Druckluft-Hybrid von PSA Peugeot geht die Pumpe

Hybrid-Autos sind sparsam und umweltschonend, doch die Akku-Technik macht sie teuer. Peugeot und Citroën wollen herkömmliche Batterien nun ersetzen - durch Druckluft. Das ist preiswerter und weniger kompliziert. Eine Testfahrt im Prototyp.

Wolfgang Gröger-Meier

Ein Auto, das mit Luft fährt? Wenn Bosch-Ingenieur Christian Mecker den Hybrid-Air-Antrieb erklärt, schaut er regelmäßig in ungläubige Gesichter. Kein Wunder angesichts seiner Idee: Überschüssige Bremsenergie, üblicherweise in Strom umgewandelt und in einem Akku gespeichert, wird in diesem Fall dazu benutzt, mittels einer Hydraulikpumpe Druck zu erzeugen. Der Druck wird in einem Stickstofftank gespeichert und bei Bedarf wieder zum Antrieb eines Motors genutzt. Klingt kompliziert, doch es funktioniert. Sagt zumindest Mecker. Und nach vier Jahren Forschung und Entwicklung im Verbund mit dem PSA-Konzern (Peugeot-Citroën) kann er nun auch den Beweis antreten: in Form einer Testfahrt im Peugeot 2008 mit Hybrid-Air-Antrieb.

Mit einem Auto mit konventioneller Hybrid-Technik hat dieses Modell wenig zu tun, das Fahrgefühl ist nicht vergleichbar. Man spürt zwar einen milden Kick, wenn die bis zu 40 PS starke Hydraulikeinheit dem 82 PS starken Dreizylinder-Benziner beim Beschleunigen zur Seite springt, aber das lautlose, elektrische Gleiten gibt es bei der Drucklufttechnik nicht. Wenn der Verbrenner Pause macht, zwitschert der Hydraulikmotor wie ein hungriger Spatz, und die Kraft des Überdrucks reicht auch nur für ein paar Hundert Meter. Andererseits braucht das Auto auch nicht mehrere Minuten, um den Speicher wieder aufzuladen. Es reicht, den Gasfuß beim Heranrollen an eine Ampel zu lupfen. Danach ist der Druckspeicher schon wieder gefüllt und bereit für den nächsten Einsatz. "Zehn Sekunden reichen uns", sagt Mecker.

Das Planetengetriebe, das die Kraft beider Motoren verwaltet, arbeitet geschmeidig, und das Zusammenspiel von Benziner und Drucklufteinheit funktioniert reibungslos. Richtig überrascht wird man von der Technik erst, wenn man auf den Bordcomputer blickt. Denn obwohl die Hydraulik immer nur ein paar Sekunden lang läuft, hatte der Dreizylinder-Benziner auf unserer 25-minütigen Testfahrt volle 17 Minuten Pause. Und es geht noch besser. "Wir haben im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent Null-Emissions-Betrieb erreicht und den CO2-Ausstoß so um insgesamt fast 50 Prozent gedrückt", erklärt Mecker. Im Normzyklus sei ein Auto wie der Peugeot 2008 damit unter drei Liter auf 100 Kilometer zu fahren.

Druckluft macht teure Akkus überflüssig

Aber warum dieser Aufwand? Es gibt doch schon seit mehr als einem Jahrzehnt elektrische Hybridantriebe, und auch der PSA-Konzern hat solche Modelle im Angebot. Die Antwort liefert Bosch-Mann Mecker: "Weil der Akku als Energiespeicher viel zu viele Nachteile hat."

Zum einen seien da die Kosten. "Bei ähnlichen Stückzahlen lässt sich ein Druckluftsystem viel billiger herstellen als ein konventioneller Hybrid-Antrieb und rechnet sich daher beispielsweise auch für Kleinwagen," sagt Mecker. Konkrete Zahlen mag er nicht nennen, doch bei früheren PSA-Veranstaltungen zum Thema war die Rede von bis zu 50 Prozent Ersparnis. Außerdem mache man sich unabhängig von knappen und teuren Seltenen Erden - Metallen, die für Lithium-Ionen-Akkus benötigt werden. Schließlich lasse sich eine Druckgasflasche umweltfreundlicher herstellen als ein Akku und am Ende der Laufzeit bedenkenlos entsorgen. Für Reparaturen brauche niemand eine Hochvoltausbildung, und bei einem Unfall sei das größte Risiko ein Ölfleck aus der Hydraulik.

