Ablenkung im Straßenverkehr Bundesweite Großkontrolle gegen Handys am Steuer

Nur schnell eine Nachricht lesen - täglich greifen viele Autofahrer während der Fahrt zum Handy. Mit einer bundesweiten Kontrolle will die Polizei heute auf die Gefahr durch Ablenkung am Steuer aufmerksam machen.

DPA


Wer sich am Donnerstag mit einem Handy in der Hand oder Kopfhörern im Ohr im Straßenverkehr bewegt, riskiert, von der Polizei angehalten zu werden. Rund 11.000 Polizisten sind bei knapp 3200 Kontrollen und Aktionen bundesweit im Einsatz, um auf die Gefahren von Ablenkung aufmerksam zu machen, wie das Innenministerium in Sachsen-Anhalt mitteilte. Das Land hat derzeit den Vorsitz der Innenministerkonferenz und ist für die Organisation der neuen Aktion "Sicher. Mobil. Leben" zuständig.

Viele Fahrzeugführer unterschätzen die Folgen von ablenkenden Tätigkeiten beim Fahren. Sie nutzen ihr Handy, führen emotionale Gespräche, bedienen Navigationsgeräte, essen und trinken oder heben Gegenstände auf. Statistiken aus anderen europäischen Ländern und internationale Studien zeigten, dass mehr als die Hälfte aller Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit "Ablenkung" steht - Tendenz steigend. Dabei reicht die Bandbreite ablenkender Tätigkeiten vom Zigaretteanzünden am Steuer über die Bedienung von Navi und Handy bis hin zum besorgten Dauerblick auf den Rücksitz zum Kleinkind statt in den Rückspiegel. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h drei Sekunden auf sein Handy schaut, hat sich über 40 Meter im "Blindflug" bewegt.

Bei Unfall wird das Handy sichergestellt

Und auch Zweiradfahrer und Fußgänger setzten sich mit lauter Musik und Blick auf den Handybildschirm großen Gefahren aus. Die Aufmerksamkeit der Beamten ruht daher auch auf Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer. Neben Handysündern sollen zudem Gurtmuffel, Drängler und Raser gestoppt und neben dem üblichen Bußgeld ermahnt werden. Neben diesen Kontrollen sind zahlreiche Aktionen mit Fahr- und Überschlagssimulatoren, Ablenkungsparcours und Infoständen geplant, hieß es.

Brandenburg legt etwa einen zusätzlichen Schwerpunkt darauf, junge Fahrer und Senioren anzusprechen und zu beraten. Hamburg hat auch Lkw-Fahrer, die bei der Fahrt Zeitung lesen, Kaffee kochen oder Filme gucken, besonders im Visier. Die Hamburger Polizei weist außerdem daraufhin, dass zukünftig bei Verkehrsunfällen verstärkt Mobiltelefone sichergestellt werden, um mögliche Unfallursachen zu ermitteln. In anderen Bundesländern müssen auch Unfallgaffer mit intensiven Kontrollen, Gesprächen und Strafen rechnen. Die Innenminister der Länder hatten Ende 2017 entschieden, jedes Jahr einen Tag für mehr Verkehrssicherheit zu organisieren.

Im Video: Tödliches Texten - Unfallursache Smartphone

SPIEGEL TV

cfr/dpa



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