Google-Schwester Waymo Kalifornien lässt Autos ohne Fahrer auf die Straße

Der Platz hinterm Lenkrad bleibt leer: Googles Schwesterfirma Waymo darf als erstes Unternehmen Autos ohne Fahrer auf Kaliforniens Straßen schicken. Erlaubt sind sogar hohe Geschwindigkeiten.

Selbstfahrendes Auto der Google-Schwesterfirma Waymo
picture alliance / Andrej Sokolo

Selbstfahrendes Auto der Google-Schwesterfirma Waymo


In Kalifornien dürfen erstmals Autos ohne Fahrer auf öffentlichen Straßen unterwegs sein. Die Google-Schwesterfirma Waymo darf ihre Wagen zunächst rund um die Unternehmenszentrale in Mountain View und Palo Alto fahren lassen, wie die Waymo ankündigte.

In diesem Teil des Silicon Valley sind selbstfahrende Autos von Waymo bereits seit einigen Jahren unterwegs - aber bisher stets mit einem Sicherheitsfahrer, der in Notfällen lenkt oder bremst. Insgesamt hätten die Wagen gut 16 Millionen Kilometer auf öffentlichen Straßen zurückgelegt, hieß es.

In Arizona ist Waymo schon weiter

Im benachbarten Arizona mit seinen lockeren Straßenverkehrsgesetzen darf Waymo bereits Autos ohne Fahrer auf die Straßen schicken. In dem Bundesstaat baut die Firma gerade einen Robotertaxiservice für Einwohner eines Vororts der Stadt Phoenix auf, den die Bewohner ab Ende des Jahres nutzen können.

Fotostrecke

9  Bilder
Selbstfahrende Autos: Ohne Hände!

Kalifornien hat deutlich strengere Regeln für Roboterwagen. Diese müssen lange getestet, technisch besonders anspruchsvoll ausgestattet und vor Hackerangriffen geschützt sein. In dem Bundesstaat haben insgesamt rund 60 Firmen - darunter auch deutsche Autobauer und Zulieferer - die Erlaubnis für Roboterwagentests mit Sicherheitsfahrern.

Tempo bis 105 km/h erlaubt

Waymo darf Autos ohne Menschen am Steuer in der Stadt, auf Landstraßen und Autobahnen einsetzen. Sie dürfen mit bis zu 105 km/h und auch bei Nebel und leichtem Regen fahren. Den Auflagen zufolge muss ein Waymo-Roboterwagen stehenbleiben, wenn er nicht wisse, wie er in einer Verkehrssituation vorgehen soll. Der Einsatzbereich im Silicon Valley soll mit der Zeit ausgeweitet werden.

Waymo entstand aus dem Roboterwagenprojekt von Google, bei dem bereits seit 2009 selbstfahrende Autos auf die Straße geschickt wurden.

Entwickler von Roboterwagen versprechen, dass sie den Straßenverkehr viel sicherer machen werden. Schließlich gingen laut der US-Straßenverkehrsbehörde NHTSA mehr als 90 Prozent der Unfälle auf Fehler von Menschen zurück. Wann selbstfahrende Autos jedoch in großem Stil auf die Straße kommen, ist offen.

In diesem Jahr gab es den ersten tödlichen Unfall mit einem Roboterauto: Ein Wagen von Uber mit Sicherheitsfahrer erfasste bei einer Testfahrt in Arizona in der Dunkelheit eine Fußgängerin, die die mehrspurige Straße überquerte und dabei ein Fahrrad schob. Ein ausführlicher Untersuchungsbericht zu diesem Unfall steht noch aus.

