Yellow Cabs in New York Die Zukunft ist ein gelber Klotz

Die Bürger wollen ihn, Taxifahrer hassen ihn. Doch ein Gericht in New York hat nun entschieden, dass alle auf den Nissan NV200 umsteigen müssen. Die gelbe Kiste wird das New Yorker Stadtbild prägen wie einst das legendäre Yellow Cab.

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AP

New York - Die New Yorker müssen sich nun endgültig mit den neuen Nissan-Taxis abfinden, die sie vor einigen Jahren per Volksentscheid eher notgedrungen als neues Standardmodell ausgewählt hatten. Ein Gericht hat einem Bericht der "New York Times" zufolge nun entschieden, dass das Verfahren, das zur Festlegung auf den NV200 geführt hat, rechtmäßig ist. Die Richter revidierten damit eine Entscheidung einer früheren Instanz, die dem damaligen Bürgermeister Michael Bloomberg das Recht abgesprochen hatte, den Taxifahrern den Kauf eines bestimmten Wagens vorzuschreiben.

Für die Suche nach dem "Taxi of Tomorrow", das täglich rund 600.000 Kunden befördert, hatte eine Kommission der Stadt mit strengen Vorgaben um dezidierte Entwürfe gebeten. Gewinner der Ausschreibung wurde mit dem Nissan NV200 ein vergleichsweise simpel konstruiertes Modell. Ein leichtes Nutzfahrzeug ähnlich groß wie der hiesige VW Bus, das fast überall auf der Welt angeboten wird.

Für den Einsatz in Manhattan, Queens, Brooklyn und in der Bronx ist der umgerechnet etwa 20.000 Euro teure Wagen mit einer Trennwand zum Fahrer, drei bequemen Sitzen sowie USB- und 12-Volt-Ladebuchsen im separat klimatisierten Fond ausgerüstet. Es gibt auch ein Panoramadach für den freien Blick zum Himmel.

Design stößt auf Kritik

Die Idee eines sauberen Antriebs blieb allerdings vorerst auf der Strecke. Zwar wollte Bloomberg ursprünglich schon bis 2012 den gesamten Taxi-Fuhrpark der Stadt auf Hybridantrieb umstellen und so bis zu 80 Millionen Liter Sprit im Jahr sparen. Doch unter der Haube des "Taxi of Tomorrow" steckt bis auf Weiteres erst einmal ein ziemlich konventioneller Benziner. Auch Rollstuhlfahrer sind nicht glücklich über das Auto. Die hohe Stufe macht es praktisch unmöglich, den Fond ohne Hilfe zu entern.

Besonders aber das Design stößt vielen New Yorkern sauer auf. Von außen sorgt eigentlich nur die grell-gelbe Farbe dafür, dass der Van aus der Masse heraussticht. Im Innern dominiert billiges Plastik, das sich immerhin recht einfach sauber halten lassen soll. Um Platz für die Passagiere zu schaffen, wurde der Raum hinter dem Steuer geopfert. Die Fahrer müssen mit einen tristen Arbeitsplatz vorliebnehmen.

Pragmatiker verteidigen die Nissan

Pragmatiker mit wenig Stilgefühl diffamieren solche Einwände als Luxusprobleme. Aus ihrer Sicht soll das Gefährt zuverlässig Passagiere über kurze Distanzen befördern. Und die Anziehungskraft von New York sehen sie ohnehin als unzerstörbar an - womit sie wahrscheinlich sogar Recht haben.

Nach dem Urteil des obersten Gerichts bleibt den Kritikern also nur noch, mit viel Energie auf Detailverbesserungen hinzuwirken. Für Experten, die die ganze Sache mit mehr Distanz betrachten, ist es indes keine Frage, dass der Nissan NV200 in absehbarer Zeit in gleicher Weise mit dem Stadtbild verwächst, wie das die Yellow Cabs in den mehr als hundert Jahren ihrer Geschichte zuvor auch geschafft haben.

Als entscheidender Faktor dafür gelten übrigens nicht zuletzt die strengen Vorgaben der Behörden. Zwar wurde in der Vergangenheit noch nie ein explizites Fahrzeug vorgeschrieben. Doch waren und sind die offiziellen Anforderungen so dezidiert, dass die Auswahl der lizenzierten Fahrzeuge stets sehr überschaubar blieb und so - anders als etwa in Deutschland - sich eine Monokultur am Taxistand entwickelte und bis heute Bestand hat. Mit dem NV200 wird sich diese Tradition fortsetzen.

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