Umrüst-Kit für VW Mit sieben Bauteilen wird aus einem ollen Käfer ein E-Mobil

Das größte Manko von Elektroautos ist bisher: Sie sind teuer. Ein Hamburger Unternehmer hat jetzt eine clevere Idee. Für knapp 12.000 Euro bietet er einen einfachen Baukasten an, mit dem sich ein alter VW-Käfer zum E-Mobil umrüsten lässt.

Karabag

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Wer seinen alten VW Käfer in ein E-Mobil verwandeln will, braucht dazu ab sofort etwa 11.300 Euro und ein paar Tage Geduld. So lautet das Versprechen von Sirri Karabag. Der Hamburger Unternehmer bringt ein Umrüst-Kit auf den Markt, mit dem Automechaniker oder private Schrauber den Klassiker aus Wolfsburg sicher und einfach elektrifizieren können sollen.

Karabag ist nicht der Erste, der den Traum von einem Oldtimer mit Elektroantrieb in die Tat umsetzt. Es gibt bereits eine Reihe von Betrieben, die solche Umbauten anbieten, mehrere Tüftler haben ihre alten Lieblinge in Eigenregie zu Stromern verbastelt. Aber der Unternehmer hat viel Erfahrung mit der Umrüstung von Autos mit Verbrennungsmotoren zu E-Mobilen. Bereits vor einigen Jahren entwickelte er einen elektrischen Antriebsstrang, der bislang vor allem im Fiat 500 zum Einsatz kam.

"Wir wurden immer wieder von Werkstätten kontaktiert, die unsere Systeme in Gebrauchtwagen einbauen wollten", sagt Karabag. Bisher hatte er die Anfragen abgelehnt. "Das war uns zu riskant", sagt er. "Hätte jemand an der Elektrik rumgefrickelt und sich dabei verletzt, wäre das auf uns zurückgefallen."

Dass er seine Meinung änderte, hat einen einfachen Grund: Karabag hält sein Umrüst-Kit jetzt für idiotensicher.

Ein Set aus sieben Sachen

Das Set besteht seinen Angaben zufolge nur noch aus sieben Einzelbauteilen - statt wie zuvor aus 135. Die Komponenten wurden nicht reduziert, aber kompakter gemacht. Karabag zählt auf: "Sie bekommen das Ladegerät, die Batterie, den Motor, eine kraftstoffbetriebene Heizung, den Tank für die Heizung, einen Wechselrichter und die Multibox." In der Box stecken unter anderem Platinen und Sicherungen für das Batteriemanagement. "Allein darin haben wir 50 Einzelkomponenten untergebracht", sagt er.

Anhand einer Bauanleitung mit Bildern soll der alte Antriebsstrang durch den neuen elektrischen ausgetauscht werden können. Hinzu kommt eine passende Konsole mit Touchscreen, die unterhalb des Armaturenbretts montiert wird. Dort befinden sich auch die Gangschaltung (mehr als einen Vorwärts- und Rückwärtsgang sowie den Parkmodus gibt es nicht) und das Display mit der Anzeige der verbleibenden Reichweite und der Motortemperatur.

Dem Set liegt ein Mustergutachten des TÜV Süd bei, bei dem die einzelnen Punkte nach dem fertigen Umbau abgehakt werden. Wurde alles streng nach Anleitung gebaut, darf der E-Käfer auf die Straße. "Der TÜV war in unseren Entwicklungsprozess eingebunden und hat uns auf kritische Punkte hingewiesen", sagt Karabag.

Mehr Reichweite als moderne Umrüst-Modelle

Laut dem Hamburger Unternehmer bringt es der Elektro-VW nach der Umrüstung im günstigsten Fall auf eine Reichweite von 120 Kilometern und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h. "Das sind bessere Werte als bei unserem Fiat 500E, der auf dem neuen Cinquecento basiert", sagt Karabag. Der Grund: Der Käfer wiegt nur 900 Kilo und ist damit leichter.

Außer, dass er jetzt kompakter ist, wurde am Antriebsstrang angeblich nichts verändert - der Akku bietet 11 kWh Speicher und die Motorleistung beträgt 23 kw. "Einzig den Flanschring mussten wir ans Käfer-Getriebe anpassen", sagt Karabag. "Der größte Aufwand bestand für uns darin, das Auto richtig kennenzulernen und die Komponenten optimal unterzubringen." Der Motor sitzt - wie gewohnt - im Heck. Die Batterie wird im Frontbereich verbaut.

