Kult-Motorradmarke Horex meldet Insolvenz an

Die Wiederbelebung einer Motorradlegende ist gescheitert: Zehn Jahre lang hat der Schwabe Clemens Neese versucht, die Traditionsmarke Horex zu reanimieren. Vergeblich - der Hersteller ist zahlungsunfähig.

Horex

Augsburg - Vor einigen Jahren gab Clemens Neese seinen gut dotierten Job in der IT-Branche auf und stürzte sich in ein Abenteuer: Der Schwabe wollte die Traditionsmarke Horex wiederbeleben. Die Glanzzeiten des Motorradherstellers aus Bad Homburg waren da längst vorbei, neben Kennern der Bike-Szene war der Name nur noch Fans des Comiczeichners Brösel ein Begriff, dessen Figur Werner auf dem Horex-Modell Regina über die Straße kesselte.

Neeses Businessplan für die neue Horex GmbH war offenbar überzeugend, neben privaten Investoren stellten ihm vor allem die KfW Mittelstandsbank und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Kredite und Fördermittel zur Verfügung.

Dieses Geld ist jetzt aber verbraucht - Neeses Horex GmbH hat beim zuständigen Amtsgericht in Augsburg den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens eingereicht. Ein Insolvenzverwalter ist bereits eingesetzt.

Von der Imperator zum Sechszylinder

Laut einer Pressmitteilung des Unternehmens wurde der Antrag bereits am 28. August eingereicht. In der Mitteilung heißt es, es seien ein "strukturierter Verkaufsprozess" und "in naher Zukunft konstruktive Gespräche mit möglichen Investoren und Kaufinteressenten" geplant. Die Gehälter der 30 Beschäftigten seinen "aktuell gesichert". Für eine Stellungnahme war das Unternehmen nicht zu erreichen.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war Horex noch ein großer Name. Von Motorrädern wie der Regina und der Imperator träumten die Deutschen. Ende der Fünfzigerjahre, mit dem Beginn des Wirtschaftswunders und des Autobooms, waren die berühmten Einzylinder aber nur noch Alteisen. Horex wurde von Daimler übernommen, bereits zuvor war die Fertigung von Motorrädern eingestellt worden.

50 Jahre später dann das Comeback: 2010 wurde der Prototyp einer neuen Horex in München vorgestellt. Herzstück der Maschine war ein Sechszylinder-VR-Motor, der zusammen mit einem Triebwerksexperten der Hochschule München entwickelt worden war. Bei dieser Motorenbauart stehen sechs Zylinder in zwei Reihen, die sich im Gegensatz zum reinen V-Motor kaum sichtbar öffnen. Die Horex war mit einer minimalen V-Öffnung von nur 15 Grad konzipiert - dafür reicht ein Zylinderkopf, der zudem sehr schmal baut.

Verspätung von zwei Jahren

Weitere angekündigte technische Feinheiten wie die Kompressoraufladung und der Riemenantrieb des Hinterrads wurden in der Folge allerdings fallengelassen - die angestrebten Lieferzeiten und Vertriebsnetze ebenfalls. 150 Maschinen hätten im vierten Quartal 2011 bereitstehen sollen; in den regulären Verkauf kamen die Maschinen tatsächlich erst im Frühjahr 2013. Siebzig Händler sollten bis zum Saisonstart 2012 unter Vertrag sein; aktuell gibt es in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Thailand nur dreißig Vertretungen.

Über zwölf Millionen Euro sollen in die Anschubfinanzierung von Horex geflossen sein. Wie viele Exemplare von den Modellen Roadster und Classic in den vergangen zwei Jahren bei Preisen um die 25.000 Euro verkauft wurden, ist unklar. Manche sprechen von drei- bis vierhundert Maschinen, andere in der Branche von unter hundert Auslieferungen. Die angestrebten Ziele wurden jedenfalls nicht erreicht: Der damalige Vertriebsleiter Fritz Rombach ließ 2010 in München verlauten, nach zwei Jahren "eine vierstellige Stückzahl" erreichen zu wollen.

Im März 2014 präsentierte Horex auf der Motorradmesse in Dortmund sein bisher letztes Modell, die Cafe Racer 33 ltd. Die Maschine sollte nur 33 Mal gebaut werden - zu einem Preis von 33.333 Euro.

Dass Horex in einer Krise steckte, ließ sich bereits vergangenen Dezember erahnen, als der Hersteller die Motorenfertigung von einem erfahrenen Zulieferer zurück in die eigene Manufaktur in Augsburg holte. Was damals als "die geplante Zusammenführung der Produktion in einer Hand" verkauft wurde, lässt sich heute als verzweifelter Versuch interpretieren, die Kosten und Verluste zu minimieren.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mazzmazz 01.09.2014
1. Schade...
Das Projekt fand ich damals interessant. Allerdings ist die Insolvenz der Firma auch gleichzeitig der Grund, weshalb kaum jemand 25 - 30 kEur für ein Motorrad ausgibt, das pures High-Tech ist und dessen Hersteller finanziell nicht gesichert ist. Das Risiko für den Endkunden, nach ein paar Jahren auf einem teuren "Brick" zu sitzen, ist für viele potentielle Käufer dann wohl doch zu hoch gewesen. Hinzu kommt das abnehmende Interesse der EUropäer an großen Motorrädern. Einzig Harley Davidson hält sich gut, da viele vermögende Ältere sich damit einen Jugentraum erfüllen. Horex war schon weg vom fenster, als diese Menschen noch Kleinkinder waren. Ausserdem war die Horex optisch einfach nicht so gelungen, dass sie eine große Zahl an mutigeren Erstkunden hätte wirklich aus dem Stegreif hätte begeistern können. BMW hat mit der RNineT gezeigt, wie man so ein Retro-Nakedbike gestalten muss, so dass die Auftragsbücher sich füllen. Letztendlich bleibt die Horex ein gescheiterter Versuch, den alten Glanz großer, lange verschwundener Marken zu reaktivieren. Wie bei Indian, wo man in den letzten 15 Jahren 2x versucht hatte, top-of-the-line Cruiser unter altem Namen zu verkaufen, aber nicht erklären konnte, weshalb der Kunde keine Harley fahren sollte.
mischpot 01.09.2014
2. Da gehen Sie hin die Steuergelder
und kein Beamter wird zur Rechenschaft gezogen, sondern kassiert noch dazu eine dicke Pension. Was für ein Land?
expendable 01.09.2014
3. Die Massenanfertigung...
...von bezahlbaren und schicken Motorrädern für breite Schichten des Bikervolks können die Japaner und Koreaner halt besser. Es finden sich kaum motorradfahrende Millionäre, die wegen eines Mopeds ihre Aktienportfolios auflösen, und wenn, dann greifen die zur Harley, weil sämtliche Zahnwaltskollegen die auch fahren. Der gute Mann sollte versuchten, die Dinger als Kunstobjekte zu verkaufen, da kann er dann Einzelpreise im sechsstelligen Bereich verlangen und findet bestimmt einen Landeskunstankaufsachverständigen, der die Dinger auf Steuerzahlerkosten in irgendein Rathausfoyer stellt.
der:thomas 01.09.2014
4. tja - bisschen dick aufgetragen
selbst wenn ich für sowas 30.000 locker hätte.... ich will gar keinen Sechszylinder auf zwei Rädern!
MTBer 01.09.2014
5. Kein Grund zur Aufregung!
Zitat von mischpotund kein Beamter wird zur Rechenschaft gezogen, sondern kassiert noch dazu eine dicke Pension. Was für ein Land?
Das Geld ist ja nicht weg, es hat nur jemand anders.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.