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22. Dezember 2012, 07:25 Uhr

Autogramm Hyundai Santa Fe

Mehr, mehr, mehr!

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Hyundai Santa Fe - noch nie gehört? Kein Wunder, die beiden bisherigen Generationen des koreanischen Kompakt-SUV waren gesichtslose Allerweltsmodelle. Beim neuen Modell wird das Design auffälliger. Doch auch die inneren Werte haben sich stark verändert.

Der erste Eindruck: Endlich passt der Name zum Auto. Santa Fe, das klingt nach Cowboy und Coolness, und die dritte Generation des Hyundai-SUV sieht jetzt wenigstens ein bisschen lässig und auch markant aus. Die früheren Modelle waren gesichtslose Nobodys, an diesen Typen hier - mit breiten Chromspangen im wuchtigen Kühlergrill und markanten Falzen im Blech der Flanken - wird man sich erinnern.

Das sagt der Hersteller: Vergessen wir jetzt mal sämtliche Allrad-, Offroad- oder Geländewagen-Anklänge, daran denkt bei Autos dieser Art nämlich kein Mensch. Markus Schrick, der Chef von Hyundai in Deutschland, nennt den neuen Santa Fe eine "Multifunktionslimousine", die er als komfortablen, großzügigen und anspruchsvollen Reisebegleiter beschreibt. Und weil sich die Marke längst nicht mehr als Billiganbieter versteht, zielt der Wagen mit Ausstattung und Ambiente in die Liga von BMW X3, Audi Q5 oder Volvo XC60. Markus Schrick jedenfalls zählt diese Typen als wichtigste Wettbewerber auf.

Das ist uns aufgefallen: Dass der Santa Fe mittlerweile eher ein Luxuskombi mit erhöhter Sitzposition und Allradantrieb ist als ein Soft-Geländewagen. Man rollt mit dem Auto genauso leise und gelassen dahin wie im Mittelklassemodell i40. Der Einstieg ist allerdings bequemer, der Überblick besser und es gibt auf allen Plätzen ein paar Zentimeter mehr Bewegungsfreiheit.

Vor allem die Beinfreiheit im Fond wuchs um fast fünf Zentimeter, so dass man dort jetzt so entspannt sitzt wie in einer großen Limousine. Und der Kofferraum kann es mit jedem Kombi aufnehmen: Schon bei voller Bestuhlung fasst er 534 Liter, und wenn man vom Gepäckraum aus mit einem Hebelzug die dreigeteilte Rücklehne komplett umklappen lässt, wächst das Fassungsvermögen auf 1680 Liter.

Diese Vorteile gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Die Zeche für die ebenso schicke wie praktische Mischung aus SUV und Kombi zahlt man sogar gleich dreimal: Beim Händler, weil der Santa Fe mehr kostet als ein i40 Kombi. An der Tankstelle, weil das größere Auto auch den größeren Spritdurst hat. Und in Form von Fahrvergnügen auf kurvigen Landstraßen, weil sich dort Gewicht und Format des Santa Fe am ehesten negativ bemerkbar machen.

Das gilt natürlich generell für alle SUVs, doch zumindest an den letzten beiden Punkten hat Hyundai beim neuen Santa Fe gezielt gearbeitet. Die sparsamste Variante des neuen Autos schluckt 5,9 Liter, das ist okay. Und in Sachen Fahrdynamik schlägt sich der Santa Fe ebenfalls wacker. Dabei hilft nicht zuletzt die dreistufige Verstellung der elektrischen Servolenkung: Ein Knopfdruck genügt, dann gondelt man nicht mehr butterweich dahin, sondern führt die Fuhre plötzlich sehr viel bestimmter über den Asphalt.

Das muss man wissen: Es gibt den Santa Fe zu Preisen ab 29.990 Euro mit einem 2,4 Liter großen Benzinmotor mit 192 PS, der 190 km/h erreicht und im besten Fall 8,7 Liter verbraucht. Außerdem haben die Koreaner zwei Dieselaggregate im Angebot: Einen neuen 2,0-Liter-Vierzylinder mit 150 PS, 383 Nm, 187 km/h und 6,1 Litern (ab 32.920 Euro) und den von uns gefahrenen 2,2-Liter-Selbstzünder für mindestens 37.200 Euro, der 197 PS leistet und als Fronttriebler mit den erwähnten 5,9 Litern Durchschnittsverbrauch zufrieden ist (sonst 6,8 l/100 km). Der Motor erreicht ein maximales Drehmoment von 436 Nm, mit dem er den knapp zwei Tonnen schweren Santa Fe in 9,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Wer danach auf dem Gaspedal stehen bleibt, schafft bis zu 190 km/h und wundert sich, wie leise der Motor auch bei hohen Drehzahlen bleibt.

Wie nebensächlich die Allradeigenschaften in diesem Segment mittlerweile geworden sind, zeigt ein Blick auf die Antriebskonfigurationen: Nur den großen Diesel gibt es auf Wunsch auch als 4x4-Variante. Für beide anderen Motorvarianten bleibt es beim Frontantrieb. Offenbar verlangt die Kundschaft nicht mehr.

Das werden wir nicht vergessen: Wie geschickt die Koreaner Klassik und Moderne mischen. Nirgendwo wird das deutlicher als auf dem riesigen Touchscreen, der mit kunterbunten Grafiken die Mittelkonsole dominiert. Wenn man den nämlich ausschaltet, erscheint darauf die digitale Animation einer analogen Uhr, die sentimentale Erinnerungen an die frühen Jahre der "Tagesschau" wachruft. Dabei war Hyundai zu dieser Zeit hierzulande noch gar nicht im Geschäft.

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