Gerichtsurteil Auto nach sechs Wochen und 3300 Kilometern kein Neuwagen mehr

Einen Monat nach Zulassung ist auch ein Porsche kein Neuwagen mehr. Das hat nun das Oberlandesgericht Hamm entschieden. Nach einem Unfall wollte ein Unternehmen den kompletten Kaufpreis von der Versicherung zurück.

Porsche Macan
DPA/Porsche

Porsche Macan


Ein Auto ist bereits sechs Wochen nach seiner Zulassung und rund 3300 gefahrenen Kilometern kein Neuwagen mehr. Das Oberlandesgericht Hamm wies in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss die Forderung eines Unternehmens an eine Versicherung zurück, nach einem Verkehrsunfall die Schadensregulierung für einen Firmenwagen auf Neuwagenbasis vorzunehmen.

Die Firma hatte unter anderem die geringe Laufleistung ins Feld geführt, welche das Auto zum Unfallzeitpunkt aufgewiesen hatte. Auch müsse der nur sechs Wochen vor dem Unfall zugelassene Sportwagen als hochwertiges Fahrzeug wegen der heutigen technischen Entwicklung länger als Neufahrzeug eingestuft werden, als dies früher üblich gewesen sei.

Auf der Grundlage eines Schadensgutachtens wurde der Wert des 92.400 Euro teuren Autos vom Modell Porsche Macan zum Zeitpunkt des Unfalls auf 80.250 Euro geschätzt. Innerhalb von sechs Wochen hatte das Fahrzeug somit 12.150 Euro an Wert verloren. Diesen Betrag wollte die Klägerin erstattet haben.

Neuwagenentschädigung nur bei höchstens 1000 Kilometer möglich

Dem folgte das Gericht nicht. Vielmehr sei auch im Fall des Porsches die höchstrichterliche Rechtsprechung anzuwenden, wonach ein Anspruch auf Neuwagenentschädigung in der Regel nur bei einer Fahrleistung von höchstens 1000 Kilometern und einer Erstzulassung vor maximal einem Monat in Betracht komme.

Auch bei Berücksichtigung der weiteren technischen Entwicklung sei der Firmenwagen im vorliegenden Fall nicht mehr als Neuwagen anzusehen gewesen, befanden die Richter. Das bestätigten die Verhältnisse auf dem Markt für sehr junge Gebrauchtwagen beziehungsweise Autos mit Tageszulassung im hochpreisigen Fahrzeugsegment.

cfr/afp



insgesamt 18 Beiträge
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jupp78 21.06.2018
1.
Vollkommen richtiges Urteil, denn das entspricht exakt der Marktsituation. Ansonsten muss man die Nummer eben gesondert versichern (was die meisten Versicherungen durchaus anbieten).
holger_s. 21.06.2018
2.
was ist denn das für eine Firma, die sich einerseits einen Porsche (!) als Firmenwagen (aus welcher Branche wäre hier nochmal interessant) gönnt, andererseits aber noch nichtmal die Reduzierung eines bestimmten Verkehrswertes nach gewisser Zeit anzuerkennen bereit ist? zum Glück steht einem völlig frei, welche Firma man für welche Dienstleistung auch immer in Anspruch nimmt...
serveradmin 21.06.2018
3. Beklagte Versicherung ist die Haftpflicht des Unfallgegners
Zitat von jupp78Vollkommen richtiges Urteil, denn das entspricht exakt der Marktsituation. Ansonsten muss man die Nummer eben gesondert versichern (was die meisten Versicherungen durchaus anbieten).
Aus dem Artikel bei juris.de (https://www.juris.de/jportal/portal/page/homerl.psml?cmsuri=/juris/de/nachrichten/zeigenachricht.jsp&feed=juna&wt_mc=rss.juna&nid=jnachr-JUNA180601790) geht hervor, was der Spiegel-Artikel leider verschweigt: es handelt sich hier nicht um einen selbst verursachten Unfall, denn die Schuld liegt zu 100% beim Unfallgegener. Es ist richtig, dass viele gute Kasko-Tarife eine Neuwert-Entschädigung bis zu 24 Monate nach Kauf vorsehen. Leider kenne ich keine einzige Versicherung, die genau diesen Fall in ihrem Tarif abdeckt: ein relativ neuwertiges Fahrzeug wird durch Fremdverschulden zum Totalschaden, und die gegnerische (Haftpflicht-)Versicherung macht, wie in diesem Fall, kräftige Abschläge zu Lasten des Geschädigten. Es wäre durchaus denkbar, eine entsprechende Übernahme der Differenz beispielsweise in einem hochwertigen Teilkasko-Tarif anzubieten.
jujo 21.06.2018
4. ...
Damit muss gelebt werden, das die Versicherer, zurecht, nur den Zeitwert erstatten. Mein Auto ist 10 Jahre alt, technisch ohne Probleme, 155tsd Km gelaufen, der Wagen ist somit fast abgeschrieben. Wird er mir zum Totalschaden gemacht wäre ich sauer, 5 Jahre könnte er noch laufen.
felisconcolor 21.06.2018
5. Das
ist wohl ein Witz. Nach etwas mehr als einem Monat und 3tsd km ein Wertverlust von einem neuntel? Und dann klagen Versicherungen das sie nichts verdienen. Schon klar. Die Firma sollte sich das Geld auf dem Zivilweg vom Unfallgegner wieder holen. Es ist vollkommen irrelevant ob sich eine Firma einen Porsche als Firmenwagen gönnt oder nicht. Was würde der Forist wohl schreiben wenn sein eineinhalb Monat alter VW Golf davon betroffen wäre, der evtl. auch noch auf Kredit gekauft wurde. Viel Spass dann dabei.
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