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Hoher Benzinpreis: Segway wird in den USA zum Verkaufsschlager

Plötzlich ist er ein Hit: Lange war dem eigenwillige Zweirad-Roller Segway nur ein bescheidener Erfolg vergönnt - jetzt ziehen die Verkaufszahlen in den USA rasant an. Der Vorteil des Stadtflitzers: Er kommt ohne Benzin aus.

Columbus - Schon 2005 hatte Paul Freeney von seinen Eltern einen Segway zu Weihnachten bekommen - doch das eigenwillige Gefährt verstaubte bis vor kurzem in der Garage. Inzwischen ist es Freeneys Auto, das zu Hause bleibt.

Touristengruppe mit Segways vor dem Weißen Haus: neuerdings interessieren sich auch Pendler für das Gefährt.
REUTERS

Touristengruppe mit Segways vor dem Weißen Haus: neuerdings interessieren sich auch Pendler für das Gefährt.

Wegen des hohen Benzinpreises pendelt der Sun-Microsystems-Mitarbeiter neuerdings mit dem strombetriebenen Segway zur Arbeit. Die beiden häufigsten Reaktionen von Passanten bei seinem Auftauchen beschreibt Freeney folgendermaßen: "Die Leute schreien 'Depp!' und 'Wie viel kostet so einer?'"

Als der Segway 2001 auf den Markt kam, prophezeiten ihm Technologieexperten eine goldene Zukunft. "Man wird Städte um ihn herumbauen", prognostizierte augenzwinkernd Jeff Bezos, der Gründer von Amazon.com. Sieben Jahre danach ist der Segway vor allem bei Polizei, Touristen, sowie Flughafen- oder Messepersonal beliebt. Pendler blieben lieber beim Auto.

Andere Elektrogefährte gibt es nicht

Dies scheint sich nun zu ändern. "Die letzten Monate waren fantastisch", sagt Jared Cavalier, ein Segway-Händler aus Columbus in Ohio. Er und andere Händler erwarten im laufenden Jahr ein Absatzplus von 30 bis 50 Prozent. Ganz billig ist der Segway mit 5000 Dollar nicht - dennoch scheint der Benzinpreis von inzwischen 4 Dollar je Gallone (3,8 Liter) viele Amerikaner zum Umsatteln zu bewegen.

Die anziehenden Segway-Verkaufszahlen sind auch ein Armutszeugnis für die Autoindustrie. Mutmaßlich würden viele Amerikaner wohl lieber ein vierrädriges Elektrogefährt kaufen - aber es gibt keine. Die ersten seriengefertigten E-Autos, die sich an der Steckdose aufladen lassen, dürften erst 2010 auf den Markt kommen.

John O'Connor aus Kalispell in Montana rechnet vor, dass ihm das Zweirad seit April bereits 100 Dollar gespart habe. Die Wegstrecke zu seinem Arbeitsplatz sei 6,5 Kilometer lang und schlage mit 4 Cent zu Buche. "Der Benzinpreis steigt, es dreht mir den Magen um", so O'Connor, "ich mache nicht mehr mit". Bisher hatten er und seine Frau zwei Autos. Zukünftig wollen sie mit nur noch einem Pkw und dem Segway auskommen.

AP/hil

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