Horex-Comeback Die haben es sich leicht gemacht

Horex kehrt zurück - mal wieder. Der neue Eigentümer der Motorradmarke kommt aus der Leichtbau-Branche. Und das merkt man dem jetzt aufgefrischten Exemplar VR6 deutlich an.

Aus Homburg berichtet

Horex

Das Horex-Museum in Bad Homburg ist liebevoll gestaltet, aber es erzählt die Geschichte eines Niedergangs. Sie beginnt mit der Gründung der Motorradmarke 1923 und geht weiter mit den erfolgreichen Nachkriegsjahren und den begehrten Regina-Modellen. Mit dem beginnenden Autoboom laufen die Geschäfte für Horex dann immer schlechter, ehe die Marke nach langem Siechtum abgewickelt wird.

2010 gab es ein kurzes Zwischenhoch, als der Ingenieur Clemens Neese mit viel Trara eine neue Horex vorstellte; verkauft wurden die ersten Maschinen aber erst drei Jahre später. Und im Herbst 2014 war dann schon wieder Schluss, statt Mechanikern machten sich Insolvenzverwalter ans Werk. Die Rede ist von mehr als zwanzig Millionen Euro, die beim Versuch verbrannt wurden, eine deutsche Traditionsmarke aufleben zu lassen.

Jetzt wird der nächste Versuch gestartet.

"Nur wir haben einen Sechszylindermotor"

Überraschend hatte das Unternehmen 3C-Carbon Composite Company im Januar 2015 die Insolvenzmasse übernommen. Dazu zählten Markenrechte, Patente und der Materialbestand. Vor allem vom Motor erhofft sich 3C-Geschäftsführer Karsten Jerschke Chancen für die Zukunft: "Warum sollten wir den hergeben, jetzt, wo er endlich gut läuft?", sagte er bei der Vorstellung der neuen Horex im Museum in Bad Homburg. Das Aggregat sei ein Alleinstellungsmerkmal: "Viele Hersteller können einen High-End-Cruiser bauen, aber nur wir haben einen Sechszylindermotor"

Das komplette Heck besteht aus einem extrem leichten Kohlefaserbauteil
Horex

Das komplette Heck besteht aus einem extrem leichten Kohlefaserbauteil

In den Horex-Maschinen, die 2013 auf den Markt kamen, lief der 1218 Kubikzentimeter große Sechszylinder noch ziemlich störrisch und unrund. Jerschke und sein Entwicklerteam wollen den Motor jetzt gebändigt und ihm zehn PS mehr Leistung eingeblasen haben. Auf dem Papier leistet das VR6-Aggregat der 3C-Horex mit neuer Steuerkettenführung nun 170 PS bei einem maximalen Drehmoment von 138 Nm bei 7000 U/min.

Während 3C Basismotor, Rahmen und bewährte Komponenten wie die Felgen übernommen hat, blieb am Rest der Horex keine Schraube an ihrem Platz. Wo es ging, wurden hochwertigere und leichtere Teile verwendet. Zum Beispiel ist eine eigens entwickelte Edelstahl-Abgasanlage verbaut worden und die Verkleidungen, die Halterungen sowie der gesamte Heckträger sind aus Kohlefaser.

Ergebnis der Kur: Die 3C-Horex hat im Vergleich zum alten Roadster-Modell um die 30 Kilogramm abgespeckt und wiegt trotz des voluminösen Sechszylinders nur noch 221 Kilogramm. Auf den ersten Eindruck ist ein edles und stimmiges Motorrad entstanden. Der Name wurde vom Vorgänger übernommen, die Maschine heißt Horex VR6. Das jetzt vorgestellte Exemplar gehört zur sogenannten Silver Edition.

Erste Erfolge mit Ducati

"Die Zukunft bei Motorrädern heißt Leichtbau", glaubt Jerschke. "Darin sind wir als Karbonexperten natürlich Spezialisten. Wir können Dinge bauen, die andere bisher nur als Computermodell haben", behauptet der 3C-Chef, der trotz der markigen Worte bei seiner ersten Präsentation eines Motorrads aus eigener Produktion noch etwas nervös wirkte.

Neue Details: Die Auspuffanlage der Silver Edition
Horex

Neue Details: Die Auspuffanlage der Silver Edition

Die neue Muttergesellschaft von Horex beliefert Kunden wie Airbus, BMW und Audi mit Kohlefaser-Komponenten. Erste Erfolge mit Zweirädern hat die Firma aus Landsberg am Lech bereits vorzuweisen: 2014 holte der 3C -Racing-Rennstall den Titel in der Superbike-Klasse bei der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM). In der laufenden Saison ist ihnen der zweite und dritte Platz schon sicher - herausgefahren wurden die Erfolge auf einer Ducati 1199 Panigale R, aufgebrezelt mit speziellen Karbonteilen.

Bleiben noch zwei Probleme

Die neue Horex VR6 Silver Edition wird laut Jerschke im Frühjahr 2016 verfügbar sein. Die erste Auflage ist auf 33 Exemplare begrenzt, der Preis der Maschine wird deutlich über 30.000 Euro liegen. Auf der Motorradmesse in Dortmund soll Anfang nächsten Jahres dann auch ein Serienmodell mit größeren Stückzahlen und kleinerem Preis vorgestellt werden. Diese Maschine soll das Grunddesign der Silver Edition erhalten, aber weniger Karbonteile haben.

Jerschke hat bis dahin allerdings noch zwei wichtige Aufgaben zu erledigen: Erstens muss er einen Produktionsstandort finden. Und zweitens muss er ein Vertriebsnetz aufbauen. Nach den Flops der Vergangenheit dürfte es nicht einfach werden, Händler davon zu überzeugen, mal wieder eine neue Horex ins Schaufenster zu stellen.

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
Methusalixchen 14.09.2015
1.
Und was ist das Ding unten in der Honda Gold Wing?
woswoistndu 14.09.2015
2. Alleinstellungsmerkmal?
und was ist mit der K1600 GT von BMW? Na Hauptsache gut recherchiert, Horex...
Methusalixchen 14.09.2015
3. Bleibt die Frage, ...
... was eine "Ohlingabel" sein mag?
frutsch 14.09.2015
4. Ob das wirklich der große Wurf wird?
Die im Artikel genannte Ducati Panigale gibt es serienmäßig für die Straße zu kaufen, nicht nur als Rennmotorrad. Nur hat die 20 Pferde mehr und 60kg weniger... OK, ist eine andere Fahrzeugklasse, aber es gibt vergleichbare Fahrzeuge auf dem Markt, allesamt ein bisschen stärker, leichter und allesamt deutlich preiswerter. Mit gut ausgebautem Händlernetz und ohne Angst vor der Zukunft.
Grafsteiner 14.09.2015
5. Dicker Eintagsbrummer
Im Gegensatz zu dem Automobilbau lässt sich im Luxussegment des Motorradbaues keine Geld verdienen. Die Fertigungskosten für das Gerät (Karbon-Leitbau wie in der Formel 1, aufgeladener Sechszylinder) frisst doch jede Marge. Nach meiner Schätzung muss man bei einem Verkaufspreis von 30.000 Euro mit einem Verlust pro handgefertigter Maschine von 40.000 Euro rechnen. Ein Verkaufspreis müsste so kurz unter 100.000 Euro bei einer Kleinserie von 1.200 Maschinen liegen.
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