Designschutz bei Ersatzteilen Der Preis der Schönheit

Schöne Formen können unschön ins Geld gehen. Der Designschutz für Fahrzeugteile führt dazu, dass mancher Kotflügel oder Scheinwerfer für eine Reparatur nur direkt beim Hersteller erhältlich ist - zu entsprechenden Preisen. Ein Monopol, das immer wieder kritisiert wird - aber bislang erhalten bleibt.

Golf V: Markengeschütze Ersatzteile haben sich laut ADAC drastisch verteuert
Volkswagen

Golf V: Markengeschütze Ersatzteile haben sich laut ADAC drastisch verteuert

Von Heiko Haupt


An der Form eines neuen Autos feilen Designer oft Jahre. Klar, dass man dieses Blech gewordene Gesamtkunstwerk vor Nachahmern schützen will. Schließlich haben etwa fernöstliche Autobauer in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, wie gern sie sich in Sachen Design bei westlichen Herstellern bedienen. Doch was in Deutschland als Designschutz gilt, hat vor allem Auswirkungen auf Reparaturkosten nach Unfällen - für deutsche Verbraucher.

Gerade bei sichtbaren Karosserieteilen dürfen die Hersteller sich nämlich auf den Schutz der Formen berufen - und den Nachbau durch Zulieferer untersagen. "Zu diesen sichtbaren Teilen zählen unter anderem Motorhauben, Scheinwerfer und Rückleuchten, Kotflügel oder auch das Autoglas", erläutert Alexander Vorbau vom Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA).

Seit vielen Jahren tobt rund um dieses Thema ein Streit, in dem der Begriff Reparaturklausel eine wichtige Rolle spielt. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass bestimmte Teile von dem Schutz ausgenommen sind und daher von anderen Anbietern nachgefertigt und verkauft werden dürfen - entweder grundsätzlich oder einige Jahre nach Markteinführung eines neuen Modells.

Drastischer Preisanstieg bei geschützten Teilen

Automobilclubs wie der ADAC versprechen sich von der Aufhebung des Schutzes mehr Wettbewerb auf dem Markt und in der Folge auch niedrigere Ersatzteilpreise. Demnach sind Ersatzteile für einen VW Golf, die unter den Schutz fallen, in der Zeit von 2006 bis heute um 40 Prozent im Preis gestiegen. Für rechtlich ungeschützte Ersatzteile wie Bremsbeläge muss der Kunde dagegen nur zwölf Prozent mehr als vor sechs Jahren zahlen.

Alles Quatsch, sagen dagegen die Hersteller, und beharren auf ihren Forderungen zum Erhalt des Designschutzes. Nach Angaben des Verbandes der Importeure von Kraftfahrzeugen (VDIK) ist die Sache ohnehin nicht so schlimm, wie sie dargestellt wird. Nur etwa fünf Prozent aller Fahrzeugteile fielen überhaupt unter den Designschutz, von denen würde wiederum nur für die Hälfte der Schutz beantragt.

Außerdem weisen VDIK und auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf die hohe Qualität der Originalersatzteile hin - und darauf, dass die bei Zulieferern womöglich nicht so gut ausfällt. Zusätzlich wird dann noch die Sicherheit des Fahrzeugs aufgeführt, die im Falle einer Reparatur nur durch Qualität und perfekte Passgenauigkeit der Ersatzteile gewährleistet werden könne.

Natürlich gibt es auch zu all diesen Behauptungen Gegenargumente. So hören sich die genannten fünf Prozent aller Teile zwar nach recht wenig an - doch es handelt sich nun mal um die sichtbaren Teile, während zu den 95 Prozent der unsichtbaren auch eine Schraube an der Auspuffhalterung zählt. Vor allem aber ist es der Hinweis auf Qualität und Sicherheit, der die Zulieferer aufregt: "Die Hersteller versuchen immer wieder, den Sicherheitsaspekt einzubringen. Es geht hier aber um geschütztes Design. In Hinblick auf die Sicherheit müssen die Teile ganz andere Richtlinien erfüllen", so Alexander Vorbau.

Warten auf Entscheidungen

Dass sich Anhänger und Gegner des Designschutzes gegenseitig falsche oder irreführende Angaben vorwerfen, hängt auch damit zusammen, dass die Zukunft des Themas gar nicht so klar ist, wie es scheint. Seit langem wird versucht, die Sache europaweit einheitlich zu regeln. Bereits 2004 gab es einen Vorschlag der EU-Kommission zur Durchsetzung einer Reparaturklausel, so ADAC-Jurist Ulrich May. Doch seitdem der Vorschlag vorliegt, liegt er einfach, ohne dass Fortschritte auszumachen sind.

