Zündschloss-Probleme bei GM Die Tragödien hinter dem Rückruf

Kleiner Fehler, tödliche Wirkung: Durch Zündschloss-Probleme bei GM-Modellen sollen mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen sein. US-Verbraucherschützer hingegen gehen von deutlich höheren Opferzahlen aus. Auch in Deutschland sind 1200 Opel-Modelle vom Rückruf betroffen.

Opel GT: Auch 1200 Modelle in Deutschland sind vom Rückruf betroffen
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Opel GT: Auch 1200 Modelle in Deutschland sind vom Rückruf betroffen


NEW YORK - Es sind Fotos wie von Natasha Weigel und ihrer Freundin Amy Rademaker, die die USA derzeit bewegen. Die beiden 18 und 15 Jahre jungen Frauen starben vor acht Jahren, als ihr Auto von einer Landstraße in Wisconsin abkam und gegen Bäume prallte. Der Grund blieb damals unklar.

Heute steht fest: Ihr Chevrolet Cobalt gehörte zu jenen Modellen von General Motors (GM), bei denen während der Fahrt die Zündung ausgehen kann. Weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker oder Airbags funktionieren dann.Im Februar 2014 hat GM einen Rückruf von 1,6 Millionen Autos gestartet. In Deutschland sind 1200 Modelle des Opel GT betroffen, die 2007 gebaut wurden. Der Opel GT ist nahezu baugleich mit dem Saturn Sky.

Der Opel-Mutterkonzern muss sich nun die Frage gefallen lassen, warum er so lange brauchte, um das Problem anzugehen. Die betroffenen Wagen stammen aus den Jahren 2003 bis 2007. Damals hatte GM ein Zündschloss verbaut, das zu schwach ausgelegt war. Die Folge: Wenn etwas Schweres am Schlüsselbund hängt oder die Straße zu schlecht ist, droht der Zündschlüssel in die "Aus"-Position zurückzudrehen - mit möglicherweise fatalen Folgen.

General Motors selbst bringt zwölf Unfalltote mit dem fehlerhaften Zündschloss in Verbindung. Die Verbraucherschutzorganisation Center for Auto Safety berichtete unter Berufung auf eine externe Auswertung offizieller Unfalldaten über 303 Tote bei Crashs, in denen die Airbags nicht ausgelöst hätten. Möglicherweise liege die Zahl auch noch höher, deutete die Organisation an. In die Untersuchung wurden demnach nur zwei von sieben zurückgerufenen Modellen sowie bestimmte Unfallhergänge einbezogen. Allerdings wurden die Daten bisher nicht hinreichend analysiert. GM spricht von "purer Spekulation".

Die US-Medien zeigen die Opfer hinter der Unfallstatistik

Längst ist der Fall zu einer Gefahr für das Image des Autokonzerns geworden. "Die menschliche Seite des GM-Rückrufes", betitelte die landesweite Zeitung "USA Today" einen Fotostrecke mit Opfern, die auch Natasha und Amy zeigte. Andere namhafte Medien wie die "New York Times" berichteten ebenfalls ausführlich über die Schicksale hinter den Unfallstatistiken. Oft geht es um Teenager und ihre trauernden Eltern. Bei den Autos handelte es sich um typische Anfängerfahrzeuge.

Die seit Jahresbeginn an der GM-Spitze stehende Mary Barra hat den Fall längst zur Chefsache gemacht. Ihr täten die Umstände unendlich leid, schrieb sie in einem Brief an die Belegschaft, den der Konzern veröffentlichte. "Wir werden dafür einstehen." Sie kündigte eine umfassende interne Aufklärung an und hat dafür jenen Staranwalt angeheuert, der schon den Untergang der Investmentbank Lehman Brothers untersuchte.

General Motors hat nach der Beinahepleite in der Wirtschaftskrise 2009 gerade erst wieder in die Spur zurückgefunden. Der Staat ist als Anteilseigner ausgestiegen, die Gewinne florieren und die neuen Modelle heimsen Qualitätspreise ein. Umso belastender sind die alten Fehler, die das Unternehmen nun einholen. Beinahe täglich kommen neue prekäre Details ans Licht. GM räumte unlängst ein, dass es schon 2001 während der Entwicklung Probleme mit dem Zündschloss gab. Das sei aber behoben worden, hieß es in einem damaligen Bericht. Auch in den Jahren darauf kam es immer wieder zu Beschwerden von Fahrern und zu Berichten über Unfälle.

Die Behebung des Defekts ist vergleichsweise günstig

Nun untersuchen die Justiz, der Kongress und die Verkehrssicherheitsbehörde in den USA, ob General Motors die Warnzeichen ignoriert hat. Dabei müssen sich die staatlichen Aufseher selbst die Frage gefallen lassen, warum sie nicht früher auf einen Rückruf drängten.

