Hybrid-Wohnanhänger Energiegewinnung beim Hinterherrollen

Immer luxuriösere Einrichtung, feinere Materialien, cooleres Design - das war bislang die Richtung des Fortschritt in der Wohnwagenbranche. Beim Caravan-Salon in Düsseldorf steht nun außerdem die Energieeffizienz im Fokus - und damit Wohnanhänger, der Strom produziert.

Kraftwerk in der Plattform: Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf stellt die Firma Knaus Tabbert eine Wohnwagen-Plattform vor, in die zwei Generatoren und zwei Gel-Batterien integriert sind. Der während der Fahrt erzeugte Strom kann so für einige Zeit die elektrischen Verbraucher im Caravan unabhängig vom Stromnetz betreiben.

Kraftwerk in der Plattform: Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf stellt die Firma Knaus Tabbert eine Wohnwagen-Plattform vor, in die zwei Generatoren und zwei Gel-Batterien integriert sind. Der während der Fahrt erzeugte Strom kann so für einige Zeit die elektrischen Verbraucher im Caravan unabhängig vom Stromnetz betreiben.

Von Jürgen Pander


Die Idee ist so einfach, dass man sich fragt, warum bislang noch keiner drauf gekommen ist: Ein Wohnwagen, der hinter einem Auto hergezogen wird, produziert Strom, indem die Rotationsenergie der Räder in elektrische Energie umgewandelt und in einer Batterie gespeichert wird. Mit dem so gewonnen Strom lässt sich beispielsweise der Kühlschrank oder die Klimaanlage des Caravans während der Fahrt betreiben. Am Zielort kann der Wohnwagen bei vollen Akkus vier Tage lang völlig unabhängig von einem Anschluss ans Stromnetz mit allen elektrischen Verbrauchern genutzt werden.

Das erklärt gleich den Namen der Technik, die der Wohnwagenhersteller Knaus Tabbert als "Autark-Paket" auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf (27. August bis 4. September) erstmals vorstellt. Das System sei "seriennah", sagt Firmensprecher Alexander Wehrmann. "Wir planen, diese Technik unseren Kunden ab dem Sommer 2012 zur Verfügung zu stellen." Auch ein Preis ist bereits grob kalkuliert. "Ziel ist es", sagt Wehrmann, "das 'Autark-Paket' für weniger als 3000 Euro anzubieten."

Die Technik entwickelte Knaus Tabbert gemeinsam mit der Firma Al-Ko Kober. Zu ihr gehören zwei Wechselstromgeneratoren mit jeweils 850 Watt Leistung, die über eine Achsseitenwelle mit je einem Rad des Wohnwagens verbunden sind. Die während der Fahrt erzeugte Energie wird in zwei Gelbatterien gespeichert und von dort in die Bordelektrik des Caravans eingespeist. Das zusätzliche Gewicht des Autark-Pakets beträgt 150 Kilogramm, wobei rund die Hälfte auf die wartungsfreien Batterien entfällt. Bereits ab einer Geschwindigkeit von 10 km/h produziert die Technik Strom, die maximale Ladeleistung steht nach Angaben des Herstellers bereits ab 35 km/h zur Verfügung.

Die zumindest zeitweise elektrische Selbstversorgung ist Teil von mehreren neuen Techniken, die auch Wohnwagen energiesparender und umweltfreundlicher machen sollen. Bei Knaus Tabbert sind diese Entwicklungen Teil der sogenannten Efficiency Line. Dazu gehören drei weitere Ausbaustufen: Ein "Hybrid-Paket", das mit Rekuperationsbremse und Traktionsunterstützung arbeitet; ein "Funktions-Paket", dass mit der während der Fahrt gewonnenen elektrische Energie für die Caravan-Stabilisierung und die selbständige Bewegung des Wohnwagens auf den Stellplatz sorgt; und schließlich das "Komfort-Paket", mit dem auch das An- und Abkuppeln des Wohnanhängers automatisch vonstatten geht.

