Zündschloss-Debakel GM zahlt Hinterbliebenen Entschädigung in Millionenhöhe

Mindestens 13 Menschen sind durch defekte Zündschlösser des GM-Konzerns ums Leben gekommen. Nun zeigt der US-Autobauer Reue und will für jeden Toten zahlen. Ein Großteil der geschädigten Autobesitzer soll hingegen leer ausgehen.

GM-Zentrale in Detroit: Drohende Verluste durch Sammelklagen
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GM-Zentrale in Detroit: Drohende Verluste durch Sammelklagen


Im Skandal um den verschleppten Rückruf von Autos mit defekten Zündschlössern bietet der US-Autobauer General Motors Hinterbliebenen eine Entschädigung in Millionenhöhe an. Als Wiedergutmachung für jedes Todesopfer will der Konzern mindestens eine Million Dollar (730.000 Euro) zahlen, sagte der von GM beauftragte Staranwalt Kenneth Feinberg am Montag. Er erklärte zudem, dass der Entschädigungsfonds "keine Obergrenze" haben werde.

General Motors musste seit Jahresbeginn 2,6 Millionen Autos aus den Jahren 2003 bis 2011 zurückrufen, weil die Zündschlösser während der Fahrt in die Aus-Position springen können. Dies kann dazu führen, dass neben dem Motor auch Airbags, Servolenkung und Bremskraftverstärker ausfallen. GM rechnet mit mehr als 50 Unfälle mit insgesamt 13 Toten, die auf diesen Defekt zurückzuführen sind. Verbraucherschützer und die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA vermuten viel mehr Opfer - die Zahl der Entschädigungsansprüche könnte daher deutlich höher liegen.

Feinberg sagte, dass die Anträge auf Wiedergutmachung zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember dieses Jahres gestellt werden müssten. Bei jedem Todesfall, der auf fehlerhafte Zündschlösser zurückzuführen ist, kommen zu der Grundsumme von einer Million Dollar den Angaben zufolge noch 300.000 Dollar für einen hinterbliebenen Ehepartner sowie weitere 300.000 Dollar pro hinterbliebenen Unterhaltsberechtigten. Für die Entschädigung überlebender Unfallopfer legte Feinberg einen Katalog mit Kriterien vor, die sich unter anderem an der Schwere der Verletzungen orientieren.

Anwälte reichten landesweit Sammelklagen ein

Im Mai hatte GM wegen der verspäteten Rückrufe bereits die Zahlung einer Geldbuße von 35 Millionen Dollar an die NHTSA akzeptiert. Auch das Justizministerium und der Kongress untersuchen das Vorgehen des größten Autokonzerns der USA. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Lösung des Problems verschleppt zu haben. Offenbar hatten Ingenieure schon ab 2001 Kenntnis von den defekten Zündschlössern.

Landesweit reichten Anwälte Sammelklagen gegen General Motors ein. Während das Unternehmen Unfallopfer und deren Familien entschädigen will, wehrt es sich gegen die Forderungen eines Großteils der Autobesitzer, die Reparaturkosten oder einen Wertverlust geltend machen wollen. Dabei argumentiert GM, dass es für die Fehler aus der Zeit vor seiner Insolvenz im Jahr 2009 nicht haftbar gemacht werden könne. Die US-Justiz entschied, dass die Zivilklagen zentral vor dem Bundesgericht in New York verhandelt werden sollen, das bereits das Insolvenzverfahren von General Motors betreute.

Als Reaktion auf die Affäre veranlasste Konzernchefin Mary Barra eine Qualitätsüberprüfung bei GM-Modellen, die weitere Rückrufe zur Folge hatte. Der Konzern holte seit Jahresbeginn weltweit mehr als 20 Millionen Autos wegen verschiedener Mängel in die Werkstätten. Besonders betroffen ist der nordamerikanische Markt. Wegen der Rückrufaktionen hatte General Motors im ersten Quartal rund 1,3 Milliarden Dollar zurückgelegt, der Gewinn schrumpfte dadurch um 85 Prozent. Im laufenden Quartal beziffert GM die Kosten auf mindestens 700 Millionen Dollar.

mhu/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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mummiscii 30.06.2014
1. Blick und Krone berichten nicht...
Zitat von sysopGetty ImagesMindestens 13 Menschen sind durch defekte Zündschlösser des GM-Konzerns ums Leben gekommen. Nun zeigt der US-Autobauer Reue und will für jeden Toten zahlen. Ein Großteil der geschädigten Autobesitzer soll leer ausgehen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/gm-general-motors-zahlt-angehoerigen-von-unfallopfern-eine-entschaedigung-a-978400.html
..über diesen Vorgang :-) Mein Kommentar als Betroffene wird nicht veröffentlicht, sehr sonderbar...ist da VAG wieder mal am Werk und hat bezahlt, warum auch nicht, ADAC hat das Geld ja auch genommen? Dürft ihr nichts veröffentlichen, was nicht linientreu ist? Also..wieviel Tote gab es in Deutschland und wieso ( ohne Tote) ist diese Meldung nur in Deutschland wichtig? Hm?
dutchinnz 30.06.2014
2. Ach ach
Da zeigt sich mal wieder, daß Autofahrer heutzutage kaum mehr imstande sind, ihr Fahrzeug zu beherrschen ohne daß es jede Menge Hilfe gibt. Lenkhilfe ausgefallen? Feste am Lenkrad ziehen. Bremskraftverstärker nicht da? Ganz einfach hart auf das Pedal steigen. Aber dazu sind die heutigen Führerscheininhaber nicht imstande, denn für sie ist das wichtigste an ihrem Auto die Bluetoothverbindung und das GPS. Verblödung allerseits.
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