Billigung durch die EU Höhere Maut für Fahrer aus dem Ausland

In Deutschland immer wieder diskutiert, in zahlreichen europäischen Ländern ist sie schon Pflicht: die Pkw-Maut. Für Touristen aus dem Ausland ist das besonders ärgerlich, denn die Reisenden müssen zum Teil deutlich höhere Gebühren zahlen. Jetzt empfiehlt eine EU-Kommission eine Obergrenze.

Vignette: In Slowenien dürfen Pkw nur mit einem Pickerl auf die Autobahn
AP

Vignette: In Slowenien dürfen Pkw nur mit einem Pickerl auf die Autobahn


Brüssel - Die EU-Kommission hat Leitlinien für die Pkw-Maut in Europa verabschiedet. Demnach können Autofahrer in einem anderen EU-Land zwar kräftiger zur Kasse gebeten werden als die heimischen Fahrer, die Gebühr darf aber eine "akzeptable Obergrenze" nicht überschreiten.

Das erklärte die Kommission am Montag in Brüssel. Derzeit könne sich der Tagespreis in den Ländern mit Maut für Nichtansässige zwischen dem 2,5-fachen und dem 8,2-fachen des Tagespreises für einen Ansässigen bewegen, stellte die Behörde fest. Darüber hinaus dürfe es bei Einführung neuer Mautsysteme nicht gehen, forderte sie.

In Slowenien kaufen Touristen meist eine Sieben-Tages-Vignette für 15 Euro, während einheimische Autofahrer bevorzugt zum Jahrespickerl zu 95 Euro greifen. Damit ist der Tagestarif für Besucher 8,2-mal teurer, als für slowenische Autofahrer.

Außer der Obergrenze legen die Leitlinien weitere Kriterien fest. Bei Zeit-Vignetten müssten mindestens wöchentliche, monatliche und Jahres-Vignetten angeboten werden, erklärte die Kommission. Den Vorzug gibt Brüssel allerdings Mautsystemen, welche die tatsächlich gefahrenen Kilometer abrechnen. Sie seien "grundsätzlich fairer", hieß es.

Leitlinien ohne rechtliche Bindung

Darüber hinaus muss die Maut leicht zu bezahlen sein, wie die Leitlinien festlegen. Das bedeutet zum Beispiel gut zugängliche Mautstellen an der Grenze oder die Möglichkeit einer Zahlung per Telefon oder im Internet.

Die von der Kommission herausgegebenen Leitlinien sind nicht rechtlich bindend, sie geben aber die Auffassung der Kommission wieder, wie die juristisch bindenden EU-Verträge zu verstehen sind. Dort ist festgelegt, dass Bürger wegen ihrer Nationalität nicht diskriminiert werden dürfen. Darum darf die Maut nicht extrem höher sein als für Einheimische. Generell könnten höhere Preise aber etwa durch höhere Verwaltungskosten gerechtfertigt sein, argumentiert Brüssel.

Eine Übersicht der jeweiligen Gebühren hat der Automobilclub AvD zusammengestellt.

rom/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
n+1 14.05.2012
1. Die
deutsche Zurückhaltung ist schwer zu verstehen. Wenn wir z.B. die PKW-Maut so einführen: 77 EUR Steuer, abzgl 10,- und dann kommt eine Straßenmaut von 10,- wieder dazu. Und ein Slowene zahlt pro Woche 200 EUR. Wegen des viel größeren Strassen-Netzes. Schließlich ist Deutschland das größte Transitland der Welt!
mm01 14.05.2012
2. ....
Zitat von n+1deutsche Zurückhaltung ist schwer zu verstehen. Wenn wir z.B. die PKW-Maut so einführen: 77 EUR Steuer, abzgl 10,- und dann kommt eine Straßenmaut von 10,- wieder dazu. Und ein Slowene zahlt pro Woche 200 EUR. Wegen des viel größeren Strassen-Netzes. Schließlich ist Deutschland das größte Transitland der Welt!
Eine Maut in D können Sie vergessen. Die berühmte "Keule" würde sofort von unseren Nachbarländern geschwungen. Schließlich dürfen nur wir abgezockt werden....
_unwissender 14.05.2012
3. nicht aufregen...
Bitte nicht wieder die große Trommel zum Abzocken von Ausländern rühren! Alle Erfahrung hat bislang gezeigt, dass es erst die Minderheit trifft. Und wenn das gut funktioniert, kommt die Mehrheit dran. Soll sagen: wer nicht daran interessiert ist, dass "wir" bald auch Straßengebühr für "unsere" Straßen bezahlen müssen, sollte nicht danach rufen, dass die Ausländer abgezockt werden.
brux 14.05.2012
4. Schwach
Die Barroso-Kommission zeichnet sich vor allem durch Feigheit aus. Kein Wunder dass es der EU schlecht geht, wenn die Behoerde, die die EU-Vertraege durchsetzen soll, von einem Weichei geleitet wird. Es sollte ueberhaupt keine Diskriminierung von EU-Buergern geben und natuerlich muesste das auch alles bindend sein. So muss sich der Buerger wieder durch die Instanzen klagen. Hier haette die Kommission sicherlich beim Buerger punkten koennen, aber Herrn Barroso ist sein eigener politischer Komfort eben wichtiger. Slowenien diskriminiert ganz eindeutig, aber niemand hat den Mut ein Land mit 2 Mio Einwohnern zur Raeson zu rufen. Armselig.
mm01 14.05.2012
5. ....
Zitat von _unwissenderBitte nicht wieder die große Trommel zum Abzocken von Ausländern rühren! Alle Erfahrung hat bislang gezeigt, dass es erst die Minderheit trifft. Und wenn das gut funktioniert, kommt die Mehrheit dran. Soll sagen: wer nicht daran interessiert ist, dass "wir" bald auch Straßengebühr für "unsere" Straßen bezahlen müssen, sollte nicht danach rufen, dass die Ausländer abgezockt werden.
Sie waren wahrscheinlich noch nie auf der A8 unterwegs? Ich bin gerne bereit, meinen Obolus für die Nutzung einer Autobahn zu leisten. Jedoch sollte das auch für unserer Transitnachbarn gelten.
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