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Borgward-Premieren in Genf: Ohne Groß nix los

Aus Genf berichtet Jürgen Pander

Borgward-Premieren in Genf: Comeback im Großformat Fotos
Jürgen Pander

2015 feierte Borgward auf dem Automobilsalon in Genf ein skurriles Comeback: mit einem fetten Stand, aber ohne Auto. Dieses Jahr ist es umgekehrt: kein Stand auf der Messe, dafür fette Autos.

Ganz am Ende der Landebahn des Genfer Flughafens, wo die Privatjets abgefertigt werden und Limousinen für Shuttledienste bereitstehen, parkt an diesem Abend auch eine Borgward Isabella. Das Traumauto der Wirtschaftswunderjahre wirkt ein wenig verloren vor dem großen Hangar, in dem es um die Zukunft der Borgward AG geht. Vor gut einem Jahr wurde die 1960 gestorbene Marke mit Kapital aus China wiederbelebt; und auch wenn die Isabella fehl am Platz wirkt, passt die Kulisse zu dem, was Borgward in Genf präsentiert: zwei Auto-Weltpremieren und vor allem hoch fliegende Pläne.

"Wir haben bislang alles richtig gemacht", sagt Vorstandschef Ulrich Walker selbstbewusst, als er inmitten der neuen Borgward-Modelle auf der Bühne steht. Alle drei Pkw seien nämlich SUV-Modelle. Menschen, die noch eine Idee von der alten Marke und ein Bild der zierlichen und eleganten Coupés und Limousinen, den Hansas und Isabellas, vor Augen haben, werden beim Anblick der vorgestellten Dickschiffe innerlich aufheulen. Aber: Diese Autogattung boomt weltweit. "Trotz des gebremsten Wachstums ist die Nachfrage in China immer noch gewaltig", sagt Walker, "im vergangenen Jahr wurden dort allein sechs Millionen SUV neu zugelassen."

In China werden die neuen Borgward-Typen zuerst auf den Markt kommen. Schon in ein paar Wochen soll es mit dem Modell BX7 losgehen, das bereits auf der IAA in Frankfurt debütierte. In Genf zeigt Borgward zudem den kleineren BX5 sowie den noch als Studie deklarierten BX6 TS, einen höhergelegten Fünftürer mit Coupé-Proportionen.

Irgendwann kommt Bordward auch wieder nach Deutschland

Doch Borgward will auch in der ehemaligen Heimat wieder Fuß fassen. "Wir machen es umgekehrt wie die deutschen Hersteller", sagt Walker. "Wir bewegen uns von Ost nach West." Ende 2017 soll der BX7 in Deutschland angeboten werden, ab Mitte 2018 dann zudem der BX5. "In Europa wird es Borgward ausschließlich mit Plug-in-Hybrid oder Elektroantrieb geben", sagt Walker. In China sind die Autos auch mit normalen Benzinmotoren verfügbar, und zwar solchen, die Borgward gemeinsam mit der Aachener Ingenieursfirma FEV entwickelt hat.

Warum ausgerechnet Plug-in-Hybrid- und Elektroantrieb, für die es hierzulande bislang kaum Nachfrage gibt? "Weil wir als Newcomer etwas Besonderes bieten müssen", erklärt Walker. "Borgward soll für elektrifiziertes Fahren, für bezahlbare Premiumqualität und für Konnektivität stehen."

Man wolle sich an jüngere, internetaffine Kunden wenden. Solche, die nicht mehr unbedingt zum Autohändler gehen, wenn sie ein Auto suchen. Es werde daher nur einige Borgward-Flagship-Stores geben, ansonsten sollen die Wagen vor allem übers Netz oder über Mehrmarkenhändler verkauft werden. Um den nötigen Service zu gewährleisten, plant Borgward die Kooperation mit einer Werkstattkette. "Wir wollen da flexibel sein, denn der Markt ändert sich gerade rasant", sagt Walker.

Eine Überraschung war die Ankündigung Walkers, Borgward-Autos nicht nur in Deutschland zu verkaufen, sondern sie auch dort fertigen zu lassen. "Borgward ist sich seiner Verpflichtung als deutsches Unternehmen ebenso bewusst wie auch seiner erfolgreichen Geschichte. Daher werden wir noch in diesem Jahr eine Entscheidung bezüglich unseres Produktionsstandorts in Deutschland treffen", sagt er.

