GPS-Panne Navi führt Pilger ins Nirgendwo

Es ist eine geradezu diabolische Falle: Millionen Menschen besuchen alljährlich den Wallfahrtsort Lourdes, um zur Jungfrau Maria zu beten. Doch nicht alle kommen an - Dutzende Pilger werden von ihren GPS-Geräten in ein kleines Dorf ähnlichen Namens gelockt.

Französisches Dorf Lourde: Hier landen dank falscher GPS-Programmierung viele Pilger
AFP

Französisches Dorf Lourde: Hier landen dank falscher GPS-Programmierung viele Pilger


Paris - Wer sich auf eine Pilgerreise nach Lourdes begibt, sollte genau darauf achten, dass er den Namen des Ortes richtig in sein GPS-Leitsystem eintippt. "Alle zwei Tage steht hier ein Auto mit Leuten, die sich verirrt haben", erzählt der Bürgermeister des kleinen Dörfchens Lourde, das ohne "s" am Ende des Ortsnamens geschrieben wird und nur rund 90 Kilometer von dem weltberühmten Lourdes im Südwesten Frankreichs entfernt liegt.

Immerhin kann das 93 Einwohner zählende Lourde auch eine eigene Jungfrau aufweisen, die noch dazu wie im berühmten Wallfahrtsort auf einem Felsen steht, an dem eine Quelle entspringt. Die Wunder der Jungfrau in dem kleinen Dörfchen, der eine Heilung nachgesagt wird, wurden von der katholischen Kirche allerdings nie anerkannt.

Auf nach Nirgendwo: Die schönsten Navi-Pannen
Invasion der Panzer-Battaillone
Das idyllische Dorf Donnington in der englischen Grafschaft Shropshire wird immer wieder von Panzern heimgesucht - die sich allerdings auf Transportlastern befinden. Eigentlich sollen die Ungetüme zum über 20 Kilometer entfernten Militärstützpunkt Donnington Barracks. Stattdessen rollen sie durch das pittoreske Städtchen - und das, wie ein Anwohner in der "Times" klagte, bis zu siebenmal die Woche.
Per GPS zum Einbruch
Wem das Auto geklaut wird, der sollte sich überlegen, ob er im Navigationssystem seine Privatadresse abgespeichert hat - und gegebenenfalls schnell die Polizei rufen. Nach Angaben des britischen "Daily Telegraph" checken Autodiebe neuerdings routinemäßig das GPS-Adressbuch. Dann lassen sie sich von ihrem neuen Wagen mitunter zu der hinterlegten Adresse navigieren, brechen ein und laden sich dann den Kofferraum voll.
Der GPS-Lemming
Robert Jones folgte an einem sonnigen Sonntagmorgen den Anweisungen seines Navis. Er dachte sich nichts dabei, als ihn das Gerät nahe des Dörfchens Gauxholme (Yorkshire) einen schmalen steilen Pfad hinaufschickte. Seinen Fehler bemerkte Jones laut "Daily Telegraph" erst, als die Schnauze seines BMW und die Vorderräder bereits über ein steil abfallendes Kliff ragten. "Ich habe dem Navi vertraut", sagte der Fahrer später, "es glaubt doch niemand, dass es einen über einen Abgrund führt".
Wenn bei Carpi die Sonne im Smog versinkt
Eigentlich wollte das schwedische Ehepaar auf die malerische Urlaubsinsel Capri. Wegen eines Navi-Eingabefehlers landete es laut "BBC" jedoch nicht am Golf von Neapel, sondern in der von Touristen eher selten frequentierten norditalienischen Industriestadt Carpi. Der Umstand, dass Capri eine Insel ist und sie eigentlich hätten übersetzen müssen, war den Schweden nicht aufgefallen.
Drogenschmuggeln? Lieber ohne Navi
Eigentlich hatte der Haschisch-Aficionado aus Michigan nichts zu befürchten - schließlich war er nach einem Besuch bei seinem Dealer bereits auf dem Weg nach Hause. Doch sein Navi machte laut "Fox News" ihm einen Strich durch die Rechnung. Der heimtückische Computer instruierte den Stoner, den St. Clair River zu überqueren. Auf der anderen Seite des Flusses beginnt kanadisches Staatsgebiet. Der Fahrer drehte um, fuhr zurück - und wurde bei der Einreise in die USA von amerikanischen Zöllnern gefilzt.
Die falsche Hütte platt gemacht
Ein Abrissunternehmen im US-Staat Georgia war damit beauftragt worden, ein Haus abzureißen. Den Weg zu ihrem Einsatzort wies den Bauarbeitern ein Navigationsgerät. Leider war es laut "Fox News" das falsche Gebäude. Als der rechtmäßige Besitzer abends nach Hause kam, war er obdachlos.
Englands größter Elefantenfriedhof
Das nordenglische Städtchen Spalding gilt als eine der heimtückischsten Navi-Fallen der Welt. Dort existiert eine dauerhafte Brückensperrung, die jedoch offenbar in keiner Datenbank verzeichnet ist. Lkw-Fahrer fahren regelmäßig bis vor die Barriere und können dann nicht mehr wenden. Viele rammen zudem die Brücke. Die Polizei hat bereits mehr als 60 Fälle gezählt und Warntafeln aufgestellt, freilich ohne durchschlagenden Erfolg.
Insel ist nicht gleich Insel
Eine Deutsche wollte mit ihren beiden Kindern nach Dänemark, hatte aber statt des Fährhafens Puttgarden auf Fehmarn in ihr Navi versehentlich Putgarten auf Rügen einprogrammiert. Sie folgte den Anweisungen bis zu dem 350 Kilometer von Fehmarn entfernten Ziel. Da von dem kleinen Ort auf Rügen keine Fähre nach Dänemark fährt, nahm sich die Frau für eine Nacht ein Zimmer.
Jahr für Jahr pilgern Millionen Gläubige in das französische Lourdes - einer der größten katholischen Wallfahrtsorte weltweit, weil dort die Jungfrau Maria einer Gläubigen erschienen sein und die Quelle über Heilkräfte verfügen soll. Verwechslungen mit dem kleinen Lourde gab es schon immer. Durch die GPS-Navigationssysteme sind diese nach Angaben der Dorfbewohner aber sprunghaft angestiegen.

