Geschönte Stimmzahlen ADAC gibt Fälschungen auch in früheren Jahren zu

Erst stritt der Club alles ab, jetzt kommt die Kehrtwende. Der ADAC hat eingestanden, dass beim Autopreis "Gelber Engel" deutlich länger manipuliert wurde als bisher bekannt. Kommunikationschef Ramstetter bekannte in der "Süddeutschen Zeitung": "Ich habe Scheiße gebaut."

ADAC Zentrale in München: "Gelber Engel" schon seit Jahren manipuliert?
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ADAC Zentrale in München: "Gelber Engel" schon seit Jahren manipuliert?


München - Es scheint, als hätten die Mauscheleien beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" System gehabt: ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair sagte der "Süddeutschen Zeitung", der bisherige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe nicht nur die aktuelle Abstimmung über das Lieblingsauto der Deutschen verfälscht, sondern auch die Teilnehmerzahlen der Jahre zuvor. Wie lange Ramstetter schon Zahlen erfunden hat, ist demnach aber noch unklar.

Ramstetter selbst bestätigte der Zeitung die Manipulationen. "Ich habe Scheiße gebaut", sagte Ramstetter wörtlich, wollte sich aber nicht eingehend zur Sache äußern. Ramstetter hatte bisher nur zugegeben, dass die Stimmzahlen bei der Wahl des VW Golf zum aktuellen Lieblingsauto der Deutschen "geschönt" worden seien. Der Kommunikationsleiter des einflussreichen Automobilclubs legte wegen des Betrugs sämtliche Ämter nieder.

Der ADAC hatte eigenen Angaben zufolge unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe eine "lückenlose interne Prüfung" angeordnet und betont, seine Führung sei zu keinem Zeitpunkt "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl unterrichtet gewesen". Der Club wies zudem darauf hin, dass von allen neun Preiskategorien des "Gelben Engel" lediglich die durch Leserwahl ermittelte Preiskategorie "Lieblingsauto" betroffen sei. Demnach stimmten deutlich weniger Leser bei der Wahl ab als vom ADAC offiziell angegeben. Der VW-Golf, der zum diesjährigen Lieblingsauto der Deutschen gekürt wurde, habe zehn Mal weniger Stimmen erhalten als behauptet, berichtete die Zeitung.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, haben erste interne Untersuchungen von Dokumenten beim ADAC ergeben, dass auch in den vergangenen Jahren, mindestens aber 2013 und 2012, die Zahl der abgegebenen Stimmen künstlich erhöht wurden. Dies hatte laut der ADAC-Prüfer aber keinen Einfluss auf die Platzierungen der Autos. Die Prüfung stütze sich auf frühere Aufzeichnungen, die Stimmzettel seien laut ADAC aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden.

Am Sonntag hatte der Autoclub in München zunächst eingeräumt, dass die Teilnehmerzahlen für die diesjährige Wahl höher dargestellt worden waren als sie tatsächlich waren. Ramstetter, der seit Jahren auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" war, habe - so der ADAC in seiner Mitteilung - "die alleinige persönliche Verantwortung" übernommen und alle Funktionen beim ADAC niedergelegt. Obermair hatte noch vor einigen Tagen die Manipulationsvorwürfe als "Unterstellungen" zurückgewiesen.

Der mit rund 19 Millionen Mitgliedern größte Autoclub in Europa und größter Verein in Deutschland musste harsche Kritik von allen Seiten einstecken: Politik, Wirtschaft und Automobilexperten forderten Aufklärung. Die Glaubwürdigkeit des ADAC ist beschädigt.

nck//AFP/dpa

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insgesamt 291 Beiträge
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Seite 1
ron.ronin 20.01.2014
1.
ADAC, was? Wen juckt's!?
Spiegelleserin57 20.01.2014
2. Für viele Menschen war der ADAC...
Zitat von sysopimagoErst stritt der Club alles ab, jetzt kommt die Kehrtwende. Der ADAC hat eingestanden, dass beim Autopreis "Gelber Engel" deutlich länger manipuliert wurde als bisher bekannt. Kommunikationschef Ramstetter bekannte in der "Süddeutschen Zeitung": "Ich habe Scheiße gebaut". http://www.spiegel.de/auto/aktuell/geschoente-stimmzahlen-adac-gibt-auch-fruehere-manipulationen-zu-a-944376.html
eine Orientierung bei Käufen von Autos und Zubehör, das dürfte nun vorbei sein. Ich habe diesen Verein immer als sehr einseitig orientiert empfunden. Das Auto wurde immer in den Himmel gehoben und auf die ständigen Vergehen viel zu wenig hingewiesen. Der Fußgänger hatte oft das Nachsehen, man vergisst halt gerne die Schwächsten im Straßenverkehr und orientiert sich an der Wirtschaft.
Orthoklas 20.01.2014
3. Haben denn ALLE Dreck am stecken?
Unglaublich - jetzt sind die deutschen Saubermänner auch nur Dreckspatzen wie die Banken. Image im Eimer, würde ich sagen - und zurecht! Was für eine Enttäuschung!
freder55 20.01.2014
4. Ämter niedergelegt !
wieso Ämter niedergelegt? der müsste doch in hohem Bogen gefeuert werden……………….
lenaddorf 20.01.2014
5.
Gekauft! Der Pannenservice sollte separiert werden. Die leisten tolle, ehrliche Arbeit!
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