zu finden sind und damit bedeutend mehr verfügbares Einkommen bereit steht (man kann Kinder mögen oder nicht, aber sie kosten halt ein Heidengeld) macht dieser Vorstoß mehr als Sinn. Mit cool oder nicht hat das Ganze nix zu tun - es geht ums Geschäft
5.
Rodelkoenig 19.07.2012
Zitat von tinu76Wie wars doch mal vor nicht all zu langer Zeit? "Tofu ist schwules Fleisch"
Gebratenes Tofu schmeckt wesentlich besser, wenn es kurz vor dem Verzehr gegen ein großes, saftiges Schweineschnitzel ersetzt wird. ;-)
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