GM-Einstieg bei PSA: Hochzeit mit Hindernissen

Von Jürgen Pander

GM-Einstieg bei PSA: Gemeinsame Kleinwagen? Fotos
Peugeot

Der US-Autokonzern General Motors will beim französischen PSA-Konzern einsteigen. Durch die Auto-Ehe sollen die kriselnden Marken der Unternehmen - Peugeot und Citroën sowie Opel - aufgepäppelt werden. Experten sind skeptisch.

In der Mathematik ergibt minus mal minus plus. Im Wirtschaftsleben jedoch geht diese Rechnung nicht immer auf. Insofern ist es durchaus überraschend, dass der Opel-Mutterkonzern General Motors beim schwächelnden französischen Autokonzern PSA mit den Marken Peugeot und Citroën mit zunächst fünf Prozent einsteigen will. Was könnte eine solche Kooperation bringen?

Kurzfristig so gut wie gar nichts, lauten die übereinstimmenden Kommentare von Automobilexperten. Falls jedoch die Zusammenarbeit so weit gehen sollte, dass die europäischen Marken Opel, Peugeot und Citroën künftig Autos auf gemeinsamen Plattformen bauen, dann könnten sich in einigen Jahren durchaus Einsparungen ergeben. "Bei PSA verschärft sich seit Jahren das Kostenproblem", sagt der Automobilwirtschaftler Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "Das liegt zum einen daran, dass Peugeot und Citroën vor allem kleinere Autos bauen, bei denen die Gewinnmargen immer geringer werden; und zum anderen daran, dass PSA in den wachsenden Absatzmärkten in Asien aber auch in den USA kaum präsent ist."

Um wenigstens in Europa, dem Hauptmarkt von Peugeot und Citroën sowie der GM-Tochter Opel, profitabel Autos bauen und verkaufen zu können, müssen diese in großen Stückzahlen produziert werden. In der kommenden Woche, beim Autosalon in Genf, wird Peugeot den neuen Kleinwagen 208 und Opel den Kompakt-Geländewagen Mokka vorstellen; zudem werden die Rüsselsheimer im Herbst ihr neues Kleinwagenmodell Junior präsentieren. Die Autos sind Schlüsselmodelle für beide Marken und dürfen auf keinen Fall floppen, soll sich die Situation nicht noch weiter verschärfen. Synergieeffekte jedoch gibt es nicht, denn bei den Typen beider Marken ist derzeit kein Schräubchen identisch.

Opel, Peugeot und Citroën künftig auf gemeinsamen Plattformen?

Bei der nächsten Generationen dieser Baureihen jedoch, die frühestens in sechs Jahren auf den Markt kommen dürften, müsste sich das drastisch ändern, wenn die neue Kooperation erfolgversprechend sein soll. Sinnvoll wäre dann also eine gemeinsame technische Basis für die Kleinwagentypen von Opel, Peugeot, Citroën und am besten auch noch die der GM-Marke Chevrolet. Das würde die Entwicklungskosten erheblich senken und die Produktion flexibler und billiger machen.

Selbst wenn das funktioniert, ein zentrales Problem des PSA-Konzerns wird die Kooperation nicht aus der Welt schaffen: nämlich die Asien-Abstinenz der Franzosen. Als Hersteller, der auf den wohl auch in den kommenden Jahren stagnierenden europäischen Markt angewiesen ist, sieht es für PSA eher düster aus. "Für mich erschließt sich daher die Motivation von PSA für die Kooperation mit GM nicht so ganz", urteilt Bratzel.

Skeptisch bewertet auch Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen Geislingen, die neue Liaison - allerdings aus anderen Gründen. "Die Erfahrungen in der Autobranche zeigen, dass Kooperationen weit weniger produktiv sind als erwartet, und das liegt oft an kulturellen Unterschieden der Partner." Er sei keineswegs überzeugt, dass selbstbewusste Franzosen und machtbewusste Amerikaner wirklich zielführend zusammenarbeiten. Doch nur bei einer sehr engen Kooperation, etwa der Zusammenlegung der Entwicklungsbereiche, seien spürbare Effekte zu erwarten.

