Zu dichtes Auffahren Gericht legt Drängler-Regel fest

Wer anderen Autofahrern zu nahe an die Stoßstange rückt, riskiert ein Bußgeld. Aber wann wird aus dichtem Auffahren, das sich vielleicht gar nicht vermeiden lässt, wirklich strafbares Drängeln? Ein Gericht hat auf diese Frage jetzt eine Antwort gegeben.

Drängler auf der Autobahn: Ab drei Sekunden wird es teuer
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Drängler auf der Autobahn: Ab drei Sekunden wird es teuer


Hamm - Dieser Gesetzesverstoß passiert auf deutschen Autobahnen tagtäglich, und er kann gefährliche Folgen haben: Autofahrer rücken dem Fahrzeug vor ihnen ganz dicht auf und kleben ihm fast an der Stoßstange. Die sogenannten Drängler üben damit Druck aus, die Botschaft lautet: Platz da. Aber die Unterschreitung des Sicherheitsabstands ist strafbar - und zwar genau dann, wenn sie länger als drei Sekunden dauert. Diese Zeitspanne hat jetzt das Oberlandesgericht Hamm festgelegt.

Im konkreten Fall war ein 57 Jahre alter Autofahrer zu einer Geldbuße von 180 Euro verurteilt worden, weil er auf der Autobahn bei Tempo 131 über eine Strecke von 123 Metern lediglich einen Abstand von 26 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug einhielt. Bei Geschwindigkeiten über 80 Stundenkilometer müssen Autofahrer laut Bußgeldkatalog einen Sicherheitsabstand von mehr als dem "halben Tacho" einhalten.

Ein Verstoß gegen die Abstandsregelung kann dem Gericht zufolge mit einem Bußgeld geahndet werden, wenn der Verstoß "nicht nur ganz vorübergehend" ist. Situationen, die nur kurzzeitig zu einem zu geringen Abstand führen, wie etwa das plötzliche Abbremsen oder ein Spurwechsel eines vorausfahrenden Wagens, sind demzufolge keine schuldhafte Pflichtverletzung.

Bei schneller Fahrt gilt eine schärfere Vorschrift

Die Frage, wann eine Unterschreitung des Abstands nicht nur vorübergehend ist, sei in erster Linie nach ihrer zeitlichen Dauer zu beantworten, entschied das Gericht. Bei einer Unterschreitung von mehr als drei Sekunden liege kein kurzfristiges Versagen mehr vor. Von einem Fahrer sei zu verlangen, dass er innerhalb von drei Sekunden handle, um den Sicherheitsabstand wieder zu vergrößern.

Für besonders rasante Fahrer wurde außerdem ein nach Metern bemessener Grenzwert gezogen. Wer über eine Strecke von 140 Metern zu dicht auffährt, wird ebenfalls zur Kasse gebeten - auch wenn die Dauer des Drängelns noch unter drei Sekunden liegt. Denn wer 140 Meter in weniger als drei Sekunden zurücklege, überschreite die Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen von 130 Kilometern pro Stunde deutlich. Deswegen müsse er den geforderten Mindestabstand auch rascher wiederherstellen.

Aktenzeichen: 1 RBs 78/13

cst/dpa

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Seite 1
chb_74 23.08.2013
1. Prima...
Prima, dann fehlen jetzt nur noch die flächendeckenden Kontrollen, um der Drängelei von Leuten, die immer glauben, ein recht auf freie Fahrt zu haben, auch Einhalt zu gebieten. Es wird sicherlich eine Menge (Beinahe-)Unfallsituationen geben, bei denen genau die durch Drängelei ausgelöste Nervosität des Vorausfahrenden letztlich die Unfallursache war, ohne dass der Drängler direkt am Unfallgeschehen beteiligt war. Bei dieser Gelegenheit können dann allerdings auch bitte all diejenigen belangt werden, die eine Autobahn mutwillig verengen, indem sie mit 100-110 km/h auf der mittleren von drei Spuren fahren, obwohl sie dort bei dem Tempo nichts zu suchen haben, wenn rechts über längere Strecken kein Fahrzeug unterwegs ist. .
UdoL 23.08.2013
2.
Zitat von sysopDPAWer anderen Autofahrern zu nahe an die Stoßstange rückt, riskiert ein Bußgeld. Aber wann wird aus dichtem Auffahren, das sich vielleicht gar nicht vermeiden lässt, wirklich strafbares Drängeln? Ein Gericht hat auf diese Frage jetzt eine Antwort gegeben. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/gericht-legt-draengler-regel-fest-a-918162.html
Finde ich vollkommen in Ordnung, kann mir aber immer noch nicht erklären, aus welchem Grund nicht an die Linksfahrer herangegangen wird. Hier könnte doch auch mal festgelegt werden, ab wann das deutlich geahndet wird - möglichst auf gleicher Höhe wie Drängeln und Rechtsüberholen.
Just4fun 23.08.2013
3. Na los,
Zitat von sysopDPAWer anderen Autofahrern zu nahe an die Stoßstange rückt, riskiert ein Bußgeld. Aber wann wird aus dichtem Auffahren, das sich vielleicht gar nicht vermeiden lässt, wirklich strafbares Drängeln? Ein Gericht hat auf diese Frage jetzt eine Antwort gegeben. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/gericht-legt-draengler-regel-fest-a-918162.html
Kameras auf jede Autobahn- und Schnellstrassenbrücke, und schon zu Weihnachten können wir Griechenland und Portugal im Alleingang retten und obendrein noch Mallorca kaufen ....
Ludwigsburger 23.08.2013
4. Endlich mal eine vernünftige Entscheidung!
Zitat von sysopDPAWer anderen Autofahrern zu nahe an die Stoßstange rückt, riskiert ein Bußgeld. Aber wann wird aus dichtem Auffahren, das sich vielleicht gar nicht vermeiden lässt, wirklich strafbares Drängeln? Ein Gericht hat auf diese Frage jetzt eine Antwort gegeben. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/gericht-legt-draengler-regel-fest-a-918162.html
Allerdings kann ich mich meinen Mitforisten nur anschließen: zum einen müsste viel mehr kontrolliert werden, zum anderen müssten die Mittelspurblockierer auch mal zur Rechenschaft gezogen werden. Und wenn ich so nachdenke: ich kenne in meinem Umfeld allerlei an Vekehrsdelikten, die geahndet wurden. Aber wegen zu geringen Abstands oder "Nicht-Rechts-Fahrens" hat es noch niemand "erwischt". Da besteht also dringender Handlungsbedarf!
EvilGenius 23.08.2013
5. Weltfremd
---Zitat--- Bei Geschwindigkeiten über 80 Stundenkilometern müssen Autofahrer laut Bußgeldkatalog einen Sicherheitsabstand von mehr als dem "halben Tacho" einhalten. ---Zitatende--- Wie soll das Beispielsweise auf der A66 funktionieren? Wenn Sie da 50 m Abstand halten schert garantiert jemand vor Ihnen ein. Wenn Sie dann Ihre Geschwindigekeit veringern schert der Nächste ein. Irgendwann fahren Sie rückwärts...
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