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Harley Days in Hamburg: Schwarz-grüner Senat will Chopper-Vollbremsung

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Den traditionellen Harley Days in Hamburg droht ein Umzug: Der Senat will den "riesigen Kindergeburtstag für Männer" nicht mehr in der Stadt haben. Ätzende Kritik kommt vom Veranstalter, vom Tourismusverband und vor allem aus der CDU.

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Harley Days: Eldorado für Wochenend-Biker
Sven Hielscher, CDU-Bezirksabgeordneter aus Hamburg-Altona, hat es auf den Magen geschlagen: "Ich könnte gleich kotzen. Hamburg ohne Harley Days, das ist kleinkariert, provinzlerisch und einer Weltstadt unwürdig."

Der Anlass für die galligen Beschwerden des Altonaer Partei-Granden: Im Auftrag des Schwarz-Grünen Senats haben Kultur- und Umweltbehörde der Hansestadt unisono erklärt, dass es für das alljährliche Harley-Spektakel, das an drei Tagen bis zu einer halben Million Besucher anlockt, 2010 keine Genehmigung mehr geben werde.

Die Begründung für die angedrohte Absage ist bisher dünn. Susanne Frischling von der Kulturbehörde erklärt, die Harley Days seien eine besonders umstrittene Veranstaltung. Es habe regelmäßig Beschwerden von Anwohnern durch die enorme Lärmbelästigung gegeben. Der Sprecher der Umweltbehörde fügt an, das Verkehrsaufkommen sei enorm und Abgaswerte seien überschritten worden. Und vor dem Hintergrund, dass Hamburg europäische Umwelthauptstadt 2011 werde, müsse es erlaubt sein, die Harley Days in Frage zu stellen.

Ankündigung auf dünnem Eis

Beschwerden über die Harley Days sind nicht neu. Seit 2003 ist die laut krachende Biker-Sause, die bergeweise Müll und heftige Gummi-Spuren auf dem Asphalt produziert, deshalb von der Reeperbahn über den Hafen bis hin zu den abgelegenen Parkplätzen bei der HSH Nordbank Arena bereits mehrfach umgezogen. 2010 sollte das Treffen am abgelegenen Großmarkt in Hammerbrook abgehalten werden. Uwe Bergmann vom Veranstalter uba Event-Agentur: "Der Großmarkt wäre ideal gewesen. Der Ort ist zentral genug, aber es gibt keine Anwohner und genügend Platz".

Jetzt sondiert Bergmann andere Ausweichquartiere vor den Toren Hamburgs, doch Einfluss auf die Route der erwarteten 60.000 Biker hat er kaum: "Die Harley-Fahrer werden trotzdem auf den Kiez fahren wollen. Nur müssen sie dann durch die ganze Stadt knattern", sagt er.

Aber ihr Geld werden die Besucher woanders ausgeben; Bergmann spricht bereits mit Norderstedt und Lübeck. Das wiederum bringt die Hamburger Hotellerie und die Handelkammer auf die Palme: "Die Harley Days haben Tausende Übernachtungen gebracht und einen Umsatz in siebenstelliger Höhe", sagt Gregor Maihöfer vom Hotel- und Gaststättenverband. Die Handelskammer äußerte Unverständnis für die Senatshaltung, da die Harley Days als Großveranstaltung einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellten.

Doch offensichtlich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Bisher gibt es noch keine bindende Abstimmung des Schwarz-Grünen Senats, der bei einem Antrag für die Veranstaltung bei einem der formell zuständigen Hamburger Bezirke die Entscheidung erst an sich ziehen müsste.

Schwarz gegen Schwarz-Grün

Deshalb sind die Grabenkriege auch innerparteilich noch lange nicht ausgefochten. Sven Hielscher und mehrere Abgeordneten-Kollegen bereiten für den Landesparteitag der Hamburger CDU, der Mitte Februar statt finden soll, einen Antrag vor, der wohl auch von der Schwarz-Grünen Bezirksregierung in Altona unterstützt wird.

Inhalt: volle Unterstützung der Harley Days 2010 in Hamburg und Aufforderung an die CDU-Kollegen im Schwarz-Grünen Rathaus, sich entsprechend zu verhalten.

