Ausfahrt im Traktor New Holland T7: Durch kommt er immer

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Traktor New Holland T7: Ackern mit dem kleinen Finger Fotos
New Holland

Gegen dieses Monster hat kein SUV eine Chance: Der Traktor New Holland T7 ist ein Raubein, das sich von keiner Schlammkuhle aus der Ruhe bringen lässt. Gleichzeitig hat er Hightech-Gimmicks an Bord, die auch Autofahrer gerne hätten. Bericht von einer Ausfahrt in wirklich schweres Gelände.

Achtung, jetzt wird's schmutzig! Denn diese Testfahrt führt auf ein Terrain, auf dem selbst die gröbsten Geländewagen mit noch so teuren All-Terrain-Reifen versacken würden. Nichts Exotisches wie Wüste, Taiga oder Dschungel ist gemeint, sondern einfach nur ein Acker irgendwo in Bayern. Abgeerntet, regennass und knietief zerfurcht. Hier endet für alles die Fahrt, was sich zwischen Jeep und G-Klasse, Land Rover oder Hummer so tummelt.

Nicht jedoch für den T7.250, denn genau für solch einen Untergrund ist dieses Modell gemacht. Das Kürzel klingt kryptisch, und mit der Marke New Holland kann man als Nicht-Landmann auch wenig anfangen. Doch wo der blaue Gigant auftaucht, wirken Autos wie die G-Klasse oder Range Rover plötzlich ziemlich klein. Der T7 ist ein Hightech-Trecker, für den es kaum ein Hindernis gibt. Groß, stark und gewaltig, entspricht er ziemlich genau jenem Gefährt, von dem manche als Buben schon geträumt haben, bevor sie überhaupt von Porsche, Ferrari oder Mercedes wussten.

Bei der ersten Begegnung fühlt man sich daher auch als ausgewachsener Autotester wie ein kleiner Junge, dem ein ganz besonders großes Spielzeug überlassen wurde. Eines mit 5,80 Meter Länge und 7,7 Tonnen Gewicht. Das Trumm hat riesige Räder, die an der Hinterachse sogar den Fahrer überragen. Kein Wunder also, dass man erst einmal vier Stufen hinaufsteigen muss, bevor man sich in den luftgepolsterten Ledersessel fallen lassen kann.

Ein Knöpfe-Meer wie in einem Jumbo-Jet

Dann genießt man eine Aussicht, wie sie nicht einmal Fernfahrer haben: In der rundum verglasten Kabine zwei Meter über dem Boden fühlt man sich wie auf dem Hochsitz. Nur, dass es hier eine Klimaanlage, ein Soundsystem und auch eine Sitzheizung gibt.

Beim Blick ins Cockpit hingegen macht sich Ehrfurcht breit: So viele Schalter, Hebel und Knöpfe muss, so denkt man, nicht einmal der Kapitän eines Jumbo-Jets bedienen. Vier Pedale im Fußraum, ein Joystick neben dem Lenkrad und rechts vom Sitz ein Pult mit vier Dutzend Tastern, Reglern und Schiebern. Wie soll man sich da je zurechtfinden?

Muss man gar nicht. Zumindest nicht, wenn man keine der verschiedenen Zapfwellen benutzt, mit denen der Traktor irgendwelche Hilfsmaschinen antreiben kann. Wenn man nicht die vier farblich gekennzeichneten Hydraulikleitungen anzapfen möchte und die Hebewerke vorn und hinten in Ruheposition bleiben, fährt sich der Trecker sogar überraschend einfach.

Ein Erdbeben? Nein, es ist nur der Motor angesprungen

Der Dreh am Zündschlüssel weckt den 6,7 Liter großen Sechszylinder-Diesel unter der langen, blauen Haube. Auf dem Bock fühlt sich das an, als gehe gerade ein kleines Beben durchs Land. Dann einmal Kupplung treten, den Fahrhebel nach vorn Drücken und Gas geben - alles andere macht das Auto-Command-Getriebe. Selbst die Bremse kann man vergessen, wenn sich das Ungetüm mit 250 PS sachte in Bewegung setzt. Sobald man den Fuß vom Gas nimmt, wird der Wagen automatisch langsamer und bleibt kurz darauf stehen. Wer versehentlich doch auf das riesige Bremspedal kommt, hängt beinahe von innen an der Scheibe, so heftig ist die Verzögerung.

Zwar kommt ein Traktor wie der T7 wahrscheinlich wirklich überall durch, wenn sich die zentimeterlangen Stollen an den breiten Ballonreifen in die Krume krallen und der Motor mit maximal 1120 Nm am Acker reißt, dass hinten nur so die Brocken fliegen. Doch mit Spaß hat das Sache wenig zu tun. Die Schlammschlacht ist Schwerstarbeit, bei der zumindest dem Laien rasch der Schweiß auf der Stirn steht - vor allem, wenn man Gas gibt, als säße man in einem SUV. Viel hilft viel - falscher kann man es auf dem Acker kaum anstellen. Denn je schneller der Trecker übers Feld pflügt, desto wilder hüpft man auf dem Sitz herum. Schon bei Tempo 20 fühlt man sich wie beim Rodeo.

