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Bizarrer Luxus-SUV: Der Klunker-Bunker

Aus Shanghai berichtet

Panzer-SUV: General Li Fotos
Tom Grünweg

Sie fühlen sich unsicher im Straßenverkehr? In dieser Karre bestimmt nicht: Auf der Autoshow in Shanghai steht ein mit allem Pipapo gepimpter Panzerwagen. Leider kostet er rund 500.000 Euro - chinesische Millionäre griffen trotzdem zu.

Autos in Geländewagenoptik verkaufen sich prächtig, auch in China. Im vergangenen Jahr war jedes viertes neu zugelassene Auto dort ein SUV, und zwar in jeder Größe und mitunter sehr eigenwilliger Ausprägung. Auf der Autoshow in Shanghai stand nun ein Modell, das dem Trend sozusagen die Krone aufsetzt: ein martialischer Offroader mit dem Namen General Patton. Genau, der Weltkriegsgeneral der US-Army, der eine maßgebliche Rolle nach der Landung der Alliierten in der Normandie spielte. Nach Patton wurden übrigens auch mehrere amerikanische Kampfpanzer benannt.

Das nun ein übergroßer Geländewagen so genannt wird, ist kein Zufall. Das gut sechs Meter lange und knapp 2,50 Meter breite Trumm soll seinen Insassen größtmögliche Sicherheit inmitten des offensichtlich als kriegerisch empfundenen Straßenverkehrs in China garantieren. Und, nebenbei, für ein bisschen Aufsehen und auch Einschüchterung sorgen. Nach dem Motto: Platz da, hier kommt jemand sehr Wichtiges.

Gebaut werden die Offroader im Militär-Look von dem US-amerikanischen Unternehmen U.S. Speciality Vehicles, das den Wagen in den USA unter dem Namen Rhino GX verkauft. Als technische Basis des Autos nutzt der Umrüster aus Kalifornien die Ford-Transporterbaureihe F-250 Heavy Duty. Das Fahrgestell wird dann binnen mehrerer Wochen und weitgehend in Handarbeit mit einer Art Panzerwagen-Karosserie aufgerüstet. Mächtig wie der Aufbau ist auch der Antrieb. Hinter dem monströsen Kühlergrill steckt ein V10-Benzinmotor von Ford mit 6,8 Liter Hubraum, einer Leistung von 362 PS und einem maximalen Drehmoment von 610 Nm.

Außen Tarnlackierung, innen Samtpolster

Während die in Shanghai angebotenen, mit Matt- oder Tarnlackierung versehenen Modelle von außen furchterregend aussehen, sind die Autos im inneren ausgeschlagen wie Schmuckschatullen. Die Liegesitze im Fond machen einen einladenden Eindruck und erinnern eher an einen Privatjet als an einen Geländewagen. Zur Ausstattung gehören Flachbildfernseher und Kommunikationselektronik vom Allerfeinsten. "So werden auch lange Fahrten sehr angenehm", schwärmt eine Firmensprecherin.

Das ist wohl auch das Hauptargument für das Modell General Patton. Denn in Peking sind drei Stunden Fahrtzeit vom Flughafen in die Stadt fast schon normal; und zwischen den Metropolen liegen oft tausend oder mehr Kilometer. Und weil es in China nur sehr wenige Privatjets gibt, müssen auch etliche Superreiche aufs Auto ausweichen. Da kommt so ein Luxus-Panzer gerade recht.

Der Wagen sehe zwar aus wie eine uneinnehmbare automobile Festung, doch "wirkliche Übergriffe musste bislang noch keiner unserer Kunden erleben", erklärt die Firmensprecherin. Das ist wohl auch ganz gut so. Denn glaubt man einigen Beiträgen in chinesischen Autoblogs, dann ist der "General" ein Blender und die Panzerung nur Show. Verifizieren lässt sich das auf der Messe leider nicht. Aber das ist womöglich nicht der einzige Haken an dem Trumm. Denn offiziell gilt dieser Wagen als Lkw, und darf daher nur mit einer Spezialgenehmigung in viele Stadtzentren einfahren.

Dem Verkaufserfolg des Protzpanzers tut das offenbar keinen Abbruch: Obwohl die Preisliste erst bei 3,6 Millionen RMB oder umgerechnet 550.000 Euro beginnt, hat der General in China nach Auskunft seiner Macher schon 60 Kunden rekrutiert.

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Konsequent!
jrzz 25.04.2015
Na, endlich hat mal einer diese SUV-Geschichte zu Ende gedacht! Und mal wieder haben die deutschen Premium-Hersteller einen Trend versachlafen... ;-) Vor Kindergarten oder Grundschule würde sich so ein General doch gut machen, oder?
2.
Frank Zi. 25.04.2015
Ein sehr schönes Auto, ich hoffe das kommt auch nach Deutschland.
3. Fake Panzer bockt nicht
Bueckstueck 25.04.2015
Dann doch lieber gleich was echtes. Oder den Benz G 63 AMG 6x6 ohne Pritsche dafür mit oppulentem Fahrgastraum - für genug Geld bauen die alles.
4. Herrliches Auto.
was.zum.teufel.... 25.04.2015
Vorne noch einen Doppel-T-Träger als Kuhfänger und wenn das nächste Mal der Golf Plus mit Opa Piepenbrink mit 10 km/h rechts abbiegen will: DURCHSCHIEBEN! :-))))
5.
kojak2010 25.04.2015
Leider geil..!!! und damit meine ich nicht die kindischen Bemerkungen von dem Autor dieses profunden Berichts.. DAS sind SUVs. genau richtig für die Deutschen Straßen, die dank REKORDsteuereinnahmen mittlerweilen grauseliger aussehen, als straßen im hintersten Rumänien. dazu adäquate Motoren. Innenraum zum leben. ein rundes Programm.
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