Berlin - Sie werden Pedelecs genannt: Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung. Und sie werden immer beliebter. Allein zwischen 2002 und 2008 haben sich die Verkaufszahlen nach Angaben Verbands der Zweirad-Industrie verzehnfacht. Doch wie es aussieht, sind viele Pedelec-Käufer eher Testfahrer, die mit unausgereiften Produkten herumfahren.
Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein Test, den ADAC und Stiftung Warentest durchgeführt haben. Von den zwölf getesteten Pedelecs erreichten drei knapp ein "gut", vier schnitten noch mit befriedigend ab. Die übrigen fünf zeigten jedoch speziell bei den Bremsen erhebliche Schwächen, die in zwei Fällen ein "mangelhaft" nach sich zogen. In Falle des Pegasus E-Tour kam darüber hinaus noch ein Rahmenbruch hinzu, der im Ernstfall für den Betroffenen erhebliche folgen hätte nach sich ziehen können.
Als gute Pedelecs wurden die Komforträder Vitality Elite von Kreidler und das Leeds HS von Raleigh sowie das Trekkingrad Diamant Zouma Sport eingestuft. Sie überzeugten unter anderem durch effektive, vollhydraulische Bremsen. In den Kategorien Fahren, Antriebssystem und Motor, Sicherheit und Haltbarkeit leisteten sich diese Räder keine wirklichen Schwächen. Schadstoffe in den Griffen wurden hier nicht gefunden.
Akkus mit extremen Leistungsunterschieden
Anders die Räder mit schlechteren Bewertungen. Durch die höheren Geschwindigkeiten und das höhere Gewicht der Räder müssen Pedelecs belastbarer sein als herkömmliche Fahrräder. Mit "mangelhaft" durchgefallen sind das E-Bike von Ruhrwerk mit schwachen Bremsen sowie eben das E-Tour von Pegasus, dessen Rahmen bereits nach 10.000 Kilometern im Test gebrochen ist. Ärgerlich, so fanden die Tester, denn im letzten Verbrauchertest zeigte der Pegasus-Rahmen schon einmal dieselbe Schwäche. Als gefährlich wurde auch das Nachlaufen des Motors bei einigen Pedelecs eingestuft. Obwohl schon nicht mehr getreten wurde, lief der Motor bei Pegasus, Prophete und Ruhrwerk noch weiter.
Überprüft wurde auch, wie weit ein Akku reicht und wie schnell er geladen werden kann. Die Fahrräder der Marke Ruhrwerk und Giant schnitten dabei schlecht ab: Sie erreichten nur 20 bis 25 Kilometer beziehungsweise 25 bis 45 Kilometer und eignen sich damit nicht für längere Touren. Denn wenn der Akku ausfällt, lässt sich ein Pedelec nur selten so leicht fahren wie ein herkömmliches Rad. Gut gefallen hat den Testern die Ladedauer des Akkus bei Kreidler und KTM. Er war bereits nach zwei Stunden und 15 Minuten aufgeladen, während die anderen Testräder bis zu neun Stunden benötigten, um wieder volle Leistung zu bringen. Laut ADAC sollte ein Akku für mindestens 50 Kilometer reichen und nach maximal vier Stunden geladen sein.
Entscheidend für den Kauf sollte aber letztendlich die Sicherheit sein. Dieses Kriterium ist umso bedeutender, als die Pedelec-Fahrer sich rechtlich derzeit noch auf äußerst unsicherem Terrain bewegen. Insbesondere die Haftungsfrage bei Pedelecs bis 25 km/h, die über eine Anfahrhilfe bis sechs km/h verfügen, könnte für die Benutzer schnell zur finanziellen Katastrophe werden. Ob verschuldete Unfälle von der privaten Haftpflichtversicherung abgedeckt sind, hängt nämlich vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab: Oftmals ist der Versicherungsschutz auf Fahrräder und "nicht selbstfahrende Fahrzeuge" beschränkt. Deshalb sind die Besitzer von Pedelecs mit Anfahrhilfe gut beraten, wenn sie vor der ersten Fahrt mit ihrer Versicherung klären, ob diese für Schäden aufkommt.
Ungeklärter Versicherungsschutz
Wer sich für ein Pedelec mit einer Anfahrhilfe entscheidet, sollte wissen, dass es sich verkehrsrechtlich um ein Kraftfahrzeug handelt: Es kann sich aus eigener Kraft - ohne Mittreten - bewegen. Deshalb ist mindestens eine Mofaprüfbescheinigung nötig, wenn der Fahrer nach dem 31. März 1965 geboren wurde und nicht Inhaber einer Fahrerlaubnis für größere Fahrzeuge ist. Radwege dürfen innerorts nur befahren werden, wenn dies ausnahmsweise durch Zusatzzeichen "Mofa frei" gestattet ist. Radwege außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen stets befahren werden.
Noch komplizierter wird es bei den sogenannten schnellen Pedelecs. Diese Fahrzeuge erreichen schon ohne Tretunterstützung Geschwindigkeiten bis 20 km/h. Wer selbst in die Pedale tritt, kann bis zu 45 km/h schnell werden. Hier ist manches umstritten: Je nach Bundesland genügt entweder die Mofaprüfbescheinigung oder es wird eine Fahrerlaubnis der Klasse M benötigt; davon hängt auch ab, ob Radwege generell verboten sind. Auch ist nicht eindeutig geregelt, ob für diese Fahrzeuge ein Motorradhelm Pflicht ist. Der Gesetzgeber plant die Geschwindigkeitsgrenze für diese Pedelecs bei 30 km/h zu ziehen und für langsamere Pedelecs eine Fahrradhelmpflicht einzuführen.
Unproblematisch ist die Rechtslage bei der am weitesten verbreiteten Gruppe der Pedelecs. Sie sind bis 25 km/h schnell und besitzen keine Anfahrhilfe. Rechtlich werden sie als Fahrräder eingestuft: Kennzeichen, Fahrzeugpapiere, Mindestalter und Versicherungspflicht sind nicht vorgeschrieben. Ein Fahrradhelm ist nicht erforderlich, aber dringend empfehlenswert. Für Schäden kommt eine private Haftpflichtversicherung auf.
mik
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