Die drei Module sind noch in der Entwicklung, sollen aber jetzt schon verdeutlichen, "welche technischen Möglichkeiten im Bereich E-Caravaning noch machbar" seien, sagt Firmensprecher Wehrmann. Bis diese Dinge jedoch als Serienprodukte angeboten werden können, sei noch allerlei "Feinausarbeitung der Komponenten" nötig.



insgesamt 120 Beiträge
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Tschirio 17.08.2011
1. Tellerrand...
Also wenn ich nicht über den Tellerrand hinausschauen kann, mal so als Wohnwagenbauer, dann ist das vermutlich eine geniale Idee. Energietechnisch ist es allerdings Unsinn. 1) Der Strom wird zwar durch die Bewegung des Wohnanhängers erreicht, die Energie stammt aber aus dem Motor des PKWs. 2) Der Umweg PKW-Motor, Reifen, Strasse, Reifen, Dynamo, Batterie ist Verschwendung pur. 3) Das Gewicht des Generators erhöht den Verbrauch zusätzlich zu der Bremswirkung des Dynamos im Anhänger des Wohnanhängers. Besser wäre es, direkt von der Lichtmaschiene des PKWs eine Ladekabel zur Batterie des Anhängers zu legen. 1) Weniger Gewicht 2) Weniger Verluste bei Energietransformation 3) ... 4) Steckdose im PKW, Kabel und Ladergeräte gibt es bereits und müssen nicht neu entwickelt werden. Wahrscheinlich fehlt es mal wieder nur am Standard. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
skeptizistikerin 17.08.2011
2. Und wo ist da der Vorteil..
wenn ich zusätzlich zu der Lichtmaschine im Auto noch eine zweite im WoWa habe???
Leser161 17.08.2011
3. Greenwashing?
Ich verbrenne vorn mehr Sprit, damit hinten der Generator im Wohnwagen den Kühlschrank mit Strom versorgt? Liebe Marketingexperten! Hybrid ist, wenn ich Energie die sonst beim Bremsen in Wärme umgewandelt werden würde in Strom umwandle. Hybrid ist NICHT permanent einen Generator mitlaufen zu lassen, der die Fuhre verlangsamt und dabei Strom erzeugt und dafür auch noch Geld nehme.
Fishbed 17.08.2011
4. Blödsinn
Sinnvol wäre es vielleicht, wenn die Auflaufbremse des Anhängers durch einen solchen Generator ersetzt würde, aber nicht dieses System, was nur den (onehin horrenden) Kraftsstoffverbrauch des Zugfahrzeugs in die Höhe treibt und für noch mehr mit der Last überforderten Astras und Co. führt.
mercator, 17.08.2011
5. Man kann's ja mal versuchen ....
Zitat von sysopImmer luxuriösere Einrichtung, feinere Materialien, cooleres Design - das war bislang die Richtung des Fortschritt in der Wohnwagenbranche. Beim Caravan-Salon in Düsseldorf*steht*nun außerdem*die Energieeffizienz im Fokus - und damit Wohnanhänger, der Strom produziert. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,780312,00.html
Ich lach' mich schlapp - jede KWh, die auf diese Weise erzeugt und in der Batterie des Wohnwagens gespeichert wird, muss natürlich während der Fahrt vom Motor des Zugwagens erbracht werden - mit dem dazugehörigen Mehrverbrauch an Sprit. Ist ja nicht so, daß der Wohnwagen von alleine rollt ...... Und da der Generator im Wohnwagen einen Wirkungsgrad unter 100 % hat (und auserdem auch noch Zusatzgewicht bedeutet), wäre es sogar günstiger, die Accus im Wohnwagen direkt per Kabel vom Zugwagen laden zu lassen ....... Is ja ganz nett, nach der Fahrt volle Accus im Wohnwagen zu haben - aber mit der gepriesenen Energieeffizienz hat das so gar nix zu tun !
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