Fahrzeugmesse Grand Basel Eine Art Auto

Die Art Basel ist weltberühmt und lockt internationalen Jetset an. Jetzt sollen den Kunstliebhabern Autosammler folgen. Ist das Prinzip Fahrzeugmesse nicht überholt? In Basel liegen die Dinge ein bisschen anders.

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Sogar Brad Pitt kommt vorbei: Wenn in Basel die Kunstmesse Art stattfindet, strömen Stars und Geldadel aus aller Welt in die Stadt am Rhein. Man trifft sich und shoppt nebenbei noch einen Neo Rauch. Was mit Bildern, Skulpturen und Installationen klappt, soll bald auch mit Autos funktionieren: Am Donnerstag stellten die Messeveranstalter ihre Pläne für die Grand Basel vor. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Was darf man von der Grand Basel erwarten?

"Einen zeitgenössischen Rahmen für automobile Kultur", sagt Stephan Peyer, Mitglied der Geschäftsleitung der Basler Messeagentur MCH Group.

Geht's ein bisschen präziser?

Natürlich. Auf der Grand Basel sollen exklusive Autos präsentiert und gehandelt werden. Heißt also: den neuen Skoda Fabia oder Toyota Avensis wird man hier vergeblich suchen. Der Fokus liegt auf seltenen Oldtimern, exklusiven Neuwagen und Konzeptfahrzeugen. Die Exponate werden hauptsächlich von Händlern stammen, Hersteller sind aber ebenfalls dazu eingeladen, Neuheiten zu präsentieren - "sofern sie in unser Portfolio" passen, sagt Mark Backé, Managing Director der Grand Basel.

Welche Fahrzeuge auf der Grand Basel gezeigt werden, soll ein Kuratorium um den Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli entscheiden. Wie dabei ausgesiebt wird, versuchte Tumminelli mit seinem generellen Anspruch an Autokultur zu verdeutlichen: "Besser als Weiterentwicklung ist radikale Erneuerung." Die Neuwagen und Studien sollten demnach zukunftsweisend sein - und die Oldtimer früher mal diesen Anspruch erfüllt haben. Zwischen 100 und 250 Fahrzeuge will man präsentieren.

So sollen die Autos in Basel präsentiert werden
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So sollen die Autos in Basel präsentiert werden

Noch eine Automesse? Gibt's da nicht schon genug?

Es gab in der Tat schon mal bessere Zeiten, um eine neue Automesse zu veranstalten. Wenn in ein paar Tagen die IAA in Frankfurt startet, werden unter anderem Volvo, Peugeot, Fiat Chrysler, Nissan, Tesla, Rolls-Royce und Aston Martin nicht dabei sein. Dass Hersteller dieses Branchentreffen schwänzen, wäre früher undenkbar gewesen - doch mittlerweile haben selbst die großen Veranstaltungen ihre Bedeutung eingebüßt, kleinere Events wie in Leipzig sind sogar ganz aus dem Kalender verschwunden.

Exklusive Messen für Sammler, wie sie die Grand Basel mal werden soll, haben dagegen mit einem anderen Problem zu kämpfen: "Hier gab es in letzter Zeit eine wahre Inflation an Messen", sagt Marius Brune, der sich mit seinem Dienstleistungsunternehmen Classic Data auf die Marktbeobachtung von Oldtimern spezialisiert hat.

Der Experte kommt mit dem Aufzählen der konkurrierenden Events kaum nach: "Neu hinzugekommen sind vor Kurzem Veranstaltungen in Hamburg und Köln, letztes Jahr in Nürnberg und Luzern". Sowieso als gesetzt gelten bei zahlungskräftigen Autosammlern die Rétromobile in Paris, das Goodwood Festival of Speed bei London, die Villa d'Este am Comer See, hinzu kommen außerdem kleine, aber feine Treffen der Szene in Amsterdam, Gstaad und Chantilly. Und das sind allein die Messen in Europa - in den USA gibt es zum Beispiel noch den Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach. "Es wird nicht einfach, die Leute da noch nach Basel zu locken", sagt Brune.