Gleichzeitig hat der VDA erklärt, er wolle sein Recht auf Durchsetzung des Designschutzes vorerst gar nicht nutzen. Doch das hat bei den Zulieferern keinen Beifall ausgelöst - im Gegenteil. Laut Ulrich May bietet eine solche freiwillige Selbsterklärung nämlich keinerlei Rechtssicherheit, der Nachbau eines geschützten Teiles wäre trotzdem eine Straftat, der Autohersteller könnte die Produktionsmaschinen und auch die Waren beschlagnahmen lassen.

Das führt vielfach dazu, dass Zubehör-Anbieter die teure Aufnahme einer Produktion bestimmter Ersatzteile lieber lassen. Denn es gibt, so May, durchaus Fälle, wo Hersteller trotz der Selbsterklärung auf den Designschutz gepocht haben.

Für den Kunden einer Reparaturwerkstatt jedenfalls bedeutet das aktuelle Teile-Monopol vor allem eines: Er hat keine Wahl, muss nehmen, was die Rechtslage ihm an Ersatzteilen und Preisen liefert. Er kann sich nicht aus eigenem Willen entscheiden, ob ihm das Teil aus Herstellerproduktion den Preis wert ist, oder ob er einfach darauf vertraut, dass auch ein Zulieferer Bleche zu einem passenden und dabei preiswerten Kotflügel biegen kann.



insgesamt 19 Beiträge
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steffets 28.01.2013
1. Versicherungsbeitrag
Der Kunde einer Reparaturwerkstatt hat bezüglich der Teile ohnehin nicht viel zu entscheiden - Schäden an sichtbaren Teilen sind größtenteils Versicherungsschäden, und jede Werkstatt wird ganz von sich aus daran interessiert sein, dass die Reparatur so teuer wie möglich wird. Rosten tun auch ältere Autos kaum noch, und Scheinwerfer gibt's vom Schrott. Mit dem Designschutz sollen sich von mir aus die Versicherungsheinis herumschlagen.
Benjowi 28.01.2013
2. Abzocke und sonst nichts!
Das Ganze ist schlicht und ergreifend eine üble Abzockmasche, um Monopolsituationen zu erzeugen. Die Sicherheitsargumente sind im Allgemeinen Totschlagsargumente der Lobby, die keinerlei Bezug zur Wirklichkeit haben. Im Grunde müssten solche Mätzchen schon dazu führen, dass man entsprechende Marken erst garnicht kauft! Wenn man dazu bedenkt, dass deutsche Autonutzer ohnehin von allen Seiten ausgenommen werden wie Weihnachtsgänse und in allen Bereichen trotz sinkender Einkommen Rekordausgaben haben, wird da Ganze erst zum richtigen Skandal!
murphy83 28.01.2013
3. Recycling?
Wie hier schon richtig angemerkt wurde - es müssen nicht immer Neuteile sein - man muss zwar ggf. etwas Glück haben was die Farbe betrifft, aber gerade bei etwas älteren Fahrzeugen findet sich doch in der Regel etwas passendes - schont die Umwelt und den Geldbeutel. Leider wollen viele Werkstätten das nicht so recht machen (weil sie dann weniger verdienen ...)
ISTQB 28.01.2013
4. Ich würde an deiner Stelle...
....den Führerschein abgeben - so ein geschildeter Heckschaden hat nichts, aber auch garnichts mit einem vermeindlichen Parkrempler zu tun - und wenn doch dann gehört der Fahrer hinter kein Steuer der Welt...
k70-ingo 28.01.2013
5.
Das ist doch jetzt echt rausgeschmissenes Geld, plus nerviger Fummelkram (genaugenommen Pfuschkram), plus dem Effekt, daß hinterher jeder von weitem sieht, daß hier ein Sparfuchs seinen Oldie verschlimmbessert und somit Optik und Wert versaut hat. Dieser Repro-Kram aus dem Zubehör ist, was Blechteile angeht, EBEN NICHT aus derselben Presse gefallen. Das war er auch nicht in den 70ern. Es gab für einige Modelle, z.B. den VW Golf I und den Audi 50/VW Polo schon damals Zubehörteile, die weder mit guten Worten, noch mit Gewalt paßten, über 1 cm zu kurze Kotflügel z.B. Wenn man heute den Modellkennern diesen Krempel vor die Füße wirft, heben sie ihn noch nicht einmal auf. Zu recht. Mittlerweile sehe ich es als Vorteil an, daß es für meinen K 70 auch damals bis auf zwei Reparaturbleche keine Nachbau-Blechteile gegeben hat. Das hatte zwar zur Folge, daß sehr viele Fahrzeuge damals verschrottet wurden, weil den Gebrauchtwagenverbrauchern die Reparaturen zu teuer wurden, aber dafür ist bei den Überlebenden die Gefahr geringer, hilf- und rettungslos verpfuscht worden zu sein. Lieber originaler Gammel als Hinterhofpfuscherei.
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