nis/dpa/ap

insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
EhemalsWestBerlinerFossil 31.10.2018
1. Interessant...
..., weil das damit noch schneller in die Felderprobung geht, als ich gedacht habe. Die nächsten 5 Jahre werden interessant, weil während derer die jetzt auftretenden Probleme angegangen werden können. Ich glaube nicht, dass es noch 10 Jahre dauern wird, bis sich die autonomen Vehikel zunehmend verbreiten werden. In Europa wird es dann wohl mit den üblichen paar Jahren Verspätung ankommen, ausser der Weltmarkt überrumpelt die hiesige Industrie und die müssen auf Teufel komm raus für die USA und China autonome KFZ bauen, weil sie sonst weg vom Fenster wären. Das würde sich dann natürlich auch direkt auf den relativ kleinen Heimmarkt (derzeit bleiben meines Wissen nur ~30% der in Deutschland gefertigten Wagen im Inland) auswirken. Da für den relativ kleinen Anteil der Inlandsproduktion nicht eine gesonderte Produktlinie kostengünstig gefahren werden kann , wird die Politik entweder reagieren müssen und Zulassungen erteilen, oder aber die klassisch durch Fahrer gelenkten Fahrzeuge werden unverhältnismässig teurer werden. Wird also ab 2030 so richtig spannend.
Grünspahn 31.10.2018
2.
Es ist ja nicht so, dass die deutschen Autohesteller die Entwicklung verschlafen. Alle in Deutschland vertretenen Autohersteller arbeiten an automatischen Systemen und sind auch schon ziemlich weit in der Entwicklung. Es gibt auch in Dtl. entsprechende Teststrecken, die allerdings nur mit einem Sicherheitsfahrer (m/w/d) befahren werden dürfen. Ebenso wird, wie im Text beschrieben, in den USA entsprechend getestet. Noch sind viele Fragen offen, die wahrscheinlich je nach Kultur entsprechend beantwortet werden. Hier wird es noch einmal spannend. Ich bin gespannt, wann solche Systeme soweit ausgereift sind, dass sie auch n Dtl. verfügbar sind.
c.PAF 31.10.2018
3.
Oh, das ging schnell. Ok, mit Google steht auch ein enorm finanzkräftiges Unternehmen mit großen Rechnerkapazitäten etc. dahinter, aber trotzdem. Bin gespannt, wie es weitergeht und wie sich das Fahrzeug im Alltag schlägt. Jedenfalls der richtige Schritt, den Straßenverkehr eine ganze Ecke sicherer zu machen.
Referendumm 31.10.2018
4. @SPON-Redaktion
Vielleicht kann ich Euch ein wenig weiterhelfen: "Software-Fehler für tödlichen Uber-Unfall verantwortlich Der tödliche Unfall mit einem Roboterwagen von Uber geht laut einem Medienbericht nach bisherigen Untersuchungen auf einen Software-Fehler zurück. Der Computer habe die Sensor-Daten, die ein Hindernis auf der Straße anzeigten, ignoriert, weil er sie als einen Fehlalarm einstufte, berichtete die Technologie-Website „The Information“ unter Berufung auf informierte Personen. Dem Bericht von „The Information“ zufolge wurde die Software der Uber-Roboterwagen darauf getrimmt, Sensor-Daten in einigen Fällen zu ignorieren, zum Beispiel wenn es sich auf dem Weg um ungefährliche Gegenstände wie zum Beispiel eine herumfliegende Plastiktüte handelt. Das sollte unnötig scharfes Bremsen verhindern, wenn es in solchen Fällen die Sicherheit gefährden würde. In dem konkreten Fall seien die Einstellungen aber zu weit gegangen und die Software habe nicht schnell genug reagiert, hieß es." @ EhemalsWestBerlinerFossil Heute, 12:47 2030? Das geht deutlich schneller! Überhaupt bin ich nach wie vor sehr verwundert, dass viele Leute die Entwicklungsgeschwindigkeit von früher einfach linear in die Zukunft hochrechnen. Da werden sich vor allem viele Deutsche noch schwer wundern. Es gab vor einiger Zeit hier auf SPON mal Zukunftsbilder, die irgend so eine Schokofabrik um 1900 hergestellt hatte - Vorschau war das Jahr 2000. Da wurden bereits Bildtelefone angekündigt - die es (aus welchen Gründen auch immer) selbst heute noch nicht gibt (in der Massenanwendung). Lustig waren natürlich die Luxuskutschen, welche sich in 2000 auch in die Lüfte erheben sollten. Das Auto war damals kein Thema. ;) Zu Alphabet-Tochter Waymo (Google ist NICHT die Mutter): Die sind aktuell auf Platz 1 - Tesla aufm letzten Platz: "Eine neue Studie von Navigant Research deutet an, dass Tesla in Sachen Autonomes Fahren hinter der Konkurrenz zurückgefallen ist. Die Analysten bei Navigant Research haben dazu 19 Firmen analysiert, die an autonomer Fahrzeugtechnik arbeiten. Überraschendes Ergebnis: Tesla landete dabei auf den letzten Platz, so der Branchendienst U.S. News mit Verweis auf die Navigant-Studie. Navigant bewertete dabei die 19 großen Firmen im Bereich Autonomer Fahrzeugtechnik nach zehn Kriterien (Vision, Marktstrategie, Partnerschaften, Produktstrategie, Technologie, Produktqualität und Standhaftigkeit). Laut Navigant führen die beiden US-Anbieter General Motors (GM) und die Alphabet-Tochter Waymo diesen Markt derzeit an." Oder: Roboterautos - Google schafft 9000 Kilometer autonom, Daimler nur drei http://www.spiegel.de/auto/aktuell/google-auto-faehrt-9000-kilometer-autonom-a-1190854.html "die GM-Tochter Cruise legte nur rund ein Drittel der Entfernung von Waymo zurück. Sie will ab 2019 einen Taxiservice mit Roboterautos anbieten und testet deswegen vor allem im komplexen Stadtverkehr von San Francisco. BMW, Volkswagen, Ford und Tesla testeten in den zwölf Monaten bis November 2017 keine selbstfahrenden Autos in Kalifornien."
Jinxxx 31.10.2018
5. Die Welt ist weiter.... wir sind noch bei Neuland?
Waymo und GM Cruise sind schon weiter, von unseren deutschen Herstellern fehlt jede Spur. Aus dem Report der Kalif.Behören wissen wir, dass das die Technik von Waymo 2017 (wir haben jetzt 2018) über 9000 Km ohne den Eingriff eines menschlichen Fahrers fährt. Das ist mehr als ich im Jahr, und ich hatte schon 3 Fälle wo ich selbst nachdenken musste. Im Endeffekt laufen alle unseren Hersteller in die Nokia / Kodak Falle. Elektro+Autonomie ist das neue Non-Plus-Ultra. Bei einem KM Preis von 4-8 Cent lohnt sich auch kein eigenes Auto mehr, was vor dem Fenster steht und rostet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.