Wie könnte das trotzdem gelingen?

Für den Erfolg einer exklusiven Sammlermesse braucht es laut Brune folgende Zutaten: "Zunächst einmal sollte der Standort Flair haben, um die Veranstaltung herum muss es sich fein leben lassen können. Am wichtigsten sind aber außergewöhnliche Angebote: Mit ein paar Jaguar XK, Mercedes SL Flügeltürern oder Porsche RS ist es da nicht getan. Es braucht Konzeptfahrzeuge und Prototypen im Programm, am besten auch bekannte Autos mit spezialangefertigten Karosserien wie einen Aston Martin Zagato".

Kann die Grand Basel das bieten?

Welche Modelle im nächsten Jahr zu sehen sein werden, steht jetzt noch nicht fest. Zumindest auf der Vorpremiere wurden aber vier Fahrzeuge gezeigt, die die oben genannten Kriterien erfüllen. Sogar ein Zagato war dabei:

  • Andrea Zagato, Spross der berühmten italienischen Karosseriebauer-Dynastie, enthüllte eine Sportwagenstudie Zagato Iso Rivolta Vision. Na ja, er enthüllte zumindest die Front der Studie, der Rest blieb noch verdeckt und zwei Aufpasser stellten sicher, dass niemand an dem Abdecktuch zupfte. In seiner ganzen Pracht wird der Wagen erst im Oktober zu sehen sein, und dann vor allem virtuell: Als neues Fahrzeug im Playstation-Videospiel "Gran Turismo".
  • Autodesigner Giorgetto Giugiaro hatte eines seiner Konzeptfahrzeuge aus den Sechzigerjahren dabei, den Chevrolet Corvair Testudo. Die Studie blieb ein Unikat, sollte aber die Form von Serienautos wie dem Lamborghini Miura und Porsche 928 beeinflussen.
  • Der Modedesigner Rem D. Koolhaas (nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Onkel, dem Architekten) zeigte sein Lo Res Car, für das er 2016 den renommierten Wallpaper Award einheimste. Koolhaas nahm den Lamborghini Countach als Vorlage und reduzierte dessen Form auf acht Flächen - einen Sportwagen kann man darin jetzt zwar nur noch schwer erkennen, aber die Studie würde auch ein schickes Raumschiff abgeben.
  • Als Vorkriegsmodell war ein Avions Voisin C25 von 1935 vertreten. Die riesige Limousine im Art-déco-Stil wurde nur sieben Mal gebaut, umso sympathischer also, dass sich der jetzige Besitzer nach eigene Angaben trotz des Seltenheitswertes nicht davon abhalten lässt, damit durch Europa zu reisen.
Andrea Zagato mit dem Iso Rivolta Vision Gran Turismo Concept
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Andrea Zagato mit dem Iso Rivolta Vision Gran Turismo Concept

Sollten zur Messepremiere ähnliche Hochkaräter auffahren, wäre das Versprechen von Paolo Tumminelli eingelöst, denn auf der Grand Basel soll ihm zufolge der "Wandel des Automobils" dokumentiert werden.

Die Veranstalter könnten dabei von einem Trend unter den Herstellern profitieren: Viele Traditionsmarken haben in den vergangenen Jahren ihre Klassikabteilungen verstärkt. Land Rover betreibt beispielsweise Erbschaftspflege, indem gebrauchte Range Rover aufwendig restauriert werden und wie Neuwagen aussehen. Für solche Fahrzeuge ist eine Messe, wie sie in Basel entstehen soll, ein optimales Schaufenster.

Und wie steht es um das Flair des Standorts?

Darüber müssen sich die Grand-Planer wohl am wenigsten Sorgen machen: Dank der Art Basel sowie der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld hat die Stadt bereits einen hohen Glamourfaktor. Einer der wertvollsten Vorteile dürfte demnach das Adressbuch der Veranstalter sein - über die bestehenden Kontakte dürfte der Zugang zu vielen Sammlern und Händlern gelingen.

Was ist mit dem einfachen Autofan, der sich keinen Zagato leisten kann?

