Umstrittene Riesen-Lkw Daimler und Grüne geben Studie über Gigaliner in Auftrag

In Baden-Württemberg streiten sich Industrie und Landesregierung seit Langem über das Testverbot für Gigaliner. Jetzt haben Grüne und Daimler gemeinsam eine Studie in Auftrag gegeben - darin soll der Nutzen der Riesenlaster untersucht werden.

Gigaliner: "So einfach ist die Rechnung nicht"
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Gigaliner: "So einfach ist die Rechnung nicht"


Stuttgart - Wer auf der Autobahn schon einmal an einem sogenannten Gigaliner vorbeigefahren ist, weiß, wie monströs diese Fahrzeuge sind. Normalerweise dürfen Lastwagen samt Auflieger oder Anhänger in der EU maximal 18,75 Meter lang sein - die Gigaliner bringen es auf bis zu 25,25 Meter, also 6,50 Meter mehr. Für die Industrie liegen die vermeintlichen Vorteile auf der Hand: Mehr Länge bedeutet mehr Kapazität, so die Argumentation, wodurch letztlich Kraftstoff und somit klimaschädliches Kohlendioxid eingespart würde. Kritiker sehen dagegen die Verkehrssicherheit gefährdet und warnen, Transporte könnten von der Schiene auf die Straßen verlagert werden.

Der Streit um Gigaliner zwischen Industrie und Politik wird vor allem in Baden-Württemberg verbissen geführt. Die Grünen, die mit Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten und mit Winfried Hermann den Verkehrsminister stellen, sind gegen die Riesen-Lkw. In der Landeshauptstadt Stuttgart sitzt aber auch Daimler, der weltweit größte Hersteller von Lastwagen. Und Daimler will auf 19 Stecken im Südwesten die Riesen-Lkw fahren lassen. Bislang hat der Verkehrsminister Hermann die Ausnahmegenehmigung aber verweigert. Doch jetzt kommt Bewegung in den Streit.

Gemeinsame Studie über Klimabilanz

Hermann sagte der "Stuttgarter Zeitung" , man habe sich mit dem Autobauer auf eine wissenschaftliche Untersuchung geeinigt. Dabei soll die umstrittene Klimabilanz der 25-Meter-Lkw geklärt werden. Der gemeinsame Auftrag sei ein Durchbruch, so Hermann. "Es wäre die erste derartige Studie mit einem Fahrzeughersteller überhaupt."

Nach Angaben von Daimler würde der Einsatz der umstrittenen Lastwagen pro Jahr allein im Südwesten 2700 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid vermeiden, weil zwei Lang-Lkw drei bisherige Lastwagen ersetzen könnten. Hermann bezweifelt das: "So einfach ist die Rechnung nicht", sagte er der Zeitung. In etwa einem Jahr sei mit Ergebnissen zu rechnen. Wie es anschließend weitergehe, müssten Bund und Länder dann gemeinsam beurteilen.

In Deutschland sind seit Anfang 2012 Gigaliner auf ausgewählten Strecken probeweise unterwegs. An dem bis Ende 2016 geplanten Test beteiligen sich inzwischen 39 Unternehmen mit 80 Lang-Lkw. Erst im September 2014 hatte das Bundesverkehrsministerium weitere Straßenabschnitte für die Riesen-Lkw freigegeben. Seither dürfen 120 Abschnitte befahren werden. Das Netz der zulässigen Straßen erstreckt sich auf neun Bundesländer.

An dem Test der Gigaliner beteiligen sich Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

smh/dpa



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insgesamt 53 Beiträge
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Mertrager 11.03.2015
1. Grabstein
Bei den Unfalltoten, die - aus der unübersichtlichen Sonderlänge resultierend sterben werden - kann man dann auf den Grabstein schreiben: Er/Sie starb für die schwäbische Klimabilanz. - Man sollte auch nicht vergessen, Paragraf 1 der StVO anzupassen. Denn die resultierende Gefährung aus dem Einsatz dieser Fahrzeuge ist damit nicht in Einklang zu bringen.
michaelXXLF 11.03.2015
2. Roadrtrains sind die Lösung!
Die sind noch wesentlich länger und dürfen bis zu 190 Tonnen laden und fahren dann trotzdem noch 100 - 120 km/h (Es gibt auch Züge, die bis zu 450 Tonnen laden können aber die dürfen selbst in Australien nicht auf die Straßen). Wobei, die Schweiz limitiert sämtliche LKW auf 28 Tonnen. Warum eigentlich?
hrboedefeld 11.03.2015
3. Schiene?
Wäre das Geld nicht besser angelegt mit dem Bau von Umladebahnhöfen an den Grenzen um Waren die nur Transitverkehr sind auf die Schiene zu verlagern? Das würde auch der Bahn helfen die für Reisende zunehmend uninteressanter wird und sich so die Berechtigung erwirken könnte weiterhin für Millionen ihre Strecken zu modernisieren, während die Autobahnen verrotten...
Eidgenosseein 11.03.2015
4. Falsch informiert
Zitat von michaelXXLFDie sind noch wesentlich länger und dürfen bis zu 190 Tonnen laden und fahren dann trotzdem noch 100 - 120 km/h (Es gibt auch Züge, die bis zu 450 Tonnen laden können aber die dürfen selbst in Australien nicht auf die Straßen). Wobei, die Schweiz limitiert sämtliche LKW auf 28 Tonnen. Warum eigentlich?
In der Schweiz fahren genau so 40ig-Tonner rum, wie überall auch.
spon-facebook-10000015195 11.03.2015
5. Funktioniert nur bei geringer Verkehrsdichte
Das wird in Deutschland nicht funktionieren. In Schweden sieht man diese Gigaliner an jeder Ecke. Das Überholen dauert länger und funktioniert gut durch die geringe Verkehrsdichte. Man überlege sich das auf deutschen Autobahnen, die jetzt schon voll sind. Wer glaubt, dass dadurch weniger LKW auf den Straßen unterwegs wären, sollte sich mal überlegen wie die Waren in die Städte kommen sollen. Dort können die Gigaliner nicht fahren - da würden nur große Umschlagplätze vor den Toren der Stadt helfen.
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