Auf Knopfdruck bewegt sich der Traktor automatisch über den Acker

Der Wechsel auf den Feldweg bringt keine nennenswerte Linderung. Da wippt man zwar nur noch ganz sanft im Luftpolster-Ledersitz und wundert sich, wie flott das Limit von 50 km/h erreicht ist. Doch dafür eiert man herum wie sonst nur mit zwei Promille. Weil die Lenkung, anders als im Pkw, keinerlei Rückstellkräfte hat, muss man das Steuer immer wieder selbst gerade ziehen - und fährt deshalb die ersten Kilometer ständig Zickzackkurs.

Aber auch dagegen hilft einer der vielen Knöpfe im Cockpit. Auf den ersten Blick mag ein Traktor wirken wie ein Dino, der vor allem groß und stark ist - und das war früher wohl auch so. Doch mittlerweile stecken in Landmaschinen so viel Hightech, dass Autoentwickler vor Neid erblassen müssten.

Autonomes Fahren zum Beispiel, das beherrscht der T7 längst. Vom GPS-Signal gesteuert, arbeitet er auf dem Acker Kreisbögen, parallele Bahnen oder vom Fahrer einmal angelernte Muster so präzise ab, dass es im besten Fall keine drei Zentimeter Abweichung von der Ideallinie gibt. Und wo Autofahrer beim Rangieren noch selber blinken, lenken und den Gang wechseln müssen, macht der T7 im sogenannten Vorgelege am Wendepunkt alles von allein: Mähwerk anheben, Drehzahl senken, Räder einschlagen, in kaum mehr als zehn Metern umdrehen, Mähwerk wieder absenken und Drehzahl erhöhen - was man dem Traktor bei der ersten Fahrt beigebracht hat, spult er auf Knopfdruck immer und immer wieder ab.

Ein Motor, wie er zu hunderttausenden in Lkw brummt

Auch der Motor ist ein Block aus der Moderne, in diesem Fall wird er auch zu hunderttausenden in den Lastwagen von Iveco eingebaut. Er schluckt selbst im schwersten Einsatz nicht mehr als 25 Liter pro Stunde - das muss ihm ein Geländewagen bei Vollgas erst einmal nachmachen. Außerdem ist er sauberer als die meisten Pkw-Diesel - immerhin verfügt er über einen Stickoxid-Katalysator mit Harnstoff-Einspritzung.

Im Gelände sticht der Traktor jeden Geländewagen locker aus - beim Preis liegt der Schlepper ebenfalls in der oberen Etage. Schon die billigste Variante des New Holland T7 kostet mehr als 160.000 Euro. In diese Region reicht kaum eine Geländewagen-Preisliste. Für harte Arbeit muss in diesem Fall auch richtig hart bezahlt werden.

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insgesamt 104 Beiträge
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1. der Autor meinte 185 kW
elektroson 30.12.2012
Nicht 251 ps. Wobei noch nicht gesagt ist, ob es ps elektrisch, ps Wasser oder metrisch gemeint war.
2. optional
hundekatz 30.12.2012
So weit ist es schon gekommen... Ich sitze Sonntagmorgen am Computer und lese Fahrberichte von Traktoren...
3. Wirklich schweres Gelände
Peter_Lublewski 30.12.2012
Zitat von sysopNew HollandGegen dieses Monster hat kein SUV eine Chance: Der Traktor New Holland T7 ist ein Raubein, das sich von keiner Schlammkuhle aus der Ruhe bringen lässt. Gleichzeitig hat er Hightech-Gimmicks an Bord, die auch Autofahrer gerne hätten. Bericht von einer Ausfahrt in wirklich schweres Gelände. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/hightech-traktor-new-holland-t7-automatisch-pfluegen-saeen-ernten-a-873419.html
Ja, das hätte DER Autofahrer gern. Zumal sich DER durchschnittliche Autofahrer ja so oft in "wirklich schweres" Gelände begibt.
4. Jo,
rainer1962 30.12.2012
gefällt mir, das Teil. - Ist es Absicht, dass Sie so was erst vorstellen, wenn die Geschenke unterm Weihnachtsbaum nicht mehr umgetauscht werden können?
5. Was soll das?
jalu-2008 30.12.2012
Wie blöd ist das denn? Hat Herr Grünweg den ersten Traktor seines Lebens gesehen? Es ist weder der größte noch der stärkste Traktor auf dem deutschen Acker, was also ist der Grund für diesen Artikel?
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Fahrzeugschein
Hersteller: New Holland
Typ: T7 250
Motor: Sechszylinder-Diesel
Getriebe: Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 6.728 ccm
Leistung: 250 PS (184 kW)
Drehmoment: 1120 Nm
Höchstgeschw.: 50 km/h
Gewicht: 7.700 kg
Maße: 5773 / 2470 / 3115
Preis: 178.000 EUR


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