Die technische Lösung des Problems dürfte dabei nicht einmal besonders teuer sein, schätzt die Ratingagentur Fitch und kalkuliert mit weniger als 100 Millionen Dollar. Ein derartiges Zündschloss koste in der Produktion zwischen zwei und fünf Dollar, sagte eine Sprecherin des Zulieferers Delphi, der die Originalschlösser hergestellt hatte. Der Einbau in der Werkstatt sei eine Sache von wenigen Minuten.

Es wäre vermutlich eine gute Investition. Welche Auswirkungen verlorenes Vertrauen haben kann, hat die Rückrufwelle 2010 bei Toyota gezeigt. Damals ließen Berichte über rutschende Fußmatten und klemmende Gaspedale die Verkäufe in den USA einbrechen. Auch bei Toyota stieg die Zahl der Todesopfer damals kontinuierlich. Später stellte sich allerdings heraus, dass ein Großteil der Unfälle auf Fahrfehler zurückzuführen waren.

dpa/mhu

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
noalk 14.03.2014
1. zwischen zwei und fünf Dollar
Erschreckend! Für wahrscheinlich weniger als 1 Dollar mehr hätten vielleicht Dutzende Todesfälle verhindert werden können. Da fragt man sich doch: 1. Wer überwacht die Produktsicherheit? 2. Warum hängen Fahrer gewichtiges Zeug an so einen Schlüssel?
mummiscii 14.03.2014
2. 1200 Opelmodelle werden zurückgerufen?
Du meine Güte, so viele kenne ich gar nicht, oder soll das bedeuten, 1200 Wagen seien betroffen? Könnte anhand des Fotos und Baujahr hinkommen. Allerdings ist das kein Anfängerfahrzeug, wie im Text erwähnt. Was denn nu? Ich habe keine Post von GM und lebe ausserdem immer noch, ich vermute hier mal wieder die übliche VAG-Propaganda. Die gleiche Propaganda fand man ja auch beim ADAC. Was ist denn das wieder für ein sinnloses, wirres Geschreibsel? Wieso liest das niemand gegen? Obwohl, vielleicht macht man mir nu die Strasse frei, weil man Angst um mein ( und indirekt dann Angst um sich selbst hat ) Leben hat. Also Leute....weg, wenn euch euer, mein Leben lieb ist . Aus dem Weg....! :-)
snv 14.03.2014
3.
Ich verstehe noch nicht den Zusammenhang zwischen dem Zündschloss und dem Abkommen von der Fahrbahn. Deswegen gibt es ja eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Räder - damit auch bei Ausfall der Servolenkung das Auto steuerbar bleibt.
Nelson_50 14.03.2014
4. Kommt mir verdammt bekannt vor
Exakt das gleiche Problem hatte ich mit meinem Mercedes M-Klasse der 1. Generation. Der (Benziner) wurde übrigens in den USA montiert (Diesel in Österreich), Anscheinend nimmt mans dort nicht so genau mit Peanuts wie einem Zündschloss. Ich habe allerdings Todesängste ausgestanden, der M war eine verdammt schwere Kiste, ohne die diversen Verstärker absolut nicht zu beherrschen. Der Mercedes-Händler wollte mir, als ich 3 oder 4 Tage nach Erwerb des Neuwagens, bei ihm (vorsichtig) auf den Hof rollte, zunächst einreden, ich wäre wohl mit dem Knie ... usw. Klar, am Auto konnte es ja nicht liegen. Da der Fehler aber zweimal im Beisein von Mitfahrern (also Zeugen) aufgetreten war, wurde das Fahrzeug getauscht ... und die defekte Kiste (wie ich später von einem Mitarbeiter des Autohauses erfuhr) unrepariert weiterverkauft. Ich hoffe, es ging gut aus ...
hasenfuss27 14.03.2014
5.
Zitat von snvIch verstehe noch nicht den Zusammenhang zwischen dem Zündschloss und dem Abkommen von der Fahrbahn. Deswegen gibt es ja eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Räder - damit auch bei Ausfall der Servolenkung das Auto steuerbar bleibt.
Tja... wahrscheinlich ist es unzumutbar, auch mal mit Schmackes auf die Bremse zu treten, damit sie auch ohne Bremskraftverstärker ordentlich greift... Keine Ahnung... Natürlich ist das alles andere als Witzig, wenn Servo oder Bremskraftverstärker ohne Vorwarnung ausfallen und GM wird sich die Frage gefallen lassen müssen, warum das so lange gedauert hat... Ich gehe aber auch mal so weit zu behaupten, dass das für einen normalen Fahrer eine absolut beherrschbare Situation darstellt... Die Servo brauchts beim sich bewegenden Fahrzeug sowieso kaum und wenn die Bremse nicht das tut, was ich erwarte, trete ich doch reflexartig einfach noch fester drauf... Die Dinger werden eben so ausgelegt, dass sie auch ohne die Helferlein kontrolliert zum Stehen gebracht werden können... Typisch amerikanisch wird man das ganze aber wohl aufbauschen bis zum "gehtnichtmehr" um Fantastilliarden an Schmerzensgeld und Schadensersatz rausholen zu können...
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