Besuchern wird die Messe offen stehen. Tumminelli sprach bei der Vorstellung des Konzepts allerdings von einem "limitierten Zugang": Die Karten könnten also knapp oder teuer oder beides werden.

Wann geht es los?

Die erste Grand Basel soll vom 3. bis 9. September 2018 stattfinden. Zwei Ableger sind außerdem - ähnlich wie bei der Art Basel - in Miami und Hongkong geplant.

Sind die Veranstalter auf die kleinen Tücken einer Automesse vorbereitet?

Der brenzligste Moment auf der Pressekonferenz wurde jedenfalls souverän gemeistert. Als der Besitzer des 1935er Avions Voisin den Motor seines Wagens startete und es aus dem Auspuff qualmte, versicherte sich einer der Veranstalter bei einem Techniker, der rasch Entwarnung gab: "Ja, den Feuermelder haben wir ausgeschaltet."

insgesamt 4 Beiträge
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heindeburk 01.09.2017
1. Designerischer Fortschritt
Wie sagte bereits mein Großvater: "Sie fliegen auf den Mond, lassen aber viele ihrer Mitmenschen verhungern." Der technische und designerische Fortschritt ist enorm, der moralische oft unsichtbar.
upalatus 01.09.2017
2.
Man kann das Ganze auch einen auf den neuesten Stand der Präsentationspsychologie durchgestylten konventionellen showroom nennen, in dem recht unique Ware recht teuer vertickt wird. Die preisrechtfertigende Exclusivität wird mit sehr großen Namen (allerdings derer Söhne und aus/rausverkauften ehem. italienischen SeniorDesignschmiedemeistern) des automotive designs und Aussagen wie 'limitierter Publikumszugang' im Vorfeld begonnen zu etablieren. Und wenn dann noch ein Kuratorium übers Werdarfseinproduktdareinstellen entscheidet, ist der Olymp erreicht. Tumminellis Anspruch der 'radikalen Erneuerung' ist dem Formentwerfernimbus geschuldete Warmluft, über die, fast jeden Tag genossen, nur noch lächeln kann. Mit dem Anspruch startet jeder Pforzheimer Designstudent glühend ins Studium und endet spätestens beim Hersteller als realitätsnahes Steckerleis.
editor artist-info 02.09.2017
3. Endlich! - Das war dem MoMA in New York schon 1951 klar
als es von August bis November die Ausstellung '8 AUTOMOBILES' zeigte, dass es auch um Kunst geht: 'Well-designed American and European automobiles'. Das waren ein 1931 Mercedes SS, ein Army Jeep der Willys-Overland Motor Company, ein British MG und der 1939 Bentley mit seiner berühmten 'razor edge' Kontur, ein 1949 Cisitalia 202 GT von Pinin Farina, ein Talbot, ein 1937 Cord und der 1941 Lincoln Continental. Zusätzlich wurden 8 großformatige Fotos gezeigt von dem 1951 Muntz Jet, Raymond Loewys erstes Nachkriegs Design für den Studebaker Champion, der Vorkriegs Lincoln Zephyr, der 1951 Ford, Pinin Farinas Maserati und der 1950 Bentley, ein Volkswagen Käfer und ein Porsche 356. Es war die erste von insgesamt 9 MoMA Automobil Ausstellungen.
hegri 03.09.2017
4. Es wird offenbar Historie präsentiert
Daran ist nichts auszusetzen. Warum nicht die großen Namen in Erinnerung rufen? Vielleicht wirkt es auf die Schönen und Reichen ein wenig heimelig, diese Gefühl des entre nous. Karten limitiert oder teuer oder sogar beides. Ich bin auch stets fasziniert von alten Autos. Die Sportwagen der 60er haben es mir schon immer besonders angetan. Heute haben wir aber ganz andere Themen und sollten Oldtimer in ihrer Zeit belassen um uns mit aller Kraft um die zukünftige Mobilität zu kümmern. Die Messe in Basel scheint mit in diesem Kontext ohne jede Bedeutung.
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