Wenn Elektroautos wirklich die Zukunft sind, dann haben wir ein Problem: einfach nach Gehör über die Straße gehen, das geht dann nicht mehr - die Kisten sind einfach zu leise. Gerade in Tempo-30-Zonen, wo Autos nicht schnell genug fahren, als dass die Reifen ein wahrnehmbares Abrollgeräusch von sich geben, könnte das zu Unfällen führen.
Deswegen tüfteln die Entwickler und Automobilhersteller schon seit längerem an Lösungen, mit denen Fußgänger vor heransäuselnden Elektroautos gewarnt werden sollen. Eine neue Richtlinie der EU-Kommission sagt jetzt zumindest schon mal, wie sich die Stromer nicht anhören dürfen: Sie dürfen nicht bellen. Mit Glockengeläut oder zirpend dürfen sie auch nicht durch die Straßen fahren. Ausdrücklich werden in der Richtlinie auch Sirenen oder Melodien verboten.
Irgendein Geräusch müssten sie jedoch von sich geben, damit Passanten und Fahrradfahrer nicht einer lautlosen Gefahr ausgesetzt sind. Aber welches? Ein sogenanntes Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) solle zur Vorschrift für Elektroautos werden. Die EU versteht darunter eine "schallerzeugende Einrichtung, mit der Fußgänger und gefährdete Verkehrsteilnehmer gewarnt werden sollen".
Der Ampera, das Elektrofahrzeug von Opel, ist beispielsweise mit einer Fußgängerhupe ausgerüstet. Bei den Rüsselsheimern spricht man vom "Friendly Horn". Ampera-Fahrer können es drücken, wenn sie auf sich und ihren leisen Wagen aufmerksam machen wollen. "Wir setzen auf einen angenehmen Warnton und verzichten auf künstliche Fahrgeräusche", sagt Opel-Sprecher Christof Birringer.
V-8-Sound oder Warp-Geräusch?
Setzt die EU ihre Richtlinie durch, wird aber genau das zur Vorschrift. Zwischen dem Anfahren und einer Geschwindigkeit von 20 km/h müsste dann ein Geräusch erzeugt werden - und zwar automatisch.
Auch daran wird bereits getüftelt. Als zum Beispiel der VW E-Up erstmals auf der Automesse IAA präsentiert wurde, rollte er mit brüllendem Motor auf die Bühne. Und die Tuningfirma Brabus hat für den Elektroflitzer Tesla Roadster eine Geräuschpalette entworfen, die vom Klang eines blubbernden V8-Motors bis zum spacigen Warp-Geräusch reicht. Das Sounddesign hat schließlich auch bei der Entwicklung von Autos mit Verbrennungsmotoren einen wichtigen Stellenwert.
Auch bei Volvo ist man auf der Suche nach dem richtigen Elektrogeräusch. Das solle möglichst unverwechselbar sein, sagt Martin Spång, Mitarbeiter im Akustiklabor des Autoherstellers. Er ist sich sicher: "Die Kunden werden sich mit der Zeit daran gewöhnen, dass Elektrofahrzeuge einfach eine andere Akustik haben als herkömmliche Autos." Auch wenn es kein Bellen oder Grunzen ist.
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