hil/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
wasissn, 12.08.2010
1. ?
Vielleicht haben unsere Politiker dieselben Navi?
evolut 12.08.2010
2. Jungfrau
Zitat von sysopEs ist eine geradezu diabolische Falle: Millionen Menschen besuchen alljährlich den Wallfahrtsort Lourdes, um zur Jungfrau Maria zu beten. Doch nicht alle kommen an - Dutzende Pilger werden von ihren GPS-Geräten in ein kleines Dorf ähnlichen Namens gelockt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,711557,00.html
Ein wahrhaft jungfräuliches System. Die Leute aus Lourde könnten doch eine Gegenveranstaltung aufziehen, somit davon profitieren.
juergw. 12.08.2010
3. Tja .....
Zitat von sysopEs ist eine geradezu diabolische Falle: Millionen Menschen besuchen alljährlich den Wallfahrtsort Lourdes, um zur Jungfrau Maria zu beten. Doch nicht alle kommen an - Dutzende Pilger werden von ihren GPS-Geräten in ein kleines Dorf ähnlichen Namens gelockt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,711557,00.html
gesunder Menschverstand kann so ein Gerät auch nicht ersetzen.Vielleicht hilft hier die altmodische Landkarte weiter !
saul7 12.08.2010
4. ++
Zitat von juergw.gesunder Menschverstand kann so ein Gerät auch nicht ersetzen.Vielleicht hilft hier die altmodische Landkarte weiter !
Ich besitze bis heute kein Navi und komme immer wieder ohne Probleme am Zielort an, übrigens auch in Lourdes...;-))
michioss 12.08.2010
5. Navi nicht Schuld
Diesmal ist das Navi nun wirklich kein bißchen Schuld. Wer LOURDE eingibt und dann auf LOURDE klickt, anstatt noch ein S einzugeben oder auf LOURDES zu klicken (welches ja garantiert auch in der Auswahlliste ist) ist nun wirklich selber Schuld und es ist ein ziemlich offensichtlicher Fehler. Noch schlimmer wäre ja z.B. Schillerweg auszuwählen, obwohl man zur Schillerstraße will. Augen auf ist auch beim Navi bedienen angesagt.
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