Honda Gear Concept: Ist doch ganz einfach

Von Jürgen Pander

Honda Gear Concept: Mal was Neues Fotos
Honda

Den Autoherstellern gehen junge Kunden aus - die interessieren sich mehr für Smartphones, ihr Lieblingsfortbewegungsmittel ist das Fahrrad. Kein Wunder, dass Honda sich für sein Gear-Konzept sogenannte Fixie-Bikes als Vorbild nahm. Die sind einfach, schön und cool - und so ist auch die Studie.

Die Generation Y - kurz Gen Y genannt - bereitet vielen Unternehmen derzeit Kopfzerbrechen. Vor allem den Autoherstellern. Generation Y, darunter fasst man die heute 15- bis 30-Jährigen zusammen, mit dem Internet aufgewachsenen sind. Gut ausgebildete, ebenso selbstbewusste wie hedonistische junge Menschen, die zunehmend die Trends in der Arbeits- und Konsumwelt setzen.

Eigentlich eine Traumzielgruppe also, wäre da nicht ein Problem. Viele Angehörige dieser sogenannten Generation Y können mit herkömmlichen Autotypen nichts anfangen. "Für sie haben wir das Gear Concept entwickelt", sagt Dave Marek, Design-Direktor im kalifornischen Honda-Entwicklungszentrum in Torrance.

Die in rotem Metallic-Lack schillernde Studie wurde auf der kleinen, eher wenig beachteten Motorshow im kanadischen Montreal der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei hat das Gear Concept eigentlich erhöhte Aufmerksamkeit verdient, denn so erfrischend und clever war schon lange kein Gedankenspiel eines Autoherstellers mehr.

Ein Fahrrad als Ideengeber

"Bislang sind Kleinwagen entweder uninspirierte Nutzwägelchen oder überdrehte, unpraktische und überteuerte Stadtautos", sagt Honda-Mann Marek. "Unser Konzeptauto beendet diese Polarisation. Es ist praktisch, sieht gut aus, steckt voller Individualisierungsmöglichkeiten, lässt sich vernetzen, und es ist billig."

Am Anfang stand die Idee, das Prinzip der fixed-gear bikes auf ein Auto zu übertragen. Bei den sogenannten Fixies gibt es keine Gangschaltung und keinen Freilauf. Die Hinterradnabe ist sozusagen fest über die Kette mit den Pedalen verbunden, deswegen fahren viele diese Räder auch ohne Bremsen, und bremsen stattdessen über die Pedale.

"'Fixies' sind populär bei der Generation Y. Diese Fahrräder sind unkompliziert, wendig, schlank und sehr, sehr reduziert und klar gestaltet. Das sieht cool aus und lässt Raum für die eigene Kreativität", erklärt Honda-Sprecherin Maki Inoue.

Der Gear soll also eine Art Fixie auf vier Rädern sein. Das lässt sich nachvollziehen, denn er fällt von außen durch ein reduziertes, lässiges Design auf. Entfernt erinnern Formen und Proportionen auch an den ersten Civic aus den siebziger Jahren. Im Innenraum läge der Schwerpunkt auf einem frei konfigurierbaren Cockpit und der cleveren Integration von Smartphone oder Tabletcomputer, heißt es bei Honda. Das Auto sei konzipiert, um junge Städter anzusprechen. Und dazu müsse es vor allem gegen Konkurrenten wie öffentliche Verkehrsmittel oder trendige Fahrräder antreten.

Details zur möglichen Technik, zur Art des Antriebs oder zu einer etwaigen Leichtbaukonstruktion der Karosserie nennt Honda bislang nicht. Es scheint, als sei der Autobauer überrascht, wie sehr die Studie offenbar ins Schwarze getroffen hat - und nun zurückzuckt vor der eigenen Courage.