Hilscher ist nämlich richtig sauer: "Man kann ja gleich Auto- und Motorradfahren überhaupt verbieten. Und das Einlaufen der Kreuzfahrtschiffe oder der Betrieb des kohlebefeuerten, historischen Eisbrechers 'Stettin' im Altonaer Museumshafen gleich mit. Damit kann man richtig Werbung für die Weltstadt Hamburg machen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Zwo drei vier
Gegengleich 13.01.2010
Zitat von sysopDen traditionellen Harley Days in Hamburg droht ein Umzug: Der Senat will den "riesigen Kindergeburtstag für Männer" nicht mehr in Europas Umwelthauptstadt 2011 haben. Ätzende Kritik kommt vom Veranstalter, vom Tourismusverband der Stadt und vor allem aus der CDU. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,671750,00.html
Die Herren im zweiten Frühling werden auch noch woanders ein Plätzchen finden, um ihre Dritten und ihr Viertfahrzeug zur Schau fahren zu dürfen.
2. Harley Days
adhamburg 13.01.2010
Ach es ist schon verwunderlich in unserer schönen weltoffenen Stadt. Es ist die schönste Stadt überhaupt - so wird sie betitelt. Aber auch hier ist gleich nicht gleich. Ein Schelm wer nichts Böses denkt und glaubt die vorgeschobenen Umweltgründe sind ehrenhaft. Einzig die Lobby der Anwohner hat sich durchgesetzt und es kommt der wenig schmeichelhafte aber mehr als offensichtliche Gedanke, ausschließlich persönliche Gründe von Herrn Steffen und anderen könnten eine Rolle spielen. Die Gründe liegen vor allem in der starken Lärmbelästigung und dem hohen Verkehrsaufkommen, was mit den Zielen als „Europäische Umwelthauptstadt 2011“ nicht in Einklang zu bringen sei - so die Kulturbehörde.... Egal, man kann hundertmal mit „Fakten“ aufwarten und alle Events aufzählen die ebenfalls eine Belastung der Umwelt darstellen. Es ist wohl überflüssig zu betonen, dass es wahrscheinlich das sicherste Wochenende in Hamburg überhaupt ist, die Belastung der Umwelt kaum messbar und sehr klein ist, da die Motorräder die meiste Zeit stehen und nicht fahren. Beim Hafengeburtstag jubeln Menschen der Queen Mary und anderen Kreuzfahrtschiffen zu und die verpesten die Umwelt um ein Vielfaches. Es wird nichts bringen. Es scheint eine Machtausübung einzelner Politiker aus persönlichen Gründen zu sein. Da helfen auch vorgebrachte wirtschaftliche Gründe nicht, denn wie immer in solchen Fällen wird das Interesse der Allgemeinheit dem persönlichen Interesse einzelner Politiker untergeordnet. Aber ehrlich gesagt, nun sollten die Entscheider konsequenterweise alle Veranstaltungen in Hamburg absagen, die die Umwelt belasten und dieses sind -selbst für Kleinkinder nachvollziehbar- alle Veranstaltungen überhaupt. Aber die Partei der Grünen, in diesem Fall durch Einzelpersonen vertreten, ist nicht ganz ehrlich und wirklich konsequent. Sondern von der Macht fasziniert, die sie jetzt ausüben können um anscheinend persönliche Interessen durchzusetzen. Dieser Makel ist einfach da, ob man die Veranstaltung an sich nun für gut und notwendig befindet oder eben nicht. Warum muss nicht das Alstervergnügen publikumswirksam sterben oder der CSD oder der Schlagermove oder eben der Hafengeburtstag? Hunderttausende Zuschauer fahren aus nah und fern mit dem Auto in die Stadt, wenn andere Großveranstaltungen wie z.B. der Marathon stattfinden, es interessiert keinen – ich treffe mal die Aussage, den Grünen ist die Umwelt und die Wirtschaftsinteressen in diesem Fall und leider auch für diese Stadt völlig egal. Echte nachvollziehbare Fakten zur Absage dieser sehr lukrativen Veranstaltung für die Stadt werden definitiv nicht vorgelegt werden können. Und Kommentare in anderen Mails oder Foren bezüglich der Optik, dem Alter und Einkommen einzelner Motorradfahrer sind nicht nachvollziehbar. Wo bleibt die Toleranz die immer eingefordert wird? Ist doch die "angegriffene" Gruppe der Motorradfahrer die weitaus toleranteste. Ich bin auch tolerant gegenüber Sandalenträger mit weißen Socken auf anderen Großveranstaltungen.
3. dann halt woanders...
ppkt_3 13.01.2010
Zitat von sysopDen traditionellen Harley Days in Hamburg droht ein Umzug: Der Senat will den "riesigen Kindergeburtstag für Männer" nicht mehr in Europas Umwelthauptstadt 2011 haben. Ätzende Kritik kommt vom Veranstalter, vom Tourismusverband der Stadt und vor allem aus der CDU. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,671750,00.html
Sollen Sie doch einfach woanders ihr Treffen abhalten. Es gibt auch andere Städte, die gerne Gastgeber einer solchen Veranstaltung sind. Muss nicht Hamburg sein, wenn die Herrschaften nicht wollen. Irgendwie passt sowas zu den Grünen. Nachdem sie in den 30 Jahren von der Aufbruch- zur Selbstversorgungs- und Beamtenpartei mutiert sind, ist solche Haltung nur konsequent. Gute Nacht, schlaft gut.
4. wunderbar
wkd? 13.01.2010
... und zusätzlich schafft die Stadt auch noch den Motorrad-Gottesdienst ab, und alle sind glücklich. Was für eine klein-geistige Haltung der Stadtoberen!
5. Und am siebenten tag schuf Gott Harley Davidson
brother eagle 13.01.2010
Ich kann den ganzen Rummel nicht verstehen. Lasst die Leute Spass haben. Wir haben hier jedes Jahr mehrere Show and Shine und niemand beschwert sich. Aber das ist Canada, wo die Leute noch ein bischen mehr relaxed sind. Mein naechstes Ziel auf meiner Bucket List ist Sturgis und da sind 300.000 Harleys und niemand beschwert sich. Wenn was wegen Laerm und Abgas verboten werden sollte, dann sind das Autorennen, aber da ist ja wieder der sogennante Nationalstolz in Gefahr. Woohoo Schumi hats wieder geschafft.
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