Kraftstoffklau auf dem Parkplatz: Die Spritdiebe kommen

Die hohen Treibstoffpreise machen Benzin und Diesel zum Luxusgut - das Diebe anlockt. Mit professioneller Ausrüstung rücken sie nachts an, um die großen Tanks von Lkw und Baumaschinen leer zu pumpen. Elektronik und Drahtgeflecht sollen den Kriminellen das Leben schwer machen.

Ein LKW vor einer Tankstelle: Die großen Tanks der Brummer locken Kriminelle an Zur Großansicht
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Ein LKW vor einer Tankstelle: Die großen Tanks der Brummer locken Kriminelle an

Hamburg - Die Rekordpreise bei Diesel und Benzin lassen die Zahl der Kraftstoffdiebstähle kräftig steigen. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dapd berichteten zahlreiche Landeskriminalämter von einer deutlichen Zunahme dieser Straftaten. Niedersachsen meldet seit Jahresbeginn elf Prozent mehr Taten, Bayern rund sechs Prozent mehr, Mecklenburg-Vorpommern ein Viertel mehr, während das einwohnerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen allgemein von einer Zunahme spricht. Brandenburg meldete 33 Prozent Zunahme.

Betroffen sind vor allem Lastwagen mit ihren bis zu tausend Liter großen Tanks, aber auch Baumaschinen. Für die Betroffenen kommen zusätzlich zum gestohlenen Sprit oft noch hohe Reparaturkosten sowie Kosten für die ungeplante Standzeit hinzu. Clevere Erfinder bieten inzwischen verschiedene Schutztechniken an.

Die Diebstahlsfälle ähneln einander sehr. So wie etwa die Tat vom 31. März aus Hameln in Niedersachsen, einer Samstagnacht: Offenbar eine Bande knackte vier Lkw-Tanks und stahl dabei insgesamt 1.450 Liter Diesel. Schaden: Allein 2.200 Euro für den Kraftstoff. Die Tatorte waren dunkel und menschenleer, zum Beispiel ein Parkplatz am Güterbahnhof. Die Lkw-Fahrer hatten längst Feierabend und waren fort.

Alarmgerät aus Zubehörhandel

"Die Täter kommen zum Beispiel mit einem Lieferwagen, in dem hinten ein großer Tank eingebaut ist", berichtet Claws Tohsche, Sprecher des größten Lkw-Herstellers der Welt, Daimler. Dann werde entweder der Tankdeckel mit roher Gewalt aufgebrochen oder sogar ein Loch in den Tank gebohrt. Mit einer kleinen Elektropumpe und einem Schlauch werde der Tank dann geleert. Viele Lkw-Speditionen bestellen aus Kosten- oder Gewichtsgründen Tanks aus Kunststoff, die weniger Widerstand als die teuren Alternativen Stahl oder Edelstahl leisten.

"Unser Tanksystem bietet guten Diebstahlschutz", sagt Tohsche. Weil es aber mit genug Kraft trotzdem geknackt werden kann, haben sich Bastlerfirmen clevere Zusätze ausgedacht: Ein Messgerät von M4 Telematics aus Dessau gibt Alarm, wenn der Füllstand im Tank fällt, obwohl die Zündung aus ist. Kohler aus Neckarsulm hat eine billigere Lösung im Programm: Eine Art dickes Drahtsieb, das in den Einfüllstutzen genietet wird. Diebe können dann ihren Absaugschlauch nicht mehr tief einstecken.