Schon jetzt steckt der PSA-Konzern in zahlreichen Partnerschaften

Dazu kommt, dass es im PSA-Konzern ohnehin schon reichlich Abstimmungsbedarf mit Partnern gibt. Mit der BMW-Marke Mini besteht eine Motoren-Kooperation. Mit Toyota bauen Peugeot und Citroën die Kleinwagenmodelle Aygo, 107 und C1 auf einer gemeinsamen Plattform in einem Gemeinschaftswerk im tschechischen Kolin. Mit Mitsubishi kooperiert der PSA-Konzern bei Elektroautos (iMiEV, iOn, C-Zero) sowie bei Geländewagen, und mit Fiat besteht eine Zusammenarbeit bei zwei Transporter-Baureihen.

Wenn nun auch noch eine Allianz mit General Motors organisiert werden muss, wird die Unübersichtlichkeit der Verflechtungen noch größer. Andererseits gilt auch, dass kein anderer Konzern so viel Erfahrung mit Kooperationen hat wie PSA. Womöglich ergibt minus mal minus in diesem Fall auch im realen Leben mal plus.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Na hoffentlich
hopfenguru 28.02.2012
kann doch nur gut sein für unsere dt. Hersteller wie VW und Co., die Amis fahren das gegen die Wand, außer Waffen können die gar nix herstellen,
2.
stupp 28.02.2012
Aufpäppeln? Bislang ist alles pleitegegangen, wo GM seine Hände drin hatte. Allerdings: Was sind "Marken" heute überhaupt noch wert? Saab, Volvo, Citroen, Jaguar etc. sind doch als Teil von Großkonzernen nur noch ein Schatten ihrerselbst, deren Überleben - gleich einer Leichenfledderei - nur noch das Auspressen des letzten Profits durch den Markenmythos ermöglicht.
3.
n13l5 28.02.2012
Zitat von sysopPeugeotDer US-Autokonzern General Motors will beim französischen PSA-Konzern einsteigen. Durch die Auto-Ehe sollen die kriselnden Marken der Unternehmen - Peugeot und Citroën sowie Opel - aufgepäppelt werden. Experten sind skeptisch. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,818036,00.html
Dann kann GM mit einem Schlag gleich bei PSA, Toyota, Mitsubishi, BMW und Fiat abkupfern... Weil Autos die GM selbst entwickelt haben immer noch die anmutung von grobem Landwirtschafts geraet, und Schaltern die bei Betaetigung klingen als haette man sie gerade versehentlich abgebrochen.
4. dumme GM Führung
Mr Bounz 28.02.2012
Zitat von sysopPeugeotDer US-Autokonzern General Motors will beim französischen PSA-Konzern einsteigen. Durch die Auto-Ehe sollen die kriselnden Marken der Unternehmen - Peugeot und Citroën sowie Opel - aufgepäppelt werden. Experten sind skeptisch. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,818036,00.html
Wenn die Holköpfe in der GM Führungsetage es endlich kapieren wüden was für ein Juwel Sie mit Opel haben, wäre so eine Zusammenarbeit gar nicht nötig. Überall auf der Welt sind Autos Made in Germany beliebt und werden immer gerne gekauft. Sei es die Qualität, das tech Know How, das Design oder einfach Fahrverhalten, Design usw. es gibt einiges was für deutsche Autos spricht. Aber die Doofen Amis schicken lieber Ihre Asien Schleudern mit Chevy Emblem in die Welt. Einfach bescheuert. Aber vermutlich hoffen die auf weitere Unterstützung aus dem deutschen Steuersäckel!
5. Das selbe in grün
digitalesradiergummi 28.02.2012
Zitat von sysopPeugeotDer US-Autokonzern General Motors will beim französischen PSA-Konzern einsteigen. Durch die Auto-Ehe sollen die kriselnden Marken der Unternehmen - Peugeot und Citroën sowie Opel - aufgepäppelt werden. Experten sind skeptisch. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,818036,00.html
GM hat doch schon für Citroens Entwicklungen bezahlt, in Form des Kaufs des Plagiators Opel. Der Opel Laubfrosch war eine dreiste Kopie des Citroën 5CV, er war halt nur grün. Daher die Redensart.
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