Hartung Sparta Donnerkeil aus Andorra

Helmut Hartung mag kein Tamtam. Sein Stand auf der Automesse IAA sieht aus wie eine Garage. Und statt mit Schlips und Kragen gibt der Ingenieur lieber hemdsärmelig Auskunft - über einen Prototypen, an dem er seit 1973 arbeitet. Jetzt kann er bestellt werden.

Von Jürgen Pander


Aluminiumkeil aus Andorra: Geländetauglicher Dreisitzer für Leistungsfetischisten
Jürgen Pander

Aluminiumkeil aus Andorra: Geländetauglicher Dreisitzer für Leistungsfetischisten

Frankfurt - Zentrales Exponat auf dem Stand 1.1 D 08 der Automesse IAA ist ein Wagen, der aussieht, als käme er geradewegs von den Dreharbeiten zu Mad Max II. Der kantige Keil dürfte der wohl kraftvollste Pkw der Welt sein. Ein Auto wie aus der Ursuppe des Sportwagenbaus: roh, radikal, rasant. Doch zugleich ein technisches Bravourstück, in Handarbeit aus feinen Zutaten zusammengeschweißt und -geschraubt. Und nun ist der Sparta endlich so weit entwickelt, dass Interessenten ihn bestellen können. "Im nächstem Jahr könnten wir mit der Fertigung beginnen", sagt Helmut Hartung. Seine Preisvorstellungen liegen zwischen 200.000 und 250.000 Euro. Doch Geld ist die unwichtigste Größe bei diesem Gefährt.

Helmut Hartung hat mit dem Auto, das den Namen Sparta trägt, "weil es doch ein bisschen derb ist", einen Traum wahr gemacht. Der Inhaber einer Firma für Chemieprodukte und Maschinenbauteile lebt seit 1971 im Pyrenäen-Kleinstaat Andorra. Das Projekt "Sparta", das damals diesen Namen noch nicht trug, begann 1973. "Ich wollte ein starkes, geländegängiges, zuverlässiges Sportauto bauen", sagt Hartung. Ein Auto, das zugleich praktisch und rasant, spektakulär und robust sein sollte.

Fahrersitz in der Mitte

Hartung Sparta: Mittelmotor-Monster mit 2000 Nm Drehmoment
Jürgen Pander

Hartung Sparta: Mittelmotor-Monster mit 2000 Nm Drehmoment

Nun ist es fertig. Testfahrten durch die raue Bergwelt der Pyrenäen verliefen vielversprechend. Die wichtigsten Merkmale des Autos: Die Karosserie ist aus blankem Aluminium, darunter sitzt ein Trapez-Rohrrahmen mit vier Überrollbügeln aus Titan. Dieses Konstruktionsprinzip bedingt, dass der Fahrersitz in der Mitte angeordnet ist, während sich links und rechts davon Sitze für je einen Passagier befinden. Abgesehen von einer Klimaanlage ist der Wagen überaus spartanisch eingerichtet. "Trotzdem fährt sich das Auto sehr bequem, denn es gibt eine Luftfederung, mit der sich auch die Bodenfreiheit auf bis zu 25 Zentimeter erhöhen lässt", erklärt Hartung. Die Flügeltüren sind aus Plexiglas, für Gepäck gibt es einen Kofferraum von 150 Litern Fassungsvermögen sowie ein Trägersystem auf dem Heck.

Das Prunkstück des Sparta ist der Motor. Nachdem Hartung zunächst mit V8-Benzinern experimentierte, hat er sich inzwischen - "wegen der Robustheit und Sparsamkeit" - für einen V8-Diesel entschieden. Die Maschine aus amerikanischer Produktion hat einen Hubraum von 6,6 Litern und wird über zwei Doppelturbos beatmet. Hartung kombiniert bei seinem Motor Stufen- und Registeraufladung, setzt zwei Ladeluftkühler ein und vertraut auf eine Trockensumpfschmierung. "Dieser Motor", sagt Hartung, "kann ein Drehmoment von 2000 Newtonmetern erreichen." Im nächsten Jahr soll das passende Getriebe dafür lieferbar sein. "Es wird sehr laut werden."

Zu viel Kraft für eine Kupplung

Helmut Hartung: Seit 1973 zehntausende Arbeitsstunden in den Sparta gesteckt
Jürgen Pander

Helmut Hartung: Seit 1973 zehntausende Arbeitsstunden in den Sparta gesteckt

Seinen Kunden wird er ohnehin empfehlen, ein Drehmomentmaximum von vielleicht 1500 Newtonmetern zu wählen, um die Haltbarkeit des Antriebs zu erhöhen. Zum Vergleich: Der derzeit stärkste Sportwagen der Welt, der Bugatti Veyron, entwickelt maximal 1250 Newtonmeter. Selbst bei dieser reduzierten Kraftentfaltung würde der Sparta noch immer über ein Verhältnis von Drehmoment zu Leergewicht von weniger als eins zu eins verfügen. Hartung hat die Höchstgeschwindigkeit des Wagens auf 250 km/h begrenzt, die Beschleunigung von null auf 200 ist in weniger als zehn Sekunden möglich. Bei schneller, aber nicht brachialer Fahrweise, liegt der Verbrauch nach seinen Angaben zwischen sechs und sieben Litern Dieselkraftstoff je 100 Kilometer.

Hartung hofft darauf, wenigstens ein paar Exemplare des außergewöhnlichen Sportwagens zu verkaufen: "In dreißig, vierzig Jahren hätten die Besitzer dann einen wirklich rüstigen Oldtimer, der noch immer enorme sportliche Leistungen brächte." Ihm gehe es nicht um extreme Leistungen, sondern vor allem um den Gedanken der Langzeithaltbarkeit sowie der Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung bei einem schnellen Sport- und Reisewagen. Die Kraftentwicklung des Motors ist aber derart extrem, dass es keine Kupplung geben wird, sondern das Wechseln der Gänge automatisch gesteuert und dabei pneumatisch gekuppelt wird. Hartung: "Es wäre zu riskant, wenn unqualifizierte Fahrer mit solchen Kräften umgehen müssten."



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