Karabag will auch andere alte Autos so simpel wie möglich elektrifizieren. Er hofft dabei auf ehrgeizige Werkstattbesitzer: Sie sollen rausfinden, wie sich der Antriebsstrang zum Beispiel in einen Golf oder Manta einbauen lässt und welche Modifikationen dazu am Auto nötig sind. Lässt sich aus ihren Plänen eine sichere und einfache Bauanleitungen wie für den Käfer ableiten, wird die Pionierarbeit belohnt - die Werkstatt soll für jedes verkaufte Kit für das jeweilige Modell eine Provision erhalten.

Neues altes Aufbruchs-Symbol

Vorerst soll es aber der Käfer mal wieder richten. Vor sechzig Jahren war der Kleine von VW das Symbol des Wirtschaftswunders - jetzt wird er als eine Art Hoffnungsträger für die Elektromobilität gefeiert.

Karabag geht davon aus, dass es in Deutschland noch mehr als 80.000 Käfer gibt. Etwa die Hälfte davon, sagt er, hat ein H-Kennzeichen. Das wird wegen den drastischen Änderungen nach einer Umrüstung allerdings hinfällig. Die Unterhaltskosten bleiben trotzdem niedriger als bei normalen Gebrauchtwagen, schließlich sind Elektroautos zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit.

Wie viele Käfer-Besitzer jetzt bei dem Umrüst-Kit zugreifen werden, will Karabag nicht abschätzen. Er rechnet damit, in den nächsten sechs Jahren insgesamt 20.000 Autos mit seinen Antriebssträngen zu elektrifizieren. "Für die breite Masse werden moderne Autos da sicher interessanter sein als Oldtimer", sagt er.

Trotzdem zählt für ihn jede Umrüstung, schließlich sollen vor allem die Stückzahlen der Elektroantriebe wachsen - damit gleichzeitig die Herstellungskosten sinken. "Nur so wird man Elektroautos zu einem günstigeren Preis anbieten können", sagt Karabag. "Und darauf kommt es nun mal an."



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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
L!nk 19.09.2013
1. optional
Endlich wieder richtige Autos auf der Straße, die dazu noch nicht mal stinken - das ist doch mal eine schöne Nachricht!
susiwolf 19.09.2013
2. Bulliger Elektro-Blitz ...
Warum nicht gleich der geliebte VW-Bully ? Darin könnte eine ganze Batterie-Salve untergebracht werden, die für eine Weltumrundung reichen würde. Sozusagen Testgelände 'el Mondo' ... Das Kulturgut 'Bully' hätte es fürwahr 'verdient' - Traditionen pflegen ! Und umweltfreundlich wäre der Blitz-Bully ebenfalls. Aus a-l-t mach n-e-u ... aus alten Zeiten - moderne Zeiten. Wie doch die Zeit vergeht; oder bleibt sie stehen ? Nicht beim 'Bully' - dem Geliebten.
Systembereuer 19.09.2013
3. Lustige Idee...
Zitat von sysopKarabag Das größte Manko von Elektroautos ist bislang ihr Preis. Genau dagegen kämpft ein Hamburger Unternehmer mit einer cleveren Idee an. Für knapp 12.000 Euro bietet er ein simples und sicheres Umrüst-Kit an - maßgeschneidert für alte VW-Käfer. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/hamburger-unternehmer-ruestet-vw-kaefer-zu-elektroauto-um-a-923088.html
...aber dann wohl doch eher was für Liebhaber. Wer mal in einem Käfer gesessen hat weiss, das dieses Auto mit den Ansprüchen auf Platz und vor allem Sicherheit den heutigen Ansprüchen kaum genügen kann. Dazu kommt, für 12K Euro bekommt man ein NEUES Fahrzeug mit Platz für 5 und Kofferraum incl. Airbags und Knautschzonen. So ein Kit für einen Golf II oder III fände ich sinnvoller.
c.PAF 19.09.2013
4.
12.000.- ist natürlich eine ordentliche Hausnummer. Aber was beim 900kg-Käfer funktioniert, sollte auch bei einem 650kg-Buggy gehen. Ein Grund mehr, meinen Buggy zu behalten. Vielleicht, irgendwann... *träum*
Airkraft 19.09.2013
5. So'n Quatsch!
Wer braucht denn beim Käfer eine kraftstoffbetriebene Heizung? Die Heizung hat beim Käfer doch nie (richtig) funktioniert.
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