Wo, das werde derzeit ermittelt. Und natürlich wird kein komplett neues Werk aufgebaut, sondern eine Art Endmontage. SKD heißt das im Fachjargon, das Kürzel steht für Semi-Knocked-Down-Montage und bedeutetet, dass teilzerlegte Fahrzeuge in Deutschland ankommen und dann hier zusammengesetzt werden. Geliefert wird aus einer Foton-Fabrik südwestlich von Peking.

Hangar statt Messehalle

Überhaupt soll die deutsche Komponente bei Borgward deutlich erkennbar sein: In der hiesigen Zentrale in Stuttgart arbeiten immerhin rund 50 Beschäftigte, und der Börsengang in Frankfurt ist ebenfalls in naher Zukunft geplant.

Fehlen eigentlich nur noch die Autos. Immerhin kennt man nun das Design der ersten drei Modelle, viel mehr aber noch nicht. Die Preise zum Beispiel sind noch unbekannt. Die Plug-in-Modelle sollen eine elektrische Reichweite von etwa 80 Kilometern haben, die reinen Elektrofahrzeuge eine Reichweite von rund 250 Kilometern. Am Ziel, mittelfristig eine halbe Million Autos zu verkaufen, hält Walker fest; etwa 30.000 bis 50.000 davon sollen auf Europa entfallen.

Schon diese Prognose zeigt, dass Europa und auch Deutschland nicht ganz so entscheidend sind für das Gelingen des Borgward-Comebacks. Und es gab in Genf noch einen Hinweis darauf. Während die Marke im vergangenen Jahr auf dem Autosalon präsent war und dort ein überdimensionales Logo zeigte, aber noch keine Autos, gab es in diesem Jahr zwar gleich zwei neue Autos, aber keinen Messestand mehr.

"Der Genfer Automobilsalon ist ein wichtiges Schaufenster für uns, aber zunächst richten wir unseren Fokus angesichts unserer Pläne auf China. Unsere Entscheidungen, welche Messe wir besuchen, sind nicht vom Marketing getrieben, sondern basieren auf strategischen Überlegungen", sagt Marco Dalan, Pressesprecher des Unternehmens.

Nach der Show im Flugzeughangar am Vorabend der Messe war der Genf-Auftritt von Borgward also schon wieder vorbei. Vielleicht ist die neue Firma trotz der chinesischen Millionen doch schwäbisch-sparsamer als vermutet.

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1.
barlog 02.03.2016
Konzentration bzw. Produktion in China, ausschließlich SUV's, Hybridtechnologien und sich vor allem nicht um deutsche Sichtweisen (Wäwä . ...das ist ja ein X6 mit Audilampen . ...) kümmern - die Borgward-Leute machen aus meiner Sicht vieles richtig.
2. Beliebig!
thrust26 02.03.2016
Auf den Autos könnte auch Nissan oder Toyota kleben. Mit Borgward hat das außer dem Namen m.E. nichts zu tun. Was kommt als nächstes? Ein Trabant-SUV? Die Namensrechte dürften billig zu erwerben sein.
3.
Dirk-16 02.03.2016
Vielleicht kann man ja mit klassischem Design mit neuer Technologie trumphen, aber das ist m.E. genauso mühsam und phantasielos wie einen fossil-PKW nachträglich auf Elektro umzubauen. Leider wurde, zumindest rein optisch, nicht die Gelegenheit genutzt, etwas Eigenständiges und mutiges zu machen: sieht eher wie eine Kopie oder Melange aus allen schon seit 10 Jahren bekannten SUVs aus. Wenn Borgward das junge Publikum überzeugen will, hätte es villeicht etwas cooler werden sollen, so müsste sich der Jungkäufer ein Fahrzeug im Eltern-Design kaufen: bäääh. Das reisst auch ein mobiles WLAN und anderer Schnickschnack nicht raus. Fein: Elektro. Da könnte man was draus machen, wenn man sich nicht politisch limitieren lässt auf die üblichen 150km Reichweite...die Technik gibt es schon seit 5 Jahren her.
4.
lhr 03.03.2016
Aussen Audi Leuchten und Grill, innen BMW Knöpfe, Body schaut aus wie ein Juke.
5. Warum nicht einfach das Kind
@lien 03.03.2016
beim Namen nennen? Das ist ein chinesischer Autohersteller mit deutschem Briefkasten. Und das ist auch nur für den chinesischen Markt interessant. Hier verkauft sich alles, was irgendwie Deutschland im Namen verquarkt, wie heiße Semmeln zu Premiumpreisen. Den ganzen Quatschanstrich mit deutscher Edelmarke brauchen die nur für den Heimatmarkt. Jetzt gilt es also, sich schnell noch ein paar alte Namensrechte zu sichern und dann gewinnbringend nach China zu verhökern.
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