Claus-Peter Tiemann, dapd

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Mundraub
mauimeyer 06.04.2012
Zitat von sysopDie hohen Treibstoffpreise machen Benzin und Diesel zum Luxusgut - das Diebe anlockt. Mit professioneller Ausrüstung rücken sie nachts an, um die großen Tanks von Lkw und Baumaschinen leer zu pumpen. Elektronik und Drahtgeflecht sollen den Kriminellen das Leben schwer machen. Kraftstoffklau auf dem Parkplatz: Die Spritdiebe kommen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,826191,00.html)
So wie ich unsere Rechtsprechung beurteile, wird der Spritklau als Mundraub eingestuft. Drei Jahre Führerscheinentzug wären das Mindeste, denn der Diebstahl steht ja im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr! Kauri
2. Mundraub?
soggenschuss 06.04.2012
Klingt lustig. Ist es aber nicht. Zumal Mundraub keine Straftat nach dem Strafgesetzbuch ist. Je nach Intensität und Vorgehensweise werden diese Delikte als einfacher Diebstahl nach § 242 StGB oder als besonders schwerer Fall des Diebstahls nach § 243 StGB eingestuft wird.
3. Schei** auf...
Jonny_C 06.04.2012
...die 30 Liter Benzin oder Diesel ! Aber wenn der Tank aufgebohrt, oder angestochen wird braucht man einen neuen. Kosten liegen zwischen 1800,- und 3000,- € je nach Fahrzeug. Das wird NICHT von der Teilkaskoversicherung ersetzt. Auf den Kosten bleibt man sitzen.
4. Kraftstoffraub auf dem Parkplatz
Holperik 06.04.2012
Die Vorgehensweise der Kraftstoffdiebe wird mittlerweile auch schen etwas rustikaler: Überfall - Kraftstoffdiebe verkleben Trucker auf der A24 den Mund mit Sekundenkleber - Schwarzenbek - Bergedorfer Zeitung (http://www.bergedorfer-zeitung.de/schwarzenbek/article144562/Kraftstoffdiebe_verkleben_Trucker_auf_der_A24_den_Mund_mit_Sekundenkleber.html) Das läuft dann wohl schon unter Raub.
5. Klauen ist doch doof...
Nuppo 06.04.2012
...man muss an Wochenenden nur mal die Autobahnparkplätze abklappern. Die netten Osteuropäer dort, die Sonntags nicht fahren dürfen, verkaufen ihr Zeug weit unter Tankstellenpreis...direkt vom LKW weg. So bleiben die Tanks wenigstens heile. Naja, statt Diebstahl und Sachbeschädigung bleibt dann immer noch Hehlerei...
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Mit diesen Tipps sparen Sie Sprit
Motor ausschalten
Machen Sie öfter mal den Motor aus. Das lohnt sich oft schon ab einer Standzeit von zehn Sekunden. Bei älteren Autos sollte sie jedoch eine halbe Minute betragen. Außerdem muss die Maschine die Betriebstemperatur erreicht haben und die Batterie voll aufgeladen sein.
Beim erneuten Anlassen des Aggregats sollten Sie auf keinen Fall das Gaspedal drücken, weil sonst der Einspareffekt ausbleibt.
Stromverbraucher ausschalten
Je mehr elektrische Verbraucher die Lichtmaschine belasten, desto höher ist der Verbrauch. Schalten Sie also Geräte wie Klimaanlage, Sitz- oder Heckscheibenheizung aus, wenn sie nicht gebraucht werden.
Niedrigtourig fahren
Mit geringer Motordrehzahl zu fahren, kann nach Angaben des Verkehrsclub Deutschland (VCD) bis zu 30 Prozent Kraftstoff sparen. Das gilt für alle Autos, die in den vergangenen 20 Jahren gebaut wurden. Der VCD berichtet, dass zum Beispiel ein Porsche 911 Carrera bei 50 km/h im zweiten Gang 15,1 Liter, im sechsten Gang jedoch nur 6,2 Liter Benzin verbraucht.
Fahren Sie ohne Ballast
Das Gesamtgewicht des Autos beeinflusst den Verbrauch enorm. 100 Kilogramm weniger auf der Waage bedeuten im Schnitt etwa 0,3 bis 0,5 Liter weniger Verbrauch. Fahren Sie also nicht mit leeren Getränkekisten, alten Reifen und sonstigen überflüssigen Gegenständen umher.
Auch einen unnötigen Dachgepäckträger sollten Sie demontieren. Das reduziert zusätzlich noch den Luftwiderstand. Wer zum Beispiel mit drei Fährrädern auf dem Dach unterwegs ist, muss mit einem Mehrverbrauch von bis zu vier Litern auf 100 Kilometern rechnen.
Vorausschauend fahren
Vor allem Anfahren und Beschleunigen verbraucht viel Kraftstoff. Fahren Sie zum Beispiel auf eine rote Ampel zu, nehmen Sie deshalb den Fuß vom Gas und rollen einfach auf den Haltepunkt zu. Im Idealfall kommen Sie also gar nicht erst zum Stehen, sondern das Signal schaltet vorher schon auf Grün. Allerdings sollten Sie darauf achten, den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern.
Früh schalten
Wenn Sie mit einem Auto mit manuellem Getriebe unterwegs sind, nutzen Sie den ersten Gang nur zum Anfahren. Bereits nach wenigen Metern sollte der Fahrer in den zweiten Gang schalten. Dann sollte mit viel Gas beschleunigt und bei 2000 Umdrehungen pro Minute in die nächsten Gänge gewechselt werden. Haben Sie die gewünschte Geschwindigkeit erreicht, fahren Sie am besten im höchsten Gang.
Reifendruck
Ein leicht erhöhter Reifendruck um maximal 0,2 bar über der Empfehlung des Hersteller bringt laut ADAC bei gemäßigter Fahrweise eine Spritersparnis von bis zu drei Prozent. Fahrer sollten aber nachschauen, ob dies laut der Bedienungsanleitung bei ihrem Wagen zulässig ist.


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