Haftstrafen Internet-Autohändler betrügen Hunderte Käufer

Die Leichtgläubigkeit vieler Internetkäufer nutzte eine Familie in Schleswig Holstein aus: Das 65- und 66-jährige Ehepaar und ihr Sohn kassierten den Preis für Neuwagen in einer Höhe von insgesamt 6,7 Millionen Euro. Doch ihre Schnäppchen bekamen diese Käufer nie zu Gesicht.


Flensburg – Die Autohändler-Familie hat das Landgericht Flensburg heute zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Untreue verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie bundesweit Autos verkauft hatten, die sie nicht liefern konnten. Ein 65-Jähriger erhielt als Anstifter fünf Jahre Haft, seine 66-jährige Ehefrau, bekam drei Jahre und sechs Monate; der Sohn zwei Jahre und neun Monate. Der von ihnen angerichtete Gesamtschaden wurde - bei 740 Betroffenen - mit 6,7 Millionen Euro beziffert. Ursprünglich hatte die Anklage auf Betrug gelautet.

Vermittlungsplattform der drei Verurteilten war das Internet. Dort hatten sie von Juni bis Oktober 2005 neue Autos bis zu 36 Prozent unter Listenpreis angeboten. Die Käufer mussten eine Anzahlung leisten; die Restsumme sollte per Bankgarantie oder Überweisung auf ein zweckgebundenes Sonderkonto beglichen werden. Die Kunden zahlten, erhielten aber keine Ware. Es gab auch keine Rückabwicklung des Auftrags. Stattdessen bedienten sich die Angeklagten den Angaben zufolge vom Sonderkonto - zum Beispiel in Höhe von 850.000 Euro für einen Katamaran, ein Grundstück und eine Hausanzahlung.

Überzeugt von Geschäftsidee

Verhandelt wurden in Flensburg 107 Fälle mit einer Schadenssumme von etwa 2,1 Millionen Euro. Die sichergestellten Vermögenswerte gab die Staatsanwaltschaft mit 2,3 Millionen Euro an. Ein weiterer Beschuldigter, der von den Angeklagten im Laufe des Verfahrens mehrfach genannt wurde, muss sich vor einem Gericht im westfälischen Detmold verantworten.

Die drei Verurteilten waren bis zum Schluss von der Redlichkeit ihrer Geschäftsidee überzeugt. Das Konzept sei nicht von Anfang an darauf ausgelegt gewesen, Kunden zu schädigen, gestand ihnen der Richter zu. Es seien Verträge auch seriös abgewickelt worden. Da die Angeklagten geständig waren und es zwischen allen Verfahrenbeteiligten zu einer Einigung kam, konnte der Prozess erheblich verkürzt werden. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht auch die Leichtgläubigkeit der Kaufinteressenten und das Alter des Ehepaares. Dem Sohn wurde seine Kooperationsbereitschaft bei den Ermittlungen zugute gehalten. Das Urteil ist rechtskräftig.

abl/dpa



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