Unternehmenssprecherin Inoue jedenfalls verkündet trotz aller positiven Reaktionen auf das Gear Concept tapfer: "Es gibt gegenwärtig keine Pläne, dieses Auto zu bauen." Schade, kann man da nur sagen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. persor
persor 04.02.2013
sehr schön!
2. Mathematik so schwer für Journalisten?
ego66 04.02.2013
Zitat von sysopHondaDen Autoherstellern gehen junge Kunden aus - die interessieren sich mehr für Smartphones, ihr Lieblingsfortbewegungsmittel ist das Fahrrad. Kein Wunder, dass Honda sich für sein Gear-Konzept sogenannte "Fixie"-Bikes als Vorbild nahm. Die sind einfach, schön und cool - und so ist auch die Studie. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/honda-studie-gear-auto-fuer-die-generation-y-schlicht-schlau-cool-a-880959.html
1 Fahrrad+ 1 Smartphone sind unwesentlich billiger als ein Neuwagen. Hätte man auch selbst drauf kommen können. Aber gut, 'Journalisten' habe heute eh nicht mehr studiert. Woher sollen sie dann wissen, was ein Student im Monat zur Verfügung hat.
3. man merkt leider immer wieder,
aha° 04.02.2013
wie wenig sich bisher in den Betonköpfen bewegt hat. Ein Auto, das von einem Fixed Bike inspiriert ist, sieht sicher ganz anders aus und funktioniert auch anders: Nicht einfach mal ne Bügelfalte weniger und hier noch eine Leiste weglassen, das ist doch Kosmetik! Ein solches Auto wäre so konzipiert, dass man es sorgenfrei an alle Freunde verleihen kann. Ein Auto nicht für EIN Ego, sondern für 30 Menschen, die teilen können. Ein Kind hat reingekotzt? kein Problem mit einem Eimer Wasser, dann Stöpsel wieder rein, Fussmatte wieder drauf, fertig. Lisa, die Grobmotorikerin ruiniert regelmäßig die Kupplung? Kein Problem, das System ist hochmodular der Austausch kostet nur 40 Euro, sie kann es selbst erledigen und macht uns nicht arm. Schon wieder ein neuer Kratzer von Enno dem Kurzsichtigen? Völlig egal, die Stoßstange ist so konzipiert, dass die federt, und den Namen auch verdient. Noch dazu ist die Ästhetik eine völlig andere: Jeder Kratzer trägt zur Geschichte des Wagens bei und kann ruhig bleiben. Wachs drauf und gut ist. Der Wagen ist auch nach 30 Jahren immer noch sehr gut zu benutzen. Diese Beispiele sind jetzt nur mal ein kleiner Anfang. Liebe Autohersteller, ihr seid noch Lichtjahre von einem Auto entfernt, das sich in den Alltag und in die Bedürfnisse der Menschen integriert. Zitat "Das Auto sei konzipiert, um junge Städter anzusprechen. Und dazu müsse es vor allem gegen Konkurrenten wie öffentliche Verkehrsmittel oder trendige Fahrräder antreten." Wenn Ihr den Fehler sucht, hier liegt er. Eure monumental überhöhten Fetischkisten haben gegen ein schnelles Rad keine Chance, weder bei den Kosten, noch sonstwo. Man sollte hier auch mal den Gestalter Michael B. Hardt zitieren: "Designer haben keine Ahnung, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet."
4. Diese jungen
andygrunger 04.02.2013
brauchen überhaupt kein Auto. Sei es, weil sie keinen Führerschein besitzen, kein Auto benötigen, weil sie schlicht mit der U-/S-/Strassenbahn fahren, sich keines leisten können und falls doch, für solche Gefährte keinen Parkplatz finden.
5. Früher ...
Dene 04.02.2013
... hatte Honda Autos, die noch heute von vielen jungen Leuten gefahren werden, weil die einfach schick, schnell, gut, aber auch güsntig waren, man denke nur an '89er Honda CRX, Del Sol, EG-Civics, Integra, S2000 usw ... und heute? Nur noch langweiliger Schrott.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Honda-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 51 Kommentare
Facebook


Aktuelles zu