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Tankstelle der Zukunft: Zapfenstreich

Aus Genf berichtet

Tankstelle der Zukunft: Tanke - und tschüss! Fotos
Nissan

Alle reden vom Elektroauto. Doch wo tanken wir in der automobilen Zukunft auf? Jedenfalls nicht an Ladesäulen, meint der britische Designer David Nelson. Seine Lösung fällt radikal anders aus.

SPIEGEL ONLINE: Herr Nelson, Sie haben als Designer an großen Projekten wie der Reichstagskuppel in Berlin oder dem Apple-Campus in Kalifornien mitgearbeitet. Im vergangenen Jahr gab Nissan Ihnen den Auftrag, die Tankstelle der Zukunft zu entwerfen. Haben Sie sich gelangweilt?

Nelson: Die Tankstelle ist nicht einfach nur ein Gebäude. Sie bestimmt maßgeblich unsere Mobilität und wie wir mit Autos im Alltag umgehen. Für uns als Design- und Architekturbüro war es sehr spannend, darüber nachzudenken, wie das später mal aussehen könnte.

David Nelson
  • Nigel Young / Foster + Partners
    David Nelson, Chef des Designs beim bekannten Architekturbüro Foster and Partners in London, studierte u.a. dreidimensionales Design am Loughborough College of Art und spezialisierte sich dort auf Möbel- und Industriedesign. Seit 1976 arbeitet er für Foster und war an vielen großen Architekturprojekten beteiligt - darunter die Zentrale der Hongkong und Shanghai-Bank in Hong Kong, China.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht die Zapfstation der Zukunft denn aus?

Nelson: Die meisten denken an eine elektrische Version von unseren heutigen Tankstellen. Von dieser Vorstellung haben wir uns komplett verabschiedet. Die Tankstelle der Zukunft ist die Straße, das eigene Haus, das Auto, die gesamte Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll das denn funktionieren?

Nelson: Wir sind von folgendem Szenario ausgegangen: Künftig fahren nahezu alle Autos elektrisch, sie sind vernetzt mit der Infrastruktur und kommen ohne Fahrer aus, bewegen sich also autonom. Deshalb wird die Straße der Zukunft nicht nur einfach eine Straße sein, sondern mit Hilfe von eingebauten Induktionsschleifen E-Autos während der Fahrt laden können. Auto und Haushalt werden künftig stärker aneinandergekoppelt. Erzeugt das Haus mit Solardach zu viel Energie, kann diese in der Batterie des Autos zwischengespeichert werden. Reicht die Stromversorgung fürs Kochen nicht aus, hilft die Batterie des Autos.

Fotostrecke

6  Bilder
Projekte von Foster and Partners: Schöner reisen
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie wirklich, dass Ihre Vorstellung vom Auftanken der Zukunft Wirklichkeit wird?

Nelson: Unsere Vision soll den Menschen zeigen, was künftig möglich sein wird. Ab dem nächsten Jahr sollen Autobatterien das Gebäude von Nissan Frankreich mit Energie versorgen. Dort wird sich dann zeigen, wie gut Auto und Haus zusammenarbeiten. Wir sind gespannt darauf und wollen von diesem Projekt lernen.

SPIEGEL ONLINE: Ich bin mir sicher, Tankstellenbetreiber werden Ihr Konzept hassen.

Nelson: Vielleicht. Es gibt aber nicht nur einen Weg in die Zukunft. Wichtig ist, ob sich beispielsweise Wasserstoffautos durchsetzen können. Diese benötigen aufgrund ihres Kraftstoffs eine konventionellere Infrastruktur als batteriebetriebene Autos. Wir wollten unsere Vision aber so klar wie möglich formulieren und haben deshalb in unseren Überlegungen auf einen Motoren-Mix bewusst verzichtet. Die Menschen dort draußen suchen Antworten auf die Frage, was sie für ihre Umwelt tun können. Wir wollen ihnen zeigen: Hier sind sie. Wir alle können den Klimawandel stoppen!

SPIEGEL ONLINE: Wir sind hier auf dem Genfer Autosalon. Wie sähe Ihr Auto für die Show aus?

Nelson: Für eine Ausstellung in Madrid sollten wir das Dymaxion-Auto des visionären Architekten Richard Buckminster Fuller nachbauen. Fuller war ein Freund von unserem Chef Norman Foster und hat den Wagen 1933 konstruiert, mit einem für damalige Verhältnisse sensationell niedrigen Verbrauch. Ich würde eine zeitgemäße Version dieses Fahrzeugs entwickeln - es wäre natürlich batteriebetrieben und besonders leicht, um Energie zu sparen.

Das Dymaxion-Auto von Buckminster Fuller Zur Großansicht
Corbis

Das Dymaxion-Auto von Buckminster Fuller

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 126 Beiträge
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1.
johannesraabe 06.03.2016
In Afrika kommt noch nicht mal überall fließend Wasser aus dem Hahn, geschweige denn, gibt es einen und Nissan denkt über neue Tankstellen nach. Die Straßen in der Bundesrepublik sind so marode und benötigen im Moment eher Beton und Asphalt als Induktionsleiterschleifen. Diese Utopie kostet Geld und zwar immens viel. Es wäre sinnvoller sich an einem Akkuwechselsystem zu versuchen. Anstatt ein gigantisches Induktionsnetz in die Straße zu packen. Und außerdem benötigt man erstmal die Autos dafür. Das dauert noch ein paar Jahrzehnte.
2. Es kommt allein, es fährt allein, es tankt allein, es parkt allein und es zaht fast allein
urknallmarinchen@yahoo.de 06.03.2016
Schöne neue Welt. Das Auto wird mehr und mehr zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand ohne größere fragwürdige Absurditäten. Das Ende der fossilen Energieträger ist schon aus Umweltschutzgründen ein Muss!
3.
dwg 06.03.2016
Man kann ja durchaus verstehen, daß er sich vor Buckminster Fuller im Sinne auch von Fosters Verehrung verbeugt, aber das Dymaxion Car als "blue print" für ein modernes Konzept nehmen zu wollen, ist mehr als absurd. Ein Dreirad, dem man seine Stabilitärtsprobleme schon von weitem ansieht. Da kann man ja gleich Rumplers Tropfenwagen nehmen...
4. Was für ein Schmarrn!
herjemine 06.03.2016
Träger von Herzschrittmachern werden sich bedanken! Abgesehen davon noch total im Denken des Vorgestern verhaftet. Zukunft sieht anders aus.
5.
ToertjeX 06.03.2016
Induktionsschleifen in Straßen und Autos/Häuser als Energiespeicher sind jetzt als Idee aber wirklich nicht neu. Warten wir das Design ab
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