Ein brauchbarer Alternativ-Antrieb für Kleinwagen

Das klingt nach einem rundum vernünftigen alternativen Antrieb. Doch es gibt auch Nachteile. Zum Beispiel, dass sich die Reichweite der Hybrid-Komponente nicht beliebig steigern lässt. "Mehr als ein paar Hundert Meter sind nicht drin," räumt Mecker ein. Autos mit Elektro-Hybrid-Antrieb schaffen, sofern es sich um Plug-in-Hybrid-Technik handelt, bis zu 50 Kilometer Fahrtstrecke, ohne dass der Verbrenner läuft. Beim Hybrid-Air-Modell springt nach wenigen Sekunden der Motor wieder an. "Falls Städte wie Paris irgendwann ZeroNull-Emissions-Zonen ausweisen, haben wir dort mit dieser Technik keine Chance", sagt Mecker.

Trotzdem glaubt er an die Zukunft der Druckluft-Hybrid-Technik. Für den Kunden bezahlbar und für den Hersteller einfach zu handhaben, soll sie vor allem Kleinwagen zukunftsfest machen. "Denn es werden sich nicht über Nacht alle Großstädter ein Plug-in-Hybrid-Modell kaufen können." Was PSA noch fehlt, sind Verbündete. Denn Peugeot und Citroën wollen die Revolution nicht allein anzetteln und suchen für möglichst hohe Stückzahlen noch Konkurrenten, die bei diesem Projekt mitziehen. Bis auf weiteres braucht Christian Mecker also einen langen Atem, damit seinem Druckluft-Konzept nicht noch kurz vor dem Ziel die Puste ausgeht.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 111 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
orthos 09.07.2014
1. Druckluft + Hydraulik?!
Der Autor sollte sich über die Unterschiede von Pneumatik (Grieschisch pneuma Wind, Atem, Luft) und Hydraulik (Grieschisch hýdor Wasser, Flüssigkeit) bewusst werden und entsprechend rechechieren oder den Artikel so umschreiben, dass auch ich als staatl. geprüfter Techniker ihn verstehen kann!
wcente 09.07.2014
2. Hilflose Versuche.
Hilflose Versuche. Entweder kommen die Speicher für die großen Reichweiten oder wir fahren so lange mit Verbrennungsmotoren, bis der letzte Tropfen Öl verfeuert ist und schwingen uns anschließend wieder auf die Pferde. Hybride jedenfalls haben sich in der Vergangenheit nicht einmal kurzfristig geschweige denn mittel- oder langfristig durchgesetzt.
Cephalotus 09.07.2014
3. Seltene Erden?
Bitte klären Sie mich auf, welche seltenen Erden bei Lithium-Ionen Akkus verwendet werden und in welchen Mengen. Lithium ist es nicht, die Trägermaterialien Kupfer und Aluminium auch nicht, Mangan, Cobalt, Nickel, Eisen in der Kathodenmatrix auch nicht, auch das bisweilen statt Graphit eingesetzte Titan für die Anode fällt nicht darunter.
grimboldunfried 09.07.2014
4. Hört sich gut an...
...scheint ein durchdachtes, funktionierendes Konzept zu sein, welches besonders innerhalb von Städten (wo der Benzin/Dieselverbrauch am größten ist), ein hohes Einsparpotential hat. Halte ich im Moment für praktikabler als die Hochpreis-E-Autos, die keiner haben will/sich leisten kann... Her mit der Technik, rein damit in jedes Auto...!
FlashBFE 09.07.2014
5. Warum nicht mehr Hybrid4?
Die Druckluft-Technik klingt zwar brauchbar, aber warum gibt es nicht mehr PSA-Autos mit Hybrid4-Antieb? Das ist ein ebenfalls relativ günstiges System mit NiMH-Akku und elektrisch angetriebener Hinterachse. Das würde sich gut im neuen Peugeot 308 oder im nachfolgenden Citroen C4 machen, aber bis jetzt ist davon nichts mehr zu hören und die Modelle, die damit verfügbar sind, lassen sich